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So bewerten frühere Kollegen Britta Ernst

Baaskes Nachfolgerin So bewerten frühere Kollegen Britta Ernst

„Erst die sozialdemokratischen Bildungsreformen der 70er-Jahre haben es mir möglich gemacht, Abitur zu machen und zu studieren“, sagt Günter Baaskes Nachfolgerin Britta Ernst (56) über ihren eigenen Bildungsweg. Im Norden hat sie Digitale Modellschulen ins Leben gerufen und Jugendberufsagenturen gegründet. Ihre persönliche Art loben auch damalige Gegner.

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Britta Ernst mit ihrem Mann Olaf Scholz

Quelle: dpa

Potsdam. „Wir suchen eine Zweitwohnung in Potsdam!“ Das erste nicht ganz einfache Großprojekt an ihrem neuen Einsatzort hat Brandenburgs neue Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ins Auge gefasst. Die gebürtige Hamburgerin wird diese Herausforderung gleichwohl mit ruhiger Hand angehen können, denn als gelernte Immobilienkauffrau ist sie vom Fach.

Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 7. Mai ging für die SPD verloren. Die Karriere ihrer Bildungsministerin Britta Ernst geht nun weiter. Die 56-jährige Sozialdemokratin und Ehefrau von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) übernimmt nach dem Rücktritt von Günter Baaske dessen Amt in Brandenburg.

Die neue brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) wurde am Donnerstag im Landtag in Potsdam nach ihrer Vereidigung vom Vorsitzenden

Die neue brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) wurde am Donnerstag im Landtag in Potsdam nach ihrer Vereidigung vom Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Mike Bischoff, beglückwünscht.

Quelle: dpa

Britta Ernst, 56 Jahre alt und studierte Sozialökonomin. Hamburgerin durch und durch. Sie lebt im Herzen der Stadt, in Altona. Als „hanseatisch unaufgeregt und pragmatisch“ wird sie oft bezeichnet.

2014 lag ein turbulenter Sommer hinter der Regierung von SPD-Ministerpräsident Torsten Albig. Ernsts Vorgängerin Wara Wende, eine parteilose Bildungs-Professorin, war monatelang durch eine Affäre um ein dubioses Rückkehrrecht gestolpert, das sie sich an ihrer Ex-Uni hatte einräumen lassen. Auch davor schon hatte Wende die Schlagzeilen beherrscht, weil bei ihr nichts ohne großen Krach mit allen Beteiligten abging.

Schließlich ließ Albig Wende fallen. Britta Ernst kam. Und nach zwei Monaten fand das Bildungsministerium in der Presse kaum noch statt. Die neue Ministerin reiste durch die Schulen und erntete dort trotz ihrer nach außen hölzernen Art schnell die Anerkennung der Praktiker. Ministeriumsmitarbeiter lobten ihre klaren Ansagen. Die Reduzierung des Unterrichtsausfalls setzte sie sich selbst zum Ziel. Ideologische Reformen hingegen seien nicht so ihr Ding, ließ sie schnell öffentlich durchblicken. Das enttäuschte manchen Sozialdemokraten und Grünen. Als Angriffsfläche für Kritik der CDU- und FDP-Opposition eignete sie sich damit aber kaum noch. Ihr selber liegen Polemik und scharfe Reden ohnehin nicht.

Hamburgs Erster Bürgermeister und Spitzenkandidat der SPD, Olaf Scholz und seine Ehefrau Britta Ernst, gehen am 15

Hamburgs Erster Bürgermeister und Spitzenkandidat der SPD, Olaf Scholz und seine Ehefrau Britta Ernst, gehen am 15. Februar 2015 in ein Wahllokal in Hamburg zur Stimmabgabe für die Bürgerschaftswahl.

Quelle: dpa

„Erst die sozialdemokratischen Bildungsreformen der 70er-Jahre haben es mir möglich gemacht, Abitur zu machen und zu studieren“, sagt die 56-Jährige. Das habe sie geprägt und ihr gezeigt, dass „Politik die Gesellschaft zum Besseren verändern kann“. 1978 trat sie in die SPD ein. Als sie 1997 in die Hamburger Bürgerschaft einzog, wurde sie bildungspolitische Sprecherin.

Als ihr Mann Bürgermeister wurde, legte Britta Ernst das Mandat nieder und arbeitete für die Bundestagsfraktion. 2009 holte SPD-Nord-Chef Ralf Stegner sie als Bildungsexpertin in sein Schattenkabinett zur Landtagswahl. Damals gewann die CDU. 2014 aber regierte Albig, und er berief sie nach Kiel. Ernst ließ sich vom Trubel, der damals um ihr Ministerium herrschte, nicht beeindrucken. Sie werde sich jetzt erst mal in aller Ruhe einarbeiten und dann „die gute Bildungspolitik im Land fortsetzen“, erklärte sie. Ihr Ziel: „Alle Eltern müssen ihre Kinder ohne Sorgen an die jeweilige Schule schicken können.“ Die Unterrichtsversorgung habe dabei hohen Stellenwert, und die Qualität des Unterrichts ebenso. Und auch die Inklusion wolle sie vorantreiben.

Britta Ernst mit Wissenschaftsministerin Martina Münch (l, beide SPD)

Britta Ernst mit Wissenschaftsministerin Martina Münch (l., beide SPD)

Quelle: dpa

Wie weit ihr das dann gelungen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Sie hat vieles nur mit ruhiger Hand verwaltet, was sie besser hätte gestalten sollen“, sagt die Kieler CDU-Bildungspolitikerin Britta Franzen. Die Idee, Inklusions-Zentren zu schaffen, sei versandet. Britta Ernst habe wichtige Dinge umgesetzt, lobt hingegen ihr SPD-Kollege Martin Habersaat. Sie habe Digitale Modellschulen ins Leben gerufen, Jugendberufsagenturen gegründet und den Bildungsbericht wieder eingeführt. Ihre persönliche Art loben auch damalige Gegner.

Von Wolfram Hammer

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