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So diskutieren die Facebook-Leser über das Kopftuchverbot

Frau muss Praktikum in Luckenwalde abbrechen So diskutieren die Facebook-Leser über das Kopftuchverbot

Auf der MAZ-Facebook-Seite hat der Beitrag über ein Kopftuchverbot für eine Praktikantin in Luckenwalde (Teltow-Fläming) eine emotionale Debatte ausgelöst. Mehr als 100 Kommentare sind binnen kurzer Zeit aufgelaufen. Die meisten befürworten das Kopftuchverbot – es gibt aber auch andere Stimmen. Wir geben einen Überblick.

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Quelle: dpa

Luckenwalde. Die Entscheidung der Luckenwalder Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) eine Frau am ersten Tag ihres Praktikums wieder nach Hause zu schicken, weil sie sich weigerte ihr Kopftuch abzulegen, löste am Mittwoch auch unter MAZ-Lesern eine emotionale Debatte aus. Vor allem auf der MAZ-Facebook-Seite ist der Beitrag viel und emotional diskutiert worden. Die Nachricht erreichte binnen weniger Stunden fast 50.000 Menschen und rund 100 Mal geteilt. Insgesamt sind mehr als 130 Kommentare hinterlassen worden (Stand: Mittwoch, 16.30 Uhr). Die Mehrheit der MAZ-Facebook-Nutzer findet das Kopftuchverbot richtig. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Ein Überblick.

– Auch in der MAZ-Redaktion wird das Thema diskutiert. Ein Pro-und-Contra.

Was halten Sie von einem Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden?

Was halten Sie von einem Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden?

Annika Deger findet die Entscheidung der Luckenwalder Bürgermeisterin richtig und schreibt: „Wir leben hier in Deutschland und da ist es weder üblich ein Kopftuch noch eine Burka o.ä. zu tragen. Wenn ich in einem anderen Land leben möchte, muss ich mich auch anpassen.“ Sie übt aber auch Kritik daran, dass die Frau ihr Praktikum überhaupt antreten konnt: „Natürlich hätte man es diplomatischer gelöst, wenn man sie gar nicht erst eingestellt hätte, bzw. sie darauf hingewiesen hätte, dass sie ihr Kopftuch dort nicht tragen darf.“

Kathrin Schmidt nimmt auf diese Meinung bezug und schreibt: „Warum wird das Kopftuchtragen immer im gleichen Atemzug mit der Burka verbunden. Das hat nichts miteinander zu tun. Und mal ehrlich, wie viel Frauen hat man schon mit Burka in Deutschland gesehen? Ich bisher nur eine in einer Großstadt. Mir ist es übrigens egal, ob die Frau Kopftuchträgerin ist. Verbieten wir dann auch bald Ketten und Ringe?“

Michaela Werner hat ebenfalls Probleme damit, dass der Frau das Praktikum überhaupt erst angeboten wurde: „An der Stelle, an der man ihr diese Praktikum angeboten hat, hätte man das vielleicht auch einfach mal dazu sagen können. Oder das Rathaus sollte vielleicht auch seinen Bedarf an einem Sprachmittler klar und deutlich beschränken mit der Kleidervorschrift. Es gibt ja auch genug Arabisch sprechende Frauen, die kein Kopftuch tragen.“ Jacqueline Krüger sieht das ähnlich: „Es stellt sich die Frage - warum die Kopftuchfrage nicht VOR Praktikumsantritt diskutiert wurde! Das ist inkompetent“

In vielen Facebook-Kommentaren äußern MAZ-Leser Verständnis für die Entscheidung aus Luckenwalde und loben explizit die Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide. Doreen Schmidt: „Öffentliches Amt ist nun mal neutral! Hat sich all und jeder dran zu halten.....Punkt!“ Susanne Dallmann nimmt Bezug auf die Debatte, dass es im Brandenburger Landtag Streit um ein Kruzifix im CDU-Fraktionsraum gab. „Wenn Kreuze im Landtag abgehangen werden sollen, dann auch ohne Kopftuch u.ä.!“ Andreas Blachmann argumentiert ähnlich: „Die Entscheidung ist richtig. In den Amtsstuben dürfen auch keine Kruzifixe sein. Das Kopftuch als Symbol ist daher abzulehnen. Staatsdiener haben neutral auf den Bürger zu wirken.“

Bei aller Zustimmung, es gibt aber auch Kritik an der Entscheidung, die Frau vom Praktikum auszuschließen. Wolff von Rechenberg schreibt etwa: „Wir leben hier in Deutschland. In einem Land, das Glaubensfreiheit und Selbstverwirklichung eigentlich immer ganz groß schreibt. Entspannt euch doch mal. Vor zwanzig Jahren mussten Männer noch ihre Ohrstecker entfernen, wenn sie zum Dienst erschienen sind. Heute stört sich daran niemand mehr. Ich glaube, das hat der Qualität der Dienstleistung öffentlicher Verwaltungen nicht geschadet.“

Manja Weber: „Wenn sie eine Burka getragen hätte, würde ich es noch verstehen, aber ein Kopftuch? Gesicht ist doch hier komplett zu sehen. Zumal sie als Sprachmittlerin fungieren sollte.“ Andreas Schumann kann das Verbot ebenfalls nicht verstehen: „Kruizifixe in den Amtsstuben seien auch verboten ... auch als Kette? Es wäre doch nur konsequent, jeden äußeren „Ausdruck einer Weltanschauung“ analog zu untersagen. Also trägt dort niemand eine Kette mit Kreuz? Ist nicht auch das bewusste Nicht-Tragen eines Kopftuches „Ausdruck einer Weltanschauung“? Auch verbieten? Dann wird´s ja lustig. Mit einer so scheinbar einfachen Begründung kann man sich das Leben also ganz schön schwer machen ... statt einfach mal locker zu bleiben und tolerant zu sein.“ Und Leser Thorsten Wirth unterstellt der Bürgermeisterin, die SPD-Mitglied ist, politische Motive: „Das Mädel ist keine Beamtin o.ä. Bei Polizisten, Richtern, also hoheitlichen Aufgaben, wäre eine äußerliche religiöse Neutralität Voraussetzung für die Ausübung eines Amtes. Aber als Praktikantin? Nun, in Luckenwalde wird sich die SPD keine Sorgen mehr um Wählerstimmen aus dem „bürgerlichen“ Lager machen müssen - sie hat die AfD anscheinend rechts überholt.“

Von MAZonline

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