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Brandenburg Silvio S. gesteht in Brief an seine Familie
Brandenburg Silvio S. gesteht in Brief an seine Familie
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19:52 21.06.2016
Der Angeklagte Silvio S. (33) verdeckt zu Verhandlungsbeginn stets sein Gesicht.
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Potsdam

Der mutmaßliche Mörder von Elias (6) und Mohamed (4), Silvio S., hat in einem Brief an seine Familie ein Geständnis abgelegt. Das Schreiben wurde am 18. November 2015 aus der Untersuchungshaft in Brandenburg/Havel an die Adresse seiner Mutter in Kaltenborn (Teltow-Fläming) geschickt. „Hallo Familie, ich vermisse euch sehr. Ich weiß, was ich euch und anderen mit meinen Taten angetan habe“, heißt es in dem Brief, den der Vorsitzender Richter Theodor Horstkötter am Dienstag am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Potsdam verlas.

Liveticker vom 3. Tag im Elias-Prozess

Das sichergestellte Papier enthalte „geständnisgleiche Angaben“, so Horstkötter. Ins Detail geht der 33-jährige Angeklagte darin aber nicht. Er schließt mit den Worten: „Ich würde mich aber über einen Besuch oder Brief sehr freuen. Euer euch liebender Sohn, Bruder und Onkel.“ Silvio S., der bei seinen Eltern wohnte, war am 29. Oktober 2015 in seinem Heimatdorf verhaftet worden. Er hatte gegenüber der Polizei zunächst gestanden, den Flüchtlingsjungen Mohamed vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt, missbraucht und erwürgt zu haben. Im Laufe der Vernehmung hatte er zugegeben, auch Elias aus Potsdam getötet zu haben ohne sich zu den Tatumständen zu äußern. Seit der Vernehmung schweigt er.

Kondolenzkarte landete bei Bestattungsunternehmen

Aufschluss über den Tod von Elias liefert nun aber eine Kondolenzkarte, die Silvio wie berichtet an Elias’ Mutter schicken wollte. Am heutigen Dienstag wurde auch dieses Schreiben, das durch Schriftproben und DNA-Abgleich Silvio S. als Absender zugeordnet werden konnte, verlesen. Handschriftlich hat Silvio S. auf der Karte notiert: „In tiefer Trauer um den verstorbenen Elias. Todeszeitpunkt: in der Nacht vom 11.7. auf den 12.7. zwischen 22 und 6 Uhr. Todesursache: Ersticken. Sorry.“

Die Karte war am 4. August 2015 – also knapp einen Monat nach Elias’ Verschwinden – bei einem Bestattungsinstitut in Brandenburg an der Havel eingegangen. Silvio S. hatte auf dem Umschlag das Unternehmen als Absender angegeben und bei der Anschrift den Nachnamen von Elias’ Mutter nicht ausgeschrieben – deswegen ging die Karte an das Institut, das sie der Polizei übergab. Er habe sofort realisiert, dass in der Karte „Täterwissen“ preisgegeben werde, sagte Bestatter Andreas D. vor Gericht. Aufschlussreich ist nicht nur, dass Silvio S. als Todesursache Ersticken nennt – die Ermittler gehen davon aus, dass Elias wie Mohamed stranguliert wurde – sondern auch der angegebene Todestag. Elias war am 8. Juli 2015 verschwunden. Laut Anklage soll Elias am Abend seiner Entführung getötet worden sein. Nach den Angaben auf der Karte hätte Elias noch drei Tage in der Gewalt seines Kidnappers verbracht.

Familien von Mohamed im Zeugenstand

12 Verhandlungstage sind im Mordprozess gegen Silvio S. vor dem Landgericht Potsdam angesetzt. Ein Urteil könnte am 26. Juli fallen.

Kommenden Montag werden die Mutter und die Schwester des getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed als Zeugen erwartet. Auch ein Begleiter der Familie sowie eine Zeugin, die im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) war, wo der Vierjährige entführt wurde, sind geladen. Die Familien von Mohamed und Elias sind Nebenkläger im Verfahren.

Kommenden Dienstag sind ein Inhaber einer Videothek sowie die drei Polizisten geladen, die als erste am Wohnort des Angeklagten eintrafen.

Von Marion Kaufmann

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