Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg So dramatisch wird um Pflegekräfte gekämpft
Brandenburg So dramatisch wird um Pflegekräfte gekämpft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 31.12.2017
Pflegekräfte gehören zu den begehrtesten Arbeitern auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Quelle: dpa-tmn
Potsdam

Pflegekräfte sind in Brandenburg so begehrt wie nie. Wie aus einer aktuellen Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung hervorgeht, gehören Altenpfleger zu den am stärksten nachgefragten Mitarbeitern. Auf 100 gemeldete offene Stellen gibt es nur 22 qualifizierte Bewerber. Das sorgt in der Branche für Turbulenzen. So klagt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) darüber, dass professionelle Personalfirmen („Headhunter“) Mitarbeiter und Auszubildende abwerben würden. Zum Teil würden inzwischen sogar Ablösesummen gezahlt.

„Es herrscht ein ganz ausgeprägter Wettbewerb. Man braucht inzwischen sechs Monate, bis eine freie Stelle im stationären Bereich wieder besetzt ist“, erklärte Sebastian Gütschow, Awo-Abteilungsleiter für Altenpflege. Die Awo-Personalleiterin Kati Karney spricht von „Notstand“, der auf Kosten von Mitarbeitern und Bewohnern gehe. „Wir reden hier über existenzielle Probleme. Die Leute müssen in Würde ihren letzten Lebensabschnitt verbringen können.“

Doch in den Einrichtungen herrsche eine extreme Fluktuation. Die Zahl der Pflegekräfte, die den Arbeitgeber wechseln, habe sich in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Emotionale Bindungen zwischen Bewohnern und Mitarbeitern würden so immer schwieriger. Außerdem leide die Qualität unter diesen ständigen Mitarbeiterwechseln.

Schätzung: bereits 30 Prozent Leasingkräfte

Nach Schätzungen der Awo beträgt der Anteil von Leasingkräften in Pflegeeinrichtungen inzwischen bis zu 30 Prozent. Die Leiharbeitsfirmen seien für Mitarbeiter durchaus attraktiv. Denn während die Stammbelegschaft in Heimen an Schichtpläne gebunden sei, können Leiharbeiter über ihre Arbeitszeit freier entscheiden und beispielsweise festlegen, dass sie nur halbtags arbeiten. Das führe wiederum zu Unzufriedenheit beim Heimpersonal. „Die Festangestellten müssen die weniger attraktiven Dienste machen. Die Stimmung ist explosiv“, erklärte Karney.

Der Personaldienstleister „Station Blau“ bedient von Fürstenwalde aus das ganze Land mit Leasingkräften und ist auf Expansionskurs: Im kommenden Jahr will das Unternehmen im Raum Potsdam einen zweiten Standort aufbauen. „Wir wollen unser medizinisches Netzwerk erweitern und mehr Einrichtungen unterstützen“, erklärte Personalchef Benny Priemer. Er betonte, dass man kein Interesse daran habe, Mitarbeiter aus Einrichtungen, mit denen man zusammenarbeite, abzuwerben. Das sei schließlich kontraproduktiv. Die Agentur sei für Pflegekräfte attraktiv, weil sie individueller auf die Wünsche der Mitarbeiter eingehen könne.

Reform der Pflegeversicherung gefordert

Auch das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz klagt über den akuten Fachkräftemangel. „Der Pflegeberuf muss also in Brandenburg attraktiver gemacht werden, was aber aufgrund höherer Gehälter mit höheren Eigenanteilen der Pflegeversicherten verbunden wäre“, erklärte Diakonie-Vorstand Martin Matz. Die eigentliche Lösung wäre aus seiner Sicht eine „Pflegevollversicherung“, bei der das Kostenrisiko bei den Pflegekassen und nicht bei den Pflegebedürftigen und ihren Familien landet. „Leider ist das ein bundespolitischer Ansatz, der noch in weiter Ferne ist“, sagte Matz.

Die Awo hatte sich kürzlich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen Tarifvertrag geeinigt. Die Pflegekräfte werden deutlich besser bezahlt – mit der Folge, dass die Kosten für die Bewohner steigen. „Die Awo ist der falsche Adressat für Protest“, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke. „Der Bund ist für die Pflegepolitik zuständig.“ Er müsse dafür sorgen, dass die Kosten für die Pflege gerechter verteilt werden.

Von Torsten Gellner

Gegen den Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneten Jan-Ulrich Weiß beginnt wahrscheinlich im Februar ein Prozess wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Weiß ist in seiner Partei umstritten, dennoch hält sie an ihm fest.

28.12.2017
Brandenburg Wirtschaftsförderung in Brandenburg - „Der Lausitzring ist ein echter Schatz“

Der Chef der Wirtschaftsförderung sieht 2018 die größten Chancen in den Themen Digitalisierung und intelligente Mobilität. Der Erwerb des Lausitzrings durch die Dekra, wo Europas größtes Testzentrum für autonomes Fahren entstehen soll, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, so Steffen Kammradt im MAZ-Interview.

28.12.2017

Silvester steht vor der Tür und ab Donnerstag kann alles für das Feuerwerk gekauft werden. Pyrotechnik, die in Deutschland nicht zugelassen ist, wird synonym mit dem Begriff„Polenböller“ bezeichnet. Sie haben eine besondere Sprengkraft. Das heißt: laut, stark, besonders gefährlich. Der Zoll findet immer mehr davon – vor allem im Grenzgebiet.

28.12.2017