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Brandenburg So fahndet die Polizei nach Autoschiebern
Brandenburg So fahndet die Polizei nach Autoschiebern
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16:02 14.03.2019
Vor allem hochpreisige Limousinen und SUVs überprüften die Polizisten bei den Kontrollen in der Nähe der Bundesgrenze. Quelle: Hannah Rüdiger
Briesen (Mark)

Wer Autoschieber auf frischer Tat ertappen will, braucht Geduld. Auf einem tristen Rastplatz knapp 30 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt wartet ein Dutzend uniformierter Polizisten darauf, dass ihnen ein dicker Fisch ins Netz gerät. Im Hintergrund rauscht auf der A12 der morgendliche Berufsverkehr vorbei. „Bisher hatten wir nur einen großen Treffer“, erzählt Polizeisprecherin Stefanie Klaus und zieht sich ihre Mütze tiefer über die Ohren. Über den Parkplatz weht eine kräftige Böe.

Am Morgen hätten ihre Kollegen einen Mercedes-SUV aus dem Verkehr gezogen, berichtet die Sprecherin. „Bei der Überprüfung stellte sich dann heraus, dass das Auto mit einem Kennzeichen unterwegs war, das eigentlich zu einem Mini gehörte“, so Klaus. Schnell stellte sich heraus: Der Mercedes wurde in Nordrhein-Westfalen gestohlen. Fast hätte der Fahrer es mit dem Luxus-Geländewagen außer Landes geschafft, hätte ihn nicht ein Zivilfahnder von der Straße geholt. Der Mann wurde verhaftet.

Fahrzeugkontrollen in drei Bundesländern

Einsatzfahrzeuge auf dem Rastplatz nahe der Bundesgrenze. Quelle: Hannah Rüdiger

Die Fahrzeugkontrolle bei Briesen (Mark) ist Teil einer gemeinsamen Groß-Offensive der Bundespolizei, ihrer polnischen Kollegen, der Brandenburger Landespolizei sowie des Zolls. Neben Brandenburg beteiligen sich auch noch Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern an den dreitägigen Kontrollen, um grenzüberschreitende Kriminalität einzudämmen.

Verdächtig sind zum Beispiel hochpreisige und neuwertige Luxuskarossen, die gestohlen sein könnten. Immer wieder zieht ein Polizeibeamter an der Auffahrt zum Rastplatz SUVs und Limousinen aus dem Verkehr, deren Neupreise bei 50.000 Euro aufwärts liegen. Am Vormittag parkt alle paar Minuten ein glänzender BMW, Mercedes, Audi oder Porsche zwischen den Einsatzfahrzeugen. Am Steuer sitzen meist Geschäftsmänner, die sich als rechtmäßige Besitzer herausstellen und weiterfahren dürfen.

„Wir suchen alles, was gestohlen wurde“

Aber nicht nur auf Autos haben es die Fahnder abgesehen. „Wir suchen nach allem, was gestohlen wurde und über die Grenze nach Osteuropa gebracht werden soll“, erläutert Klaus. Das könnten auch Fahrräder, landwirtschaftliche Maschinen, Baustellenmaterialien oder Werkzeug zum „Planenschlitzen“ sein.

Deswegen lotsen die Polizisten auch Kleintransporter zur Kontrollstelle auf den Parkplatz. Gegen Mittag rollt ein silberner VW-Van mit polnischem Kennzeichen an. Im Kofferraum des VWs stapeln sich prall gefüllte Koffer und Sporttaschen. Gemeinsam mit dem Fahrer laden Polizisten das Gepäck aus und tragen es zu einem unscheinbaren weißen Transporter, in dem sich ein Röntgenapparat befindet. Zwischen den geöffneten Schiebetüren lugen auf beiden Seiten Rollbänder hervor.

Gepäckkontrolle wie am Flughafen

Ein Polizist überprüft einen Koffer. Quelle: Hannah Rüdiger

„Das funktioniert eigentlich genauso wie am Flughafen“, erklärt ein Zollbeamter. Ein Koffer nach dem anderen landet auf dem Förderband und rollt durch die Röntgenkabine. Im Rückraum des Transporters sitzen Zollfahnder, die auf einem Monitor die Aufnahmen analysieren. „Die Sporttasche muss noch einmal drauf“, heißt es schließlich. Mit sichtlicher Anstrengung wuchtet ein Polizist die rot-schwarze Tennistasche auf das Rollband und öffnet den Reißverschluss. Zum Vorschein kommen eine Bohrmaschine und zahlreiche Werkzeuge.

Nach einem längeren Gespräch mit dem Fahrer und einer weiteren Durchsuchung des Mini-Vans kommen die Beamten schließlich zu dem Schluss: nichts geklaut, alles legal. „Das sieht für uns nicht nach gestohlenem Baustellenwerkzeug aus“, sagt Klaus. „Sonst wären da auch Beton- oder Gipsreste dran. Das sind seine eigenen.“

Außerdem habe der Mann schlüssig erklären können, was er mit dem Werkzeug in Polen vor hat. „Natürlich kann man sich so eine Geschichte auch ausdenken“, räumt die Polizeisprecherin ein.“ Die Aussage des VW-Fahrers halte sie aber für glaubhaft. Der Mann darf weiterfahren.

Kaum LKW-Kontrollen

LKW werden auf dem Rastplatz Kersdorfer See kaum kontrolliert. „Bei denen spricht sich eine stationäre Fahrzeugkontrolle auch schnell rum, die LKW-Fahrer stehen über Funk in Kontakt“, erklärt Klaus. Auch organisierte Kriminelle bekämen schnell Wind von der Sache und würden die Kontrollpunkte einfach umfahren. Um solche Täter abzufangen, setzt die Polizei Zivilfahnder auf der Autobahn ein. „Denen fahren sie dann direkt in die Arme“, sagt die Sprecherin.

Am frühen Nachmittag herrscht Flaute. Das sei nicht ungewöhnlich, erläutert der stellvertretende Einsatzleiter Norbert Kruschel, der seit 2006 bei der Autobahnpolizei arbeitet. „Am Anfang hat man immer sehr gute Ergebnisse. Aber nach ein bis zwei Stunden ist die Kontrollstelle meistens verbrannt“, sagt er. „An sich läuft der Einsatz aber völlig reibungslos.“

Nach ein paar Stunden bleibt der ganz große Fang am Kersdorfer See immer noch aus. „Dafür gab es viel Beifang“, sagt Sprecherin Klaus. „Aber wer wirklich etwas zu verbergen hat, der fährt hier heute nicht mehr lang.“

Drei Tage lang fanden in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern verstärkt Autokontrollen statt. Über 1500 Polizisten waren dabei im Einsatz. Einige davon auf einem Rastplatz bei Briesen.

Von Hannah Rüdiger

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