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Sinkende Spritpreise bremsen Tanktourismus

Geringe Nachfrage an polnischen Zapfsäulen Sinkende Spritpreise bremsen Tanktourismus

Das finden die Polen wahrscheinlich gar nicht super. Weil in Deutschland die Spritpreise immer weiter sinken, ist der Tanktourismus ins Nachbarland deutlich zurückgegangen. Dafür steigen nun an anderer Stelle die Umsätze.

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An einer Tankstelle in Slubice halten ausschließlich deutsche Autos – doch der Tanktourismus hat spürbar nachgelassen.

Quelle: dpa

Slubice/Frankfurt (Oder). Einmal volltanken: An den Zapfsäulen einer Tankstelle in der polnischen Grenzstadt Slubice stehen vor allem Autos mit deutschen Kennzeichen. Die Tür des Tank-Shops geht auf, die meisten Fahrer kommen mit Zigarettenstangen in der Hand heraus. So weit, so klischeehaft. Doch viele Autofahrer haben den Eindruck, dass weniger los ist als sonst. Im angrenzenden Frankfurt (Oder) hingegen heißt es bei Tankstellen: mehr Kunden. In Deutschland sind die Spritpreise zurzeit im Keller.

„Normalerweise muss ich hier länger warten“, sagt eine junge Frau, die in Slubice vollgetankt hat. Seit vier Jahren komme sie einmal in der Woche hierher. Sie spare mit jeder Tankfüllung etwa 10 Euro, schätzt die 24-Jährige. Dafür nehme sie den 20 Kilometer langen Weg aus dem Oder-Spree-Kreis auf sich. Jedes Mal kaufe sie hier auch Zigaretten. Dass die Spritpreise in Deutschland sinken, ändere nichts an ihrer Gewohnheit, sagt sie.

Der Durchschnittspreis für Kraftstoff liegt unter einem Euro

Einen Liter Diesel gibt es in Deutschland zurzeit für weit unter einem Euro. Im bundesweiten Durchschnitt fiel der Preis für den Kraftstoff Mitte Januar nach ADAC-Angaben erstmals seit Jahren unter die 1-Euro-Marke. Spritpreise ändern sich am Tag allerdings mehrmals und schwanken auch von Region zu Region.

Genaue Zahlen oder aktuelle Erhebungen darüber, wie viele Deutsche zum Tanken nach Polen fahren, gibt es nicht. Dass die Kleinstadt Slubice mit annähernd 20.000 Einwohnern auf deutsche Kunden setzt, ist nicht zu übersehen. Nach Stadtangaben gibt es weit mehr als 20 Tankstellen, viele auf engem Raum direkt hinter der Odergrenzbrücke.

Polnische Autofahrer weichen zum Tanken auch aus

Wie wirken sich die niedrigen Spritpreise in Deutschland auf den sogenannten Tanktourismus aus? Der ADAC Berlin-Brandenburg geht davon aus, dass die Zahl der deutschen Autofahrer, die ausschließlich wegen des Tankens nach Polen fahren, derzeit tendenziell kleiner wird.

Auch der polnische Verband unabhängiger Tankstellenbetreiber bestätigt, dass derzeit etwas weniger Deutsche ins polnische Grenzgebiet zum Tanken kommen. Zugleich verweist er darauf, dass die Lage aber für polnische Tankstellen im Osten von Polen schlechter sei als im Grenzgebiet zu Deutschland. Grund: Polnische Autofahrer fahren dem Verband zufolge selbst als Tanktouristen in die Ukraine.

Preisvorteil liegt immer noch bei rund 20 Cent

Die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg sieht hingegen keine Auswirkungen. Der polnische Zloty ist momentan schwach - zurzeit auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Dadurch könne man in Polen immer noch billiger tanken. Der gängige Preisvorteil sei rund 20 Cent pro Liter, teilte die IHK mit. Auch ein Tankstellenbetreiber in Schwedt/Oder geht wegen des schwachen Zlotys nicht davon aus, dass Deutsche, die sonst in Polen tanken, das ändern werden.

Als die 24-Jährige aus dem Oder-Spree-Kreis tankt, liegen die Dieselpreise in Frankfurt (Oder) umgerechnet wenige Cents über denen in Slubice. An einer anderen Zapfsäule tankt ein 40-Jähriger aus Südbrandenburg. Er arbeite in Frankfurt (Oder), jetzt habe er Dienstschluss und mache den Schlenker über Polen, um zu tanken. „Sonst ist es hier voller“, sagt auch er.

Einige Polen tanken nun sogar in Deutschland

Das bestätigt auch die Verkäuferin in einem kleinen Imbiss neben der Tankstelle. Dort herrscht gähnende Leere, das sei normalerweise anders, sagt sie. Eine Verkäuferin in einem Mini-Kiosk direkt nebenan, in dem jede Menge Zigarettenstangen aufgetürmt sind, vertreibt sich die Zeit mit ihrem Handy. Keine Kundschaft. Die Mitarbeiter bei der Tankstelle wollen sich selbst nicht äußern.

Bei einigen Tankstellen in Frankfurt (Oder) ist zu hören, dass es mehr Kundschaft gibt. „Wir haben hier sogar polnische Kunden“, sagt eine Betreiberin. Von vielen Frankfurtern höre die 35-Jährige oft diesen Satz: „Mensch, das lohnt sich nicht mehr, nach Polen zu fahren.“ Auch im Grenzgebiet in Südbrandenburg haben Tankstellen nach eigenen Angaben zurzeit mehr Geschäft. „Und alle die kommen, tanken voll“, sagt eine Verkäuferin in einem Tankshop in Guben (Spree-Neiße). „Die Leute sind gut drauf.“

Von Anna Ringle, dpa

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