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Brandenburg Silvio S.: ein unauffälliger Außenseiter
Brandenburg Silvio S.: ein unauffälliger Außenseiter
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15:03 02.11.2015
Silvio S. gilt als ruhiger Außenseiter, der als Schüler ausgegrenzt wurde. Quelle: Polizei
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Kaltenborn

Seit Polizei und Reporter abgerückt sind, herrscht wieder Ruhe in Kaltenborn. Eine Stille, die fast wehtut. Der Herbstsonntag ist schön, dennoch ist kaum jemand auf der Straße des 84-Einwohner-Dorfes. Hinter den Haustüren will sich die Fassungslosigkeit nicht legen über die Tat von Silvio S., niemand hat eine Erklärung für das Entsetzliche, das der 32-Jährige den beiden kleinen Jungen angetan hat.

Lesen Sie hier die Ereignisse des Freitags im Liveticker nach.

Unauffälliger Typ, der von Mitschülern ausgegrenzt wurde

„Was hätte man tun können?“, fragt sich Hans-Wolfgang Liese, seit am Donnerstag die Ermordung des vierjährigen Mohamed bekannt wurde. Der Lehrer und frühere Schulleiter in Niedergörsdorf hat keine Antwort. Er hat Silvio S. unterrichtet und beschreibt ihn so wie die anderen, die ihn kennen. Unauffällig sei er gewesen, Mitschüler hätten ihn jedoch ausgegrenzt. „In unserem Dorf kennt jeder jeden“, sagt der Lehrer. Er mag die Familie, man habe früher zusammen Volleyball gespielt, da sei auch Silvio dabeigewesen.

Kaum aufgefallen in der Luckenwalder Laubenkolonie

In seiner Luckenwalder Kleingartenanlage ist der mutmaßliche Mörder von Elias und Mohamed kaum aufgefallen. „Er war eher unauffällig“, sagte die Leiterin der Geschäftsstelle des Kreisverbandes der Kleingartenfreunde Luckenwalde (Teltow-Fläming), Christine Fränkel, am Montag . Der Zustand seines Grundstücks zeige, dass er wohl kein großer Gartenfreund gewesen sei. „Es gab aber keine Mahnungen wegen schlechter Bewirtschaftung“, sagte Fränkel. Der Pachtvertrag für die 353 Quadratmeter große Parzelle sei erst Anfang Dezember vergangenen Jahres abgeschlossen worden.

In etwa 50 Zentimeter Tiefe hatten Ermittler am Freitag im Boden den Leichnam des seit Anfang Juli verschwundenen kleinen Elias (6) aus Potsdam entdeckt.

Halloween-Umzug im Ort wurde abgesagt

Hans-Wolfgang Liese aus Kaltenborn schüttelt den Kopf und erzählt von der gedämpften Stimmung im Ort. Der geplante Halloween-Umzug am Sonnabend wurde abgesagt, stattdessen saßen Eltern und Kinder zusammen und sprachen über das Geschehen. „Das Schlimme ist, dass man nicht weiß, ob noch mehr furchtbare Taten aufgedeckt werden“, sagt Hans-Wolfgang Liese angesichts der andauernden Ermittlungen der Polizei.

Ortsvorsteher will nicht über Motive spekulieren

Unverständnis, Unruhe, Fassungslosigkeit – aber Panik herrsche trotzdem nicht im Ort, wie der Ortsvorsteher Christian Laiblin versichert. „Wir sind schwer betroffen, so wie jeder andere“, sagt er. Das Kirchenläuten am Reformationstag um 18 Uhr hat er ausfallen lassen. „Es gibt keinen Grund für fröhliches Geläut“, sagt er und vermutet, dass das furchtbare Geschehen noch sehr lange mit dem kleinen Dorf in Verbindung gebracht werden wird. Lieber möchte er, dass man Kaltenborn mit einem freundlichen Ort in Verbindung bringt. „Wir sind freundliche Gastgeber bei Konzerten, Lesungen und Dorffesten“, sagt Christian Laiblin. Der Berliner weiß seit Jahren die gute Dorfgemeinschaft, zu der auch die Familie S. gehört, zu schätzen. Probleme hat er im Moment eher mit denen, die sofort Erklärungen parat haben. „Es gibt so viele schlaue Leute, die wissen, woran man hätte erkennen können, das etwas Schlimmes passiert“, sagt er. „Umso dankbarer bin ich den Journalisten, die sachlich aus Kaltenborn berichtet haben und Verständnis dafür aufbringen, dass bestimmte Dinge angesichts des Geschehens nicht unbedingt diskutiert werden müssen.“ Details über den Tathergang und die Motive von Silvio S. herauszufinden, das sei Sache der Polizei. Das Bild des vermissten sechsjährigen Elias aus Potsdam hing wochenlang überall, auch im Verwaltungsgebäude der Gemeinde Niedergörsdorf. Die Suche nach ihm müssen die Eltern von Silvio S. mitbekommen haben. Wer zur Bank wollte, musste an dem Foto vorbei.

Viele Anwohner haben auch Mitgefühl für die Eltern von Silvio S.

Obwohl das Mitgefühl der Niedergörsdorfer zuallererst den Eltern der toten Kinder gehört, fragen sich viele, wie es den Eltern des Mörders jetzt gehen muss. Der Ortsvorsteher hatte sofort den Kontakt zu ihnen gesucht und Hilfe angeboten. Die Klingel am Wohnhaus von Familie S. ist abgestellt, es ist zu vermuten, dass noch niemand wieder daheim ist, obwohl die Polizei die Spurensuche bereits am Sonnabend beendet und das Haus, in dem der Flüchtlingsjunge Mohamed (4) ermordet wurde, freigegeben hat.

Taten machen viele Menschen fassungslos

Mitgefühl mit den Familien der Kinder, die auf diese schreckliche Weise aus dem Leben gerissen wurden, empfindet auch Wilfried Rauhut, Bürgermeister der Gemeinde Niedergörsdorf (parteilos). Er selbst hat das Wochenende mit seinen Enkeln verbracht. „Mir geht nicht in den Kopf, wie man die Schutzlosigkeit von Kindern so ausnutzen kann“, sagt er. Aber ihm geht es wie anderen, die darüber nachdenken. „Wenn etwas so Schreckliches woanders passiert, denkt man an die Familien der Opfer“, sagt er. „Aber dies ist so dicht, wir kennen die Familie des Täters, das beschäftigt mich.“

Dass die Tat in der Nachbarschaft geschah, der Täter im Ort bekannt war, macht für Christian Laiblin die Fassungslosigkeit nicht größer. „Durchschnittlich werden pro Tag 500 Kinder in Deutschland schwer misshandelt, jeden Tag stirbt ein Kind“, so Laiblin. „Auch wenn hier etwas aufgeklärt wurde, wir sollten nicht glauben, wir hätten etwas abgehakt.“

Alles zu Elias und Mohamed

Am Donnerstag ist der mutmaßliche Täter Silvio S. in Niedergörsdorf festgenommen worden.

Am Freitag hat er den Mord an Mohamed und Elias gestanden. Wir haben den Tag im Liveticker verfolgt.

Hier haben wir alle wichtigen Fakten zu den Mordfällen zusammengetragen.

In Kaltenborn, dem Ort in dem Silvio S. lebte, ist die Betroffenheit groß. Wir haben uns umgehört.

Silvio S. hat die Leiche von Elias in einem Kleingarten in Luckenwalde vergraben. Die Kleingärtner dort sind von den Ereignissen geschockt.

Am Freitag haben in Potsdam im Schlaatz, dort hat der kleine Elias gelebt, viele Menschen um den 6-Jährigen getrauert.

Hier finden Sie eine Chronologie zum Fall Elias.

Am Sonnabend schweigt Silvio S. und macht keine weiteren Angaben, unterdessen wird der Kleingarten in Luckenwalde weiter umgegraben.

Das sagen Psychologen über die Persönlichkeit von Silvio S.

Von Martina Burghardt und MAZonline

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