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Brandenburg Silvio S. will im Mordprozess schweigen
Brandenburg Silvio S. will im Mordprozess schweigen
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23:55 10.06.2016
Eingang zum Justizzentrum in der Potsdamer Jägerallee. Der Komplex beherbergt auch das Landgericht. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Das Justizzentrum in Potsdam wird zum Auftakt des Prozesses gegen mutmaßlichen Mörder von Elias (6) und Mohamed (4) am Dienstag zur Sicherheitszone. Landgerichts-Präsident Dirk Ehlert erklärte, rund um den Komplex werde für Fahrzeuge von Gerichtsfremden ein striktes Parkverbot durchgesetzt. Das gelte auch für jenen Bereich, in dem üblicherweise die Übertragungswagen der Fernsehanstalten abgestellt sind. Besucher werden, so legt es eine Anordnung des Gerichts fest, durch einen eigenen Eingang und eine Kontrollschleuse in den Gerichtssaal geleitet.

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Sicherheitswarnung des Gerichtspräsidenten: „Konkrete Hinweise“

„Die Polizei hat uns die dringende Empfehlung gegeben, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen“, sagte am Freitag der Präsident des Landgerichts, Dirk Ehlert. „Es gibt konkrete Hinweise.“ Näher wollte sich Ehlert nicht dazu äußern. Hintergrund sind viele hasserfüllte Kommentare in den sozialen Netzwerken, die sich daran störten, dass der mutmaßliche Täter Silvio S. (33) ein rechtsstaatliches Verfahren bekommen soll. Der Gerichtspräsident sagte weiter, das Landgericht sei „nicht geplant für Sicherheitsprozesse“. Es sei eigentlich „ein offenes Haus“.

Ab Dienstag steht Silvio S. vor Gericht. Quelle: Polizei

Antrag: Silvio S. soll vorübergehend den Saal verlassen

Der Prozess findet – obschon der Flüchtlingsjunge Mohamed in Berlin entführt wurde – in Potsdam und nicht in dem mit geeigneteren Sälen für heikle Verhandlungen ausgestatteten Kriminalgericht in Berlin-Moabit statt. Der Grund: Beide Mordtaten fanden nach allem, was man bisher weiß, in Brandenburg statt. Aus Potsdam stammt auch der Erstklässler. Dessen Mutter soll am ersten Prozesstag als erste Zeugin vernommen werden.

Aus dem familiären Umfeld heißt es, dass sie Silvio S. nicht gegenübertreten möchte. Sie könnte es nicht ertragen, den Mann, der ihr Kind auf dem Gewissen hat, zu sehen. Dem Vernehmen nach soll versucht werden per Antrag zu erreichen, dass Silvio S. während ihrer Zeugenaussage den Saal verlassen muss. Den Prozess vor Ort weiter verfolgen wolle die Mutter wegen der enormen psychischen Belastung nicht. Der Berliner Anwalt Robert Unger, dessen Kanzlei die Familie von Elias vertritt, will sich nicht weiter dazu äußern.

Fall Elias wird zuerst verhandelt, ab Ende Juni Mohameds Schicksal

Klar ist nach MAZ-Informationen auch: Silvio S. wird wohl zunächst schweigen. Das sollen seine Anwälte zu erkennen gegeben haben, heißt es aus Justizkreisen. In der Ladung für den Dienstagvormittag ist auch kein Zeitfenster für eine längere Wortmeldung des Angeklagten vorgesehen. Die Zeugenliste ist mit sieben Namen umfangreich, auf ihr stehen unter anderem Nachbarn des Gartengrundstücks in Luckenwalde, auf dem die Elias‘ Leiche in einem mit Klebeband umwickelten Paket vergraben war.

Silvio S. hatte den Fahndern in seiner polizeilichen Vernehmung den Hinweis gegeben. Das war aber auch das einzige, was er zum Fall Elias äußerte. Zuvor hatte er in dem Verhör umfangreich gestanden, wie er Mohamed getötet hatte. Das Gericht plant nach MAZ-Informationen prinzipiell, den Fall Elias zuerst zu behandeln. Ab Ende Juni dann soll laut Verhandlungsplan das grausame Schicksal des Roma-Jungen Mohamed aus Bosnien verhandelt werden.

Besucherregel: Wer zuerst da ist, bekommt einen Platz

Im Gerichtssaal Nummer 8 ist nur Platz für rund 30 Besucher und 24 Journalisten. Wer auf den Besucherrängen einen Platz ergattern will, muss sich sehr früh anstellen, denn das Gericht will das „Windhund“-Prinzip anwenden. Wer zuerst an der Sicherheitsschleuse ist, wird eingelassen – bis die wenigen Plätze belegt sind. Besucher müssen sich auf Leibesvisitationen einstellen und dürfen keine Taschen mit in den Verhandlungssaal nehmen. Das Schwurgericht – so heißt die Erste Strafkammer – tagt ab 10 Uhr. Silvio S. wird zu diesem Zeitpunkt in einer Zelle im Untergeschoss warten, von wo er dann zu Prozessbeginn in den Saal gebracht wird.

Von Ulrich Wangemann und Marion Kaufmann

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