Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
So denken MAZ-Leser über Flaggen an Schulen

AfD-Forderung sorgt für Diskussion So denken MAZ-Leser über Flaggen an Schulen

Eine Forderung der Alternative für Deutschland in Brandenburg sorgt für Diskussionsstoff. An staatlichen Schulen sollen täglich die Deutschlandflaggen gehisst werden. Zur Formung der Identität im Sinne einer erfahrbaren Demokratie, heißt es vom Landeschef Gauland. Wir haben die Debatte der MAZ-Leser zum Thema zusammengefasst.

Voriger Artikel
Kreisreform: 4 Abweichler bei Probevoting
Nächster Artikel
Grundsicherung für immer mehr Märker

Potsdam. Das geforderte Bekenntnis zur „herausragenden Bedeutung der Bundesflagge“ der AfD-Fraktion in Brandenburg hat im sozialen Netzwerk Facebook in der MAZ-Community eine Debatte ausgelöst. Die konkrete Idee der Partei: An staatlichen Schulen soll täglich die Deutschlandflagge gehisst werden, schließlich sei sie ein „identitätsstiftendes Symbol für Demokratie und republikanischen Geist“.

Man wolle Demokratie „erfahrbar und erlebbar machen“ hieß es seitens AfD-Landeschef Gauland. Nicht wenige Leser folgen seinem Ansatz und sprechen sich dafür aus. „Sehr gut“, „warum nicht“ oder „in anderen Ländern ganz normal“, liest man kurz und knapp. Ein Querschnitt aller Nachrichten bestätigt auch das Resultat der Umfrage, die wir am Montag zu dem Thema gestartet haben. Demnach halten 72 Prozent der rund 800 Brandenburger (Stand: 14.00 Uhr ), die sich an der Umfrage beteiligten, das Hissen der Flagge für eine gute Idee.

Der Zwischenstand bei der MAZ-Umfrage ist eindeutig.

Quelle: MAZonline

Auf Facebook begründen einige Nutzer ihre Einstellung zugunsten der Fahne mit dem Nationalstolz. „Ich bin dafür. Wir sollten unseren Kindern beibringen stolz auf ihre Heimat, aber auch tolerant zu sein. Ich finde Patriotismus nicht schlimm. Gibt es in jedem Land. Und ich, geschweige meine Kinder haben mit der damaligen Zeit etwas zu tun. Und ich bin stolz ein Deutscher zu sein“, schreibt etwa Lars Ullrich. Doch was heißt es eigentlich, ein „Deutscher“ zu sein? Robert Brauer hat darauf eine Antwort: „Deutsch zu sein heißt fleißig, pünktlich, zuverlässig, strebsam, ehrlich, hohe Qualität im Allgemeinen und so weiter.“ Deshalb schäme er sich auch nicht für seinen Nationalstolz. Ernst August Müller steuert allerdings dagegen. „Ich habe genug auf das ich stolz sein kann, aber zufällig in einer Nation geboren zu sein, ist nichts, worauf man seinen Stolz aufbauen sollte.“  

Revival des DDR-Fahnenappells?

So mancher Nutzer begründet seine Pro-Fahne-Einstellung auch mit anderen Ländern . Einwanderungsländer, etwa die USA, seien schon mit positivem Beispiel voran gegangen. Anja Penzold schreibt dazu: „Nicht nur in den USA ist das üblich. Ich kenne das auch von Sri Lanka usw.“ Assoziationen mit anderen Anknüpfungspunkten gibt es viele. Doch die meisten erinnert die Forderung an die jüngere Geschichte. „Gibt ja nichts, was es nicht schon mal gab. So auch das Flaggenhissen auf dem Schulhof. Zu meiner Zeit hatte das schwarz-rot-goldene Banner da noch ein Emblem in der Mitte“, schreibt Thomas Müpunkt. Ein Revival des Fahnenappells in der DDR? „Das wär’s dann“, urteilt Eva-Maria Goldmann. „Vollkommener Schwachsinn. Das stärkt nichts“, berichtet Karl Peter Anton offenbar aus Erfahrung. 

Identität mit Kulturförderung zeigen

„Total absurd“, „die spinnen“,  „Blödsinn“ oder „Quatsch“, so beurteilen einige andere Facebook-Nutzer die AfD-Forderung. „Sehr beschränkte Idee“, schreibt Lukovski. Er meint, dass man Identität mit Kulturförderung, nicht aber mit Fahne zeigen kann. „Statt Innovation bloße Oberflächlichkeit.“ Wenn dann aber doch Flaggen gehisst werden sollten, „dann von allen Nationalitäten die an den jeweiligen Schulen vertreten sind, um den Stolz der Vielzahl zu demonstrieren“, fordert Philipp Kubiak.

In der Diskussion um den Nationalstolz gibt es viele Kritiker. „Überlegen wir doch nochmal kurz, wie weit uns  Nationalismus historisch gesehen bisher gebracht hat“, so Matthias Stern. Er meint, dass Menschen, die heute noch Wert auf Nationen legen, geistig im 18.Jahrhundert hängen geblieben wären.  Robert Bluhm hat einen anderen Ansatz. Er ist stolz auf seine Familie. Das sei etwas handfestes. „So `ne olle Fahne. Was soll ich damit“, fragt er.

Im Schulalltag gibt es Wichtigeres

Die Forderung der AfD zum Bekenntnis von deutscher Identitätsbildung kann so mancher angesichts der Probleme im Schulalltag wenig nachvollziehen. „Wir sollten uns darum kümmern, dass der Unterricht nicht so oft ausfällt und auch in einigen Brandenburger Gebieten die Klassenstärke geringer wird. Gute Schulbedingungen schaffen Potential für Brandenburg. Aber die AfD will, dass wir uns erst einmal mit Fahnenappell und Flaggenkunde beschäftigen“, so Arne Probandt. User Deka Dance greift die Problematik metaphorisch auf:  „Wir müssen ein neues Haus bauen und die AfD kauft schon mal Platzdeckchen für den Esstisch!“

Nationalstolz und gehisste Flaggen: Das Thema ist noch längst nicht ausdiskutiert. Schon bald wird sich der Landtag damit befassen. Doch bis dahin hat eine Userin auf Facebook einen ganz eigenen Appell:

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg