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So gibt’s keine Probleme mit dem „Mini-Jetlag“

Uhren umstellen, Sommerzeit vorbei So gibt’s keine Probleme mit dem „Mini-Jetlag“

In der Nacht zum Sonntag endet die Sommerzeit und es wird an der Uhr gedreht. Um 3 Uhr morgens wird um eine Stunde auf 2 Uhr zurückgestellt. Für Langschläfer ist das eine gute Nachricht, denn sie können eine Stunde länger im Bett bleiben. Doch es gibt auch Verweigerer, Kuhflüsterer und – Achtung, Urlauber – die Türkei.

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Am Sonntag werden die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt.

Quelle: Peter Geisler

Potsdam. Manch einer wird sich über die Umstellung auf die Winterzeit am 25. Oktober freuen - schließlich bekommen wir eine Stunde Schlaf geschenkt. Eigentlich gleicht die Zeitumstellung aber einem Mini-Jetlag, sagt Hans-Günter Weeß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und Leiter des Schlafzentrums des Pfalzklinikums in Klingenmünster. In der Regel haben die meisten Menschen sich nach ein bis zwei Tagen daran gewöhnt.

Aber: “Gerade Ältere, Kinder oder Menschen mit Schlafstörungen tun sich mit der Umstellung schwerer.“ Bei ihnen kann die Umstellung bis zu einer Woche dauern. Mit ein paar Tipps geht es ein bisschen besser.

Viertelstunde später ins Bett

In der Woche vorher: Im Idealfall beginnt man schon ein paar Tage vorher mit der Umstellung, rät Weeß. “Am besten geht man jeden Abend 10 bis 15 Minuten später ins Bett.“ Wenn möglich hängt man morgens die 10 Minuten wieder dran. So ist man gewappnet, wenn man mit der Zeitumstellung eine Stunde länger wach bleiben und eine Stunde länger schlafen darf - oder auch muss.

Viel Sport, wenig Alkohol

Abends: Ist die Uhr umgestellt, wird manch einer abends “zu früh“ müde. Eigentlich kein Problem, nur rächt sich das höchstwahrscheinlich am Morgen, und man wacht quasi mitten in der Nacht auf. “Mit Sport, leichteren Mahlzeit am Abend sowie Verzicht auf Alkohol kann man die Müdigkeit abends vorübergehend vertreiben“, empfiehlt Weeß.

Morgens: Wer nach der Zeitumstellung morgens “zu früh“ aufwacht, sollte «auf keinen Fall einschlafen wollen», mahnt Weeß. Denn wer sich Druck macht, verhindert mit ziemlicher Sicherheit das Einschlafen. Ein kleiner Trost: “Nach ein paar Tagen hat man sich dran gewöhnt.“ Wer allerdings morgens aufsteht, wenn er zu früh aufwacht, wirkt dieser Gewöhnung entgegen. Besser bleibt man entspannt liegen und versucht die Zeit zu genießen.

Licht gegen Winterblues

Neben der Schlafproblematik steht manch einer im Winter auch vor einem weiteren Problem: Lichtmangel. Er wird dadurch begünstigt, dass es abends früher dunkel wird, erklärt Weeß. “Lichtmangel fördert die Produktion des sogenannten Schlafhormons Melatonin und dämmt die Bildung des Glückshormons Serotonin ein.“ Das beeinflusst nicht nur den Tagesrhythmus, sondern kann auch auf die Stimmung schlagen: Mögliche Folgen sind ein Winterblues oder eine Winterdepression, erklärt Weeß. “Mit viel Licht, viel Bewegung im Freien kann man gegensteuern.“

Er selbst habe außerdem eine Schreibtischlampe, deren Lichtspektrum dem Sonnenlicht nachempfunden ist. Solche Lampen werden eigentlich in der Lichttherapie eingesetzt. Man kann sie aber auch für zu Hause kaufen. “Man sollte darauf achten, dass die Lampe 10 000 Lux hat. Dann reicht es, eine halbe Stunde davor zu sitzen. Ein Spaziergang im Freien ist aber mindestens genauso ergiebig.“

Wichtige Infos zur Zeitumstellung

Manche können es gar nicht abwarten, vor allem Langschläfer freut es. Die Nacht zum Sonntag ist um eine Stunde länger

- “Immer zum Sommer hin.“ Also im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück.

- “Zeitumstellung funktioniert wie das Thermometer“ - im Frühjahr plus und im Winter Minus.

- “Früher aufstehen im Frühjahr“, denn die Uhr wird vorgestellt und die Schlafzeit verringert sich um eine Stunde.

- “Bei der Zeitumstellung ist es wie mit den Gartenmöbeln.“ Im Frühjahr kommen sie VOR die Tür, im Herbst ZURÜCK in den Schuppen.

- “m Winter gibt es Winterschlaf.“ Eine Stunde mehr Schlaf, denn die Uhren werden zurückgestellt.

- “Spring forward, fall back.“ Im Frühling (spring) den Zeiger eine Stunde vordrehen, im Herbst (fall) eine Stunde zurück.

DER VERWEIGERER : Bei Hubertus Hilgers ticken die Uhren von Sonntag an wieder richtig. Die Zeitumstellung im Frühjahr ist dem Erlanger Arzt nämlich schon immer ein Dorn im Auge, deswegen boykottiert er sie. Seine Uhren stellt der 51-Jährige grundsätzlich nicht um. Bei ihm gibt es keine Sommerzeit, sondern nur die Normalzeit. Das hätten schon seine Eltern so gehandhabt, sagt der gebürtige Hesse. Die Zeitumstellung sei Stress pur für den Körper: Schlafstörungen, Bluthochdruck, aber auch Herzinfarkt und Schlaganfälle seien mögliche Folgen. Viele seiner Patienten litten unter der Zeitumstellung, deshalb hat Hilgers auch eine Petition gegen die Sommerzeit veranlasst. Zehntausende Unterstützer hat er schon beisammen.

DER HÜTER DER ZEIT : So richtig bringt die Zeitumstellung Andreas Bauch nicht in Wallung - obwohl der Atomphysiker dafür verantwortlich ist. Mehr als 60 Mal war er hautnah an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig dabei. Mit seinem Team überwacht er die gesetzliche Zeit. Mittlerweile hat er als Leiter der Arbeitsgruppe “Zeitübertragung“ die Zügel in der Hand. Er muss dafür sorgen, dass über einen starken Sender das Zeitsignal ordnungsgemäß übermittelt wird, etwa an Funkuhren. Wirklich aktiv wird er dabei aber nicht: Die Umstellung ist vorprogrammiert. “Es ist nichts zu tun, außer sicherzustellen, dass alle Geräte voll funktionstüchtig sind“, sagt Bauch. Ganz kalt lässt ihn die Sache trotzdem nicht: In der Nacht auf Sonntag nimmt er eine analoge und eine digitale Uhr mit ins Bett: “Wenn ich mal wach werde, schaue ich, ob diese Uhren gleich sind.“

DER MANN MIT DEM PENDE L: In Hannover-Kirchrode ist seit mehr als 30 Jahren der Uhrmachermeister Rolf Zurmöhle für die Zeitumstellung der Kirchturmuhr zuständig. Am Samstag wird er das Glockenläuten um 18 Uhr abwarten und dann das Pendel anhalten. “Nach einer Stunde bringe ich es wieder in Gang“, sagt der 68-Jährige. Beschwerden, dass die Uhr schon Stunden vor der Zeitumstellung die in den Wintermonaten geltende Normalzeit anzeigt, gebe es nicht. Die Verantwortung für die Uhr der St. Jacobi-Kirche übernimmt Zurmöhle gern. “Der Kirchturm ist rund 1000 Jahre alt, das ist eine besondere Aufgabe.“ Das 1906 gebaute Uhrwerk hat er rund 25 Jahre lang per Hand aufgezogen. Dann wurde es mit einem elektrischen Aufzugsmotor ausgestattet. Ungenauigkeiten gibt es dennoch. «So eine alte Uhr reagiert auf Temperaturschwankungen, da muss ich immer mal etwas regulieren.»

DER KUHFLÜSTERER : Hansjörg Birkenberger aus Waldshut-Tiengen bringt seine 80 Kühe behutsam in die Winterzeit. In Fünf-Minuten-Schritten passt der Landwirt die täglichen Melkzeiten um 6.30 Uhr und 17 Uhr an die neue Zeitrechnung an. “ch melke seit Anfang Oktober jeden Tag fünf Minuten später“, sagt er. Durch die schleichende Umgewöhnung will der 55-Jährige vermeiden, dass die Kühe weniger Milch geben. Denn eigentlich sind es seine Tiere gewohnt, jeden Tag zur selben Zeit gemolken zu werden. Nicht nur die Tiere, auch der Landwirt profitiert von der schrittweisen Zeitumstellung: “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich wache jeden Morgen um 6 Uhr auf.“ Doch bald könnte unabhängig von Sommer- und Normalzeit gemolken werden: Birkenberger denkt darüber nach, sich einen Melkroboter anzuschaffen. Mit ihm wird nicht mehr zu einer bestimmten Zeit gemolken, vielmehr gehen die Kühe je nach Druck in den Eutern zum Roboter.

NOCH EIN KÄMPFER GEGEN DIE SOMMERZEIT : Der Kurort Bad Kissingen (Bayern) hat vor mehr als zwei Jahren das Projekt “ChronoCity - Pilotstadt Chronobiologie“ gestartet. Der Wirtschaftsförderer der Stadt ist überzeugt, dass eine verstärkte Berücksichtigung der inneren Uhr viele Vorteile bringt. “Mehr Schlaf zu den richtigen Zeiten macht leistungsfähiger und ist gesünder“, sagt Michael Wieden. Ein Projektbestandteil ist auch eine wissenschaftliche Betrachtungsweise der Sommerzeit. Sein Ideal wäre die dauerhafte Normalzeit. Dass Bad Kissingen im Alleingang die Sommerzeit abschafft, ist unrealistisch. Das weiß auch Wieden. Aber das war auch nie das Ziel. Vielmehr will die “ChronoCity“ dafür sorgen, dass bei Arbeit, Bildung und Medizin mehr auf die innere Uhr der Menschen geachtet wird.

Türkei-Urlauber müssen sich in den nächsten Wochen auf eine Besonderheit einstellen: Während Deutschland am 25. Oktober auf die Winterzeit wechselt, wurde die Zeitumstellung in der Türkei verschoben. Erst am 8. November dreht das Land die Uhr eine Stunde zurück. Darauf macht Turkish Airlines aufmerksam. Der Zeitunterschied zwischen Deutschland und der Türkei beträgt dadurch zwischen dem 25. Oktober und dem 8. November nicht mehr nur eine Stunde, sondern zwei Stunden.

Für Passagiere mit Tickets in diesen zwei Wochen bedeutet das: Die Abflug- und Ankunftszeiten in Deutschland bleiben gleich. Was sich für Passagiere ändert, sind die Zeiten in der Türkei. Wären sie zum Beispiel vor der Zeitumstellung in Deutschland am Samstag um 10.00 Uhr in Deutschland abgeflogen und um 14.00 Uhr in Istanbul gelandet, würden sie am Sonntag nach der Zeitumstellung in Deutschland - bei einem Abflug um 10.00 Uhr - erst um 15.00 Uhr in Istanbul landen. Ab 8. November ist dann wieder alles wie gehabt.

Viele bekommen von der Zeitumstellung aktuell wenig mit - sie schlafen. Anders sieht es aus, wenn man in der Nacht von Samstag und Sonntag unterwegs ist, etwa mit der Deutschen Bahn. So werden die Nachtzüge zum Beispiel in der um eine Stunde längeren Nacht an einem Bahnhof entlang der Reisestrecke anhalten, um das Ziel fahrplanmäßig und nicht zu früh zu erreichen, teilt die Bahn mit.

S-Bahnen setzen ihre Fahrten meist ohne Unterbrechung fort. Die Bahnen, die in der Stunde zwischen 2.00 bis 3.00 Stunden abfahren, fahren in der Nacht von Samstag und Sonntag in der Regel zweimal. Eine Ausnahme gibt es allerdings in München: In der gewonnenen Stunde zwischen 2.00 und 3.00 Uhr fahren dort keine S-Bahnen.

Für Autofahrer steigt in den Wochen nach der Umstellung auf die Winterzeit das Risiko für Wildunfälle. Weil es eher dunkel wird, sind viele Fahrer in der Dämmerung unterwegs. Auch Wildtiere sind in dieser Zeit aktiv und kreuzen die Straßen. “Wildtiere tragen keine Uhr“, sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Sie behalten ihren Rhythmus bei, da sie sich an der Helligkeit und nicht an der Uhrzeit orientieren.

Kinder langsam auf Zeitumstellung vorbereiten

Eine Stunde länger schlafen - viele freuen sich deshalb auf die Zeitumstellung am 25. Oktober. Doch gerade kleine Kinder haben oft einen sehr festen Schlaf- und Wachrhythmus. Abends sind sie nach der Zeitumstellung dann früh müde und dafür morgens schon mopsfidel - eine Stunde bevor der Wecker klingelt. “Deshalb kann es hilfreich sein, peu à peu und behutsam umzustellen“, sagt Dana Urban von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Besonders bei kleinen Kindern hängt der Schlafrhythmus eng mit den Mahlzeiten zusammen. Deshalb können Eltern schon mehrere Tage vor der Zeitumstellung beginnen, das Abendessen und das Schlafengehen um etwa zehn Minuten nach hinten zu verschieben. “Größere Kita-Kinder wird es sicher freuen, abends ein bisschen länger wach bleiben zu dürfen“, sagt Urban. Wichtig ist, die gewohnten Rituale über den Tag beizubehalten und trotz Schmuddelwetters viel an die frische Luft zu gehen. Bewegen sich die Kinder draußen, können sie abends normalerweise besser einschlafen.

Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen Eltern aber nicht zu viel erwarten. “Da sollten Mütter und Väter stets feinfühlig und sensibel auf die Signale der Kinder reagieren, wenn sie eine Stunde früher müde oder hungrig sind“, sagt die Expertin.

Ist ein Kind etwa zwei bis drei Jahre alt, können Eltern die Zeitumstellung zum Anlass nehmen, mit dem Nachwuchs über das Thema Zeit und die Jahreszeiten zu sprechen. Dazu gibt es auch viele spannende Kinderbücher, mit Schulkindern können Eltern auch mal im Internet schauen, welche altersgerechten Seiten es dort gibt.

Von MAZonline

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