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So einfach knacken Diebe eine Terrassentür

Vorsicht, Einbrecher! So einfach knacken Diebe eine Terrassentür

Herbstzeit ist Einbruchszeit. Einbrecher nutzen vor allem die dunkle Jahreszeit für ihr kriminelles Tun. Ein Fall aus Brandenburg an der Havel zeigt, wie schnell Diebe eine Terrassentür knacken können. Oft wir es ihnen aber viel zu einfach gemacht.

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Oft ist die Terrassentür ein „leichter Einstieg“ für Einbrecher. So waren die Täter auch in das Zuhause von Andreas Jahn * gelangt.

Quelle: Julian Stähle

Brandenburg/Havel. Normalerweise wäre Andreas Jahn * gegen 18 Uhr zu Hause gewesen. Von seiner Arbeitsstelle sind es nur zehn Minuten mit dem Auto. Aber an diesem Dienstagabend, es war der 26. September, hat der 51-Jährige noch Bekannte besucht kommt erst nach 20 Uhr zurück. Jahn wohnt in einem Reihenendhaus auf dem Görden in Brandenburg/Havel. Als er die Haustür aufschließt, stutzt er, weil die Klappe des Schuhschranks im Flur offen steht. Sonst nichts Verdächtiges. Erst als Jahn die nur angelehnte Wohnzimmertür öffnet, erkennt er, dass eingebrochen wurde.

„Ich habe den Luftzug bemerkt“, sagt der im Online-Handel tätige Brandenburger, dem noch Tage danach der Schrecken in den Knochen sitzt. Die Terrassentür war eingeschlagen worden – ein faustgroßes Loch, der Großteil der Doppelverglasung steckte noch im Rahmen. Der oder die Einbrecher – brauchbare Hinweise auf ihre Identität gibt es bisher nicht – gelangten durch das Loch an den Türgriff und drangen ins Haus ein. Ein Kinderspiel, da die Terrassentür nicht abschließbar und die Jalousie nicht heruntergelassen war. Herabfallende Glassplitter dämpfte ein kleiner Teppich.

Einbruchszahlen bleiben hoch

Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank im Vorjahr in Brandenburg laut offizieller Kriminalstatistik auf 4180 Fälle (2015: 4436). Von Entspannung kann aber keine Rede sein, die Zahlen bewegen sich auf hohem Niveau. Und: Die Aufklärungsquote liegt unter 20 Prozent.

Bundesweit gab es im selben Zeitraum 151 265 Wohnungseinbrüche (2015: 167 136). Problem auch hier: Die geringe Aufklärungsquote von etwa 15 Prozent.

Brandenburg und Berlin verfügen seit 12 Jahren über eine Gemeinsame Ermittlungsgruppe zur Bekämpfung von Eigentumskriminalität. Die Gruppe hat ihren Sitz in Potsdam und ist mit insgesamt 18 Beamten besetzt.

Seit ihrem Bestehen hat die Gruppe mehr als 3000 Fälle bearbeitet, ein Großteil davon richtete sich gegen organisierte Banden, denen Wohnungs- und Hauseinbrüche zur Last gelegt werden. Ihre Mitglieder sind häufig Osteuropäer mit Unterschlupf in Berlin.

Zu den Erfolgen der GEG gehörte vor zwei Jahren die Festnahme eines albanischen Tatverdächtigen, der als Chef einer dreiköpfigen Einbrecherbande galt. Der 23-Jährige und seine Landsleute hatten im Umland von Berlin aus Einfamilienhäusern Bargeld, Schmuck, Handys und elektronische Geräte gestohlen – Schaden: weit über 50 000 Euro. Ihre Masche: das Aufhebeln von Fenstern oder Türen, tagsüber, wenn die Bewohner nicht da waren.

Diebe kamen in den Abendstunden

Die Diebe haben sich vermutlich in der Zeit zwischen 17.30 und 20 Uhr systematisch durch das 110-Quaratmeter große Haus „gearbeitet“. Beute haben sie aber nur im Wohnzimmer gemacht, 350 Euro in einer Schublade. In allen Zimmern, auch im Obergeschoss, wurden Schubläden herausgerissen und Schränke durchwühlt. „Sie haben nicht mehr gefunden. Ich habe keine goldenen Uhren oder Brillantringe“, erklärt Jahn. Seit seiner Scheidung lebt er allein. Dinge, in die er Geld investiert hat, haben die Diebe offenbar nicht interessiert.

Die Rückseite des Hauses ist schlecht einsehbar – daher gern genutzt

Die Rückseite des Hauses ist schlecht einsehbar – daher gern genutzt.

Quelle: Julian Stähle

Der 51-Jährige hat eine gut bestückte Musikanlage und auch ein Heimkino, das kaum Wünsche offen lässt. Aber der riesige Flachbildschirm, Aufnahmegeräte, Beamer und Boxen blieben unangetastet. Dabei hat der Rockmusikfan vor allem bei den Schallplatten ein paar wertvolle Raritäten dabei. Er tippt mit dem Finger auf eine Mike-Oldfield-Platte. „Vinyl ist meine Leidenschaft“, schwärmt Jahn. Die Diebe teilten diese Leidenschaft glücklicherweise nicht. Sie rührten auch die Elektrogitarre nicht an und ließen drei in die Jahre gekommene Laptops sowie die Digitalkamera auf dem Fensterbrett zurück.

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Leichtes Diebesgut

Es sieht so aus, als hätten die Langfinger gezielt nach Wertsachen gesucht, die sich leicht abtransportieren lassen. Damit wird ein Tatmuster bestätigt, auf das Fahnder immer wieder stoßen. Zur Beute werden vorzugsweise teure Smartphones und Laptops hauptsächlich aus aktuellen Modellserien sowie Bargeld und Schmuck. Noch ist unklar, wer Jahns Haus heimgesucht hat, aber hinter Raubzügen insbesondere im Berliner Umland stecken häufig gut organisierte ausländische Banden. Vor allem gutbürgerliche Wohngegenden seien ein Schwerpunkt, hat die mit Brandenburger und Berliner Fahndern besetzte Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes festgestellt. Die Örtlichkeiten werden genau ausgespäht, ist niemand zu Hause wird zugeschlagen. Um ein Fenster zu öffnen, benötigen professionelle Einbrecher nicht mehr als 15 Sekunden.

Andreas Jahn hat sofort die Nachbarn verständigt und die Polizei gerufen. „Der Streifenwagen war schon nach zehn Minuten da.“ Später kommen Kriminaltechniker zur Spurensicherung. Sie haben Splitter der geborstenen Scheibe sichergestellt und wollen mit Jahns Hilfe noch eine DNA-Abgleich machen. Die Aussichten auf einen schnellen Fahndungserfolg sind aber eher gering. Das Wetter war trocken, es gibt keine Schuhabdrücke, die Nachbarn haben nichts gehört.

Die geschützte Rückseite des Hauses

Die Diebe müssen von der Straße aus durch den Garten zur Rückseite des Hauses gelangt sein. Von Nutzen waren ihnen dabei die hohen Büsche rund ums Grundstück. Und auch die Terrasse wird von einer drei Meter hohen Hecke aus Lebensbäumen abgeschirmt. „Die kommt jetzt weg“, sagt Jahn entschlossen. „Höchstens noch eine Blumenrabatte, damit die Nachbarn sehen können, wenn sich hier was bewegt.“ Die Reihenhäuser liegen in einer gepflegten Eigenheimsiedlung am nordwestlichen Stadtrand von Brandenburg/Havel. Viele Grundstücke sind von dichtem Grün umgeben. Nur hier und da sieht man Bewegungsmelder oder gar Überwachungskameras in den Einfahrten.

Trotz gesichertem Schloss haben sich die Diebe getraut

Trotz gesichertem Schloss haben sich die Diebe getraut

Quelle: Julian Stähle

Andreas Jahn rüstet jetzt auf. Er hat bereits an allen Fenstern und der Terrassentür verschließbare Griffe angebracht. „Ich ärgere mich, dass ich die nicht schon längst habe.“ An den Türen befinden sich jetzt zusätzlich Alarmanlagen mit schrillem Pfeifton und für außen ist sind Kameras mit Bewegungsmelder geplant. „Ich weiß, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, aber ich will es Dieben schwer machen.“ Seit dem Einbruch beherrscht Jahn ein „unangenehmes Gefühl“. „Bei Geräuschen schrecke ich zusammen. In der ersten Nacht habe ich mit einem Küchenmesser im Wohnzimmer gesessen. Es ist nicht direkt Angst. Wohl eher diese Mischung aus Hilflosigkeit und Zorn darüber, das Wildfremde in meine Privatsphäre eingedrungen sind.“

Nicht Nachlässig sein

Alexander Gehl warnt Hausbesitzer und Wohnungsmieter vor Nachlässigkeit. „Gekippte Fenster oder nicht verschlossene Haustüren sind ein großes Problem. Da haben Langfinger leichtes Spiel“, sagt der Polizeihauptkommissar. „Schaffen sie es nicht, in drei Minuten einzudringen, lassen sie meistens davon ab.“ Gehl ist in der Polizeiinspektion Potsdam für die technische Beratung zu ständig. „Ich erkläre den Leuten vor Ort, wie sie ihr Zuhause besser schützen können. Jedes Haus, jede Wohnung hat individuelle Besonderheiten.“ Gehl schaut sich vor allem auch die Terrassenfenster an. Er empfiehlt einbruchshemmendes Glas, eine Pilzkopfverriegelung und abschließbare Fenstergriffe. „Aber der größte Feind der Ganoven ist ein aufmerksamer Nachbar.“

 

Von Volkmar Krause

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