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Brandenburg So hat Brandenburg die Wende wirtschaftlich gepackt
Brandenburg So hat Brandenburg die Wende wirtschaftlich gepackt
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00:19 07.01.2018
Angst vor Arbeitslosigkeit: Demonstration von Beschäftigten vor dem Werktor der Textilfabrik in Premnitz 1992. Quelle: FOTO: Mai
Potsdam

Die Arbeitslosenquote lag vor 15 Jahren im Land Brandenburg noch bei 20 Prozent. Im Dezember 2017 betrug sie 6,6 Prozent. Das teilte das Amt für Statistik am Mittwoch mit. Die MAZ zeigt Beispiele, wie Orte die Wende gepackt haben.

Vor 15 Jahren lag die Arbeitslosenquote bei 20 Prozent. Heute liegt die Quote unter sieben Prozent. Wir zeigen Ihnen Beispiele, wo die Wende in Brandenburg gelungen ist.

Premnitz

Bis 1989 war das Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ einer der größten Faserproduzenten in der DDR. Hier arbeiteten bis zu 6000 Menschen aus Premnitz und dem gesamten Westhavelland. Seit Ende des 19. Jahrhunderts war aus dem kleinen Fischer- und Bauerndorf eine veritable Stadt geworden. Dreh- und Angelpunkt war die Industrie. Es gab eine Kita für das Chemiefaserwerk, der betriebseigene Sportverein brachte vor allem erfolgreiche Handwerker hervor. Und die Kunstfasern wurden in vielen Kleidungsstücken verarbeitet. Unvergessen sind die Dederon-Kittelschürzen. Nach der Wende war Schluss. Nach und nach schlossen die Betriebsteile. Aus der Asche wuchs ein neuer Industriepark. Neben chemischer Produktion – auch Fasern – haben sich Kunststoffproduzenten angesiedelt. Aber auch andere Betriebe wie zum Beispiel die erfolgreiche Havelländische Zinkdruckguss GmbH oder ein Müllverbrennungswerk, das Wärme bis nach Brandenburg an der Havel transportiert. 72 Millionen Euro kostete die Wiederbelebung. (wil)

Textilproduktion im früheren Werk in Premnitz. Quelle: Michael Hübner

Ludwigsfelde

Bis 1990 produzierte das VEB IFA Kombinat Nutzfahrzeuge Ludwigsfelde die legendären Lastkraftwagen W 50 und L 60 vorwiegend für die DDR, das sozialistische Ausland und befreundete Staaten in Afrika, Asien und der Karibik. Doch 1990 wurde es mit rund 10 000 Mitarbeitern von der Treuhandanstalt abgewickelt. Und Mercedes-Benz kehrte zurück an seinen alten Standort, wo die Daimler Benz AG von 1936 bis 1945 Flugmotoren baute. Nach dem Krieg wurden dort neben den Lkws auch Roller gebaut. Ab 1991 liefen wieder Nutzfahrzeuge von den Montagebändern, diesmal von Mercedes-Benz. Der Stuttgarter Automobilkonzern hatte etwa 1700 Mitarbeiter der alten Belegschaft übernommen. Andere suchten sich entweder Arbeit in Westdeutschland oder fanden neue Anstellungen in unmittelbarer Nähe. So siedelte sich dort unter anderem Thyssen an, das hier Karosserieteile für alle namhaften Automarken herstellt. Aber auch viele mittelständische Firmen, darunter vor allem Kfz-Zuliefererbetriebe ließen sich nieder. Mercedes-Benz produziert seit 26 Jahren vor allem Lkws und Transporter. 2016 liefen in Ludwigsfelde insgesamt mehr als 55 000 Fahrzeuge vom Band. Derzeit zählt das Werk gut 2000 Mitarbeiter. Doch nicht nur bei Mercedes brummt’s. Von den 25 875 Einwohnern sind mehr als 13 700 sozialversicherungspflichtig angestellt. (mut)

Am 13. Februar 2014 lief in Ludwigsfelde das 555.555 produzierte Fahrzeug seit 1991 von Mercedes-Benz vom Band. Quelle: dpa

Oranienburg

Eine Oranienburger Erfolgsgeschichte ist die Entwicklung des Spezialklebefolienherstellers Orafol. 2018 will das Unternehmen 50 Millionen Euro am Stammsitz investieren und konnte im vergangenen Jahr Umsätze von 600 Millionen Euro verbuchen. Dabei fing alles ganz klein an: Bereits zu DDR-Zeiten stellte die Firma VEB Spezialfarben auch Reflexfolien her. Das Unternehmen zog 1991 ins Gewerbegebiet Nord. Mit damals 61 Mitarbeitern bei zehn Millionen Jahresumsatz. Dort hat das Unternehmen inzwischen elfmal erweitert: Für Produktionshallen, Lagerflächen und kurz vor der Fertigstellung steht derzeit die neue Konzernzentrale. Orafol-Geschäftsführer Holger Loclair arbeitet seit 1976 im Unternehmen. Überall ist der Folienspezialist auf Expansionskurs, hat Werke in den USA und baut in Dubai. (hb)

Orafol stellt Folien her. Quelle: Enrico Kugler

Neuruppin

Von Mitte 2012 zu Mitte 2017 ist die Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen im Kreis Ostprignitz-Ruppin um fast zehn Prozent gestiegen. Allein zischen 2016 und 2017 sind fast 600 neue Jobs entstanden. Fast die Hälfte aller Arbeitsplätze liegt dabei in der Kreisstadt Neuruppin. Von dort kommen inzwischen Mülltonnen für die halbe Welt, Bedienelemente und Steuerungen für fast alle Waschmaschinen und Geschirrspüler der großen Marken und vorgefertigte riesige Dachstühle. Für die nächsten Jahre will Neuruppin besonders auf die Gesundheitswirtschaft setzen. Die Ruppiner Kliniken sind schon jetzt mit 2400 Stellen der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region. (gru)

Die Ruppiner Kliniken – hier das KMG Klinikum Wittstock – sind der größte Arbeitgeber in Ostprignitz-Ruppin. Quelle: Christamaria Ruch

Frankfurt (Oder)

„Wir haben harte Zeiten erlebt“, sagt Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos). „Jetzt kommen wir langsam wieder voran.“ Neben der noch immer vertretenen Photovoltaik schaffen Kunststoffindustrie, Brauereiwesen und nicht weniger als 5100 kleinere Unternehmen 27 582 Arbeitsplätze. Von den gut 58 000 Einwohnern sind nur 2497 arbeitslos gemeldet. Das bringe insgesamt 15 Millionen Euro Gewerbesteuern, so Wilke. „Es reicht aber noch nicht“, betont der Oberbürgermeister und verweist auf die goldene Hochzeit der Solarindustrie um 2011. Damals regnete es Gewerbesteuern von 35 Millionen Euro. Über die schlimmste Zeit scheint Frankfurt hinweg. Im Dezember 1997 zählte die Stadt noch 7642 Arbeitslose, weil nach der Wende zum Beispiel das den ganzen Osten beliefernde Halbleiterwerk mit 8000 Beschäftigten zusammengebrochen war. Auf diese Industrie setzte man auch Ende der 1990er und hoffte auf Investoren für eine aus dem Boden gestampfte Chipfabrik. Das Unternehmen scheiterte 2003 endgültig. Doch dann brachten Solarunternehmen wie Conergy und Solarsun Frankfurt es in Schwung. Als auch diese einbrachen, stürzte Frankfurt ein zweites Mal ab. Der Aufbau geht jetzt zwar voran – aber zu langsam für die abwandernde Jugend. (bra)

Teltow

Teltow galt in der DDR als Zentrum der Industrieautomatisierung. Im „VEB Geräte- und Reglerwerke Teltow“ (GRW) wurden Mess- und Regelgeräte auf hydraulischer, pneumatischer und elektronischer Basis hergestellt. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort rund 8000 Menschen, zählt man andere Werke auf dem Gelände am Teltowkanal hinzu, dann waren in den Teltower Betrieben bis 1989 über 10 000 Menschen beschäftigt. Das Hauptwerk konnte noch bis 1991, inzwischen als GmbH, in alle Welt exportieren – dann war Schluss. Große Teile des GRW wurden von der Siemens AG übernommen, wenige Jahre später aber komplett nach Berlin verlegt. Einzelne Sparten konnten durch Ausgründung aber dennoch überleben, so die Druckmesstechnik, die von Endress und Hauser aus Baden-Württemberg übernommen wurde und noch heute existiert. Auf dem Gelände siedelten sich Technikfirmen und auch Betriebe aus der Automobilbranche an. Inzwischen ist das Gelände zum größten innerstädtischen Gewerbegebiet Brandenburgs herangewachsen. (sti)

Behälterbau Huch im Gewerbegebiet Temnitzpark. Quelle: Peter Geisler

Von MAZ

Das Sturmtief „Burglind“ hat in der Nacht zum Donnerstag in Brandenburg nur geringe Schäden hinterlassen. Die Feuerwehren vermelden wenige sturmbedingte Einsätze. In Perleberg (Prignitz) hat “Burglind“ allerdings einen Schornstein zum Einsturz gebracht.

04.01.2018

Brandenburg hat ein wachsendes Problem mit gewalttätigen Zuwanderern. Die Zahlen liegen im deutschlandweiten Trend: Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zeichnet ein ähnliches Bild.

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Im vorigen Jahr lag der Landkreis Teltow-Fläming schon vergleichsweise gut im Landkreisvergleich des Wirtschaftsmagazins Focus-Money. Platz 74, bester ostdeutscher Landkreis, das konnte sich sehen lassen. In der neuen Ausgabe ist TF aber noch einmal kräftig empor geklettert. Dahme-Spreewald dagegen schwächelt.

07.01.2018