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Brandenburg Sind Brandenburgs Weihnachtsmärkte sicher?
Brandenburg Sind Brandenburgs Weihnachtsmärkte sicher?
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15:39 12.12.2018
Gut geschützt: Der Weihnachtsmarkt Blauer Lichterglanz in Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Einen Tag nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt im französischen Straßburg mit drei Toten herrscht auf dem größten Weihnachtsmarkt in Brandenburg Normalität. Im kalten Nieselregen ist von Angst und Panik in der Innenstadt nichts zu spüren. Glühweintassen klirren, Mutzen und Bratwürste werden über die Tresen gereicht.

An einem Stand mit thüringischen Spezialitäten steht ein Tourist aus Dessau. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Er sagt, er fühle sich noch sicher. „Aber man muss auch sagen, dass sich das ändert.“ Die Stimmung auf dem „Blauen Lichterglanz“ gefällt dem Besucher, er hat zudem den Eindruck, dass die Sicherheitsmaßnahmen nicht auf den ersten Blick ins Auge fallen. Der Weihnachtsmarkt wird bewacht, am Luisenplatz stehen mehrere Polizeiwagen. Die Zufahrten in den Querstraßen zum Markt sind durch parkende Transporter abgeriegelt.

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Auch Bereitschaftpolizisten im Einsatz

„Wir haben keine konkreten Gefährdungshinweise für den Potsdamer Weihnachtsmarkt oder für andere Adventsmärkte“, sagt Heiko Schmidt, Sprecher der Polizeidirektion West. „Die abstrakte Gefährdungslage, die immer besteht, hat sich nicht verändert – auch nicht nach Straßburg.“ Dennoch werde die Polizei die Wachsamkeit und auch die Präsenz rund um den „Blauen Lichterglanz“, den größten Weihnachtsmarkt im Land Brandenburg, erhöhen. Sowohl Bereitschaftspolizisten mit – sichtbar getragenen – Maschinenpistolen als auch Beamte in Zivil werden laut Schmidt eingesetzt: „Es gibt aber keinen Grund, den Weihnachtsmarkt nicht zu besuchen und Freude zu haben.“

Ein Wall aus Stahlkörben, die mit Sand gefüllt sind, sollen den Weihnachtsmarkt vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin vor einem möglichen Anschlag schützen. Quelle: EPD

Sichtbar getragene Maschinenpistolen geben dem Dessauer Besucher allerdings kein gesteigertes Gefühl von Sicherheit. „Ich finde, je weniger Polizei man sieht, umso entspannter ist man“, sagt er. Scharfe Schusswaffen würden ihm eher Angst machen. „Außerdem sieht man doch gerade an der Geschichte in Straßburg, dass es nichts hilft.“ Der dortige Weihnachtsmarkt wurde von Soldaten geschützt, auch sie waren bewaffnet und konnten weder die Tat noch die Flucht des Schützen verhindern.

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Straßburg verstärkt die Polizei ihre Präsenz auch in Potsdam. Quelle: Saskia Kirf

Der Marktleiter des „Blauen Lichterglanz“, Eberhard Heieck, will sich keine allzu großen Sorgen machen. „Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter“, sagt er, „aber wir werden jetzt auch keine Panikmache betreiben.“ Mehrere Händler und Schausteller hätten bereits am Morgen bei Heieck angefragt, ob nun mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen zu rechnen sei. „Stichprobenartige Taschenkontrollen wären zum Beispiel eine Möglichkeit, solchen Situationen zu begegnen“, sagt er.

Ein ganz normaler Tag in der Innenstadt

Am Pfefferkuchenstand steht Katrin Schendzilarz aus dem Spreewald. Mit dicken Handschuhen und Stirnband wappnet sie sich gegen die Kälte, viele Stunden am Tag steht sie in der Holzbude und verkauft die original Pulsnitzer Süßwaren. Sie ist überrascht, dass am Tag nach dem Straßburger Anschlag eher mehr Andrang auf dem Markt herrscht, als vorher. „Ein ganz normaler Tag“ sei dieser Mittwoch. „Natürlich hat man seit einigen Jahren immer im Hinterkopf, dass theoretisch etwas passieren kann“, sagt Katrin Schendzilarz, „aber ich sehe hier viel Polizei und fühle mich sehr sicher.“

Nach der jüngsten Attacke auf den Straßburger Weihnachtsmarkt und zwei Jahre nach dem Terroranschlag vor der Berliner Gedächtniskirche hat sich das Bild auf den Weihnachtsmärkten im Land gewandelt: Vor Saisonbeginn wurden Buden aufgestellt, zum Schutz der Besucher auch mobile Sperren. Überdimensionale Quader und Poller sollen Lkw-Anschläge wie den von Anis Amri verhindern. Am 19. Dezember 2016 war der Attentäter mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gefahren. Er tötete zwölf Menschen, darunter zwei Brandenburger, mehr als 70 wurden verletzt. Seither gelten Weihnachtsmärkte bundesweit als mögliche Terrorziele.

Poller sind am Eingang zum Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz aufgestellt. Quelle: EPD

Angesichts der jüngsten Ereignisse in Frankreich hat die Brandenburger Polizei ihre Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöht. „Wir sind eh schon mit vielen Bereitschaftspolizisten auf den Weihnachtsmärkten unterwegs“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg, Torsten Herbst am Mittwoch. Jetzt werde man die Polizeipräsenz noch einmal deutlich erhöhen. Auch in den Direktionen werde nach einer Besprechung der Brandenburger Sicherheitsbehörden am Mittwochmorgen mehr Personal eingesetzt. „Unsere Beamten sind sensibilisiert und informiert“, sagte Herbst.

Sperren mit Dekoration aufgehübscht

In Brandenburg an der Havel sind es drei Tonnen schwere Betonklötze, die den Weihnachtsmarkt im Zentrum auf dem Neustädtischen Markt vor möglichen Anschlägen schützen. Die Barrieren wurden mit „gigantischer Weihnachtsdeko“ aufgehübscht, sagt Betreiber Michael Kilian vom veranstaltenden Gewerbeverein. An allen Eingängen sowie im Innenbereich gibt es Videoüberwachung. In Cottbus setzt man auf das bewährte Sicherheitskonzept aus dem Vorjahr. Als Zufahrtssperren würden schwere Betonpoller aufgestellt. Außerdem setzt man dort auf eine „sichtbare Präsenz“ von Ordnungskräften, heißt es aus der Cottbuser Stadtverwaltung.

Kosten für Marktbetreiber weiter gestiegen

Für die Betreiber der Weihnachtsmärkte sind die Sicherheitsmaßnahmen ein zusätzlicher Kostenfaktor. So hätten sich in Brandenburg/Havel laut Veranstalter die Ausgaben für die Sicherheitsmaßnahmen verdreifacht und würden im fünfstelligen Bereich liegen. „Die Besucher haben sich aber davon im letzten Jahr nicht abschrecken lassen und finden es gut, wenn sie sehen dass der Markt videoüberwacht ist“, sagt Kilian. Knapp unter 100.000 Gäste besuchten seinen Angaben zufolge den Brandenburger Weihnachtsmarkt.

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Die Berliner Polizei ist nach den Worten von Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf Anschlagsszenarien wie in Straßburg vorbereitet. Was dort geschehen sei, zeige, „dass die Terrorgefahr unverändert hoch ist“, sagte Geisel am Mittwoch. Das gelte auch für Berlin. „Die Polizei schützt sichtbar und mit verdeckten Mitteln die Weihnachtsmärkte in unserer Stadt.“ Sie sei auf unterschiedliche Anschlagsszenarien eingestellt – nicht nur auf Angriffe mit Lastern wie beim Attentat vor zwei Jahren.

Von Saskia Kirf und Nadine Fabian

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