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So hilft das Rote Kreuz vermisste Eltern zu finden

Flüchtlinge So hilft das Rote Kreuz vermisste Eltern zu finden

Der Brandenburger DRK-Suchdienst hilft Flüchtlingen, vermisste Angehörige zu finden und berät beim Familiennachzug. Seit die Bundesregierung den Schutzstatus vieler Neuankömmlinge eingeschränkt hat, wächst laut DRK die Zahl der „Härtefälle“.

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Suchdienst-Chefin Stefanie Lewis.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. In der Tür der Potsdamer DRK-Beratungsstelle steht ein dunkelhaariger Mann, dicht bei ihm ein 14-jähriges Mädchen. „Das ist Basima, meine Tochter. Sie ist wieder bei mir, danke, vielen Dank“, sagt Arif M. und strahlt. Basima war auf der Flucht aus Syrien vor zwei Jahren von der Familie getrennt worden. Aber mithilfe des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes konnte das Mädchen in einem türkischen Flüchtlingslager ausfindig gemacht werden.

Für Stefanie Lewis sind das die schönsten Momente ihrer Arbeit. „Dann war unsere Mühe nicht umsonst.“ Die 36-Jährige leitet den Suchdienst des Brandenburger DRK-Landesverbandes. Vor 70 Jahren hat der Suchdienst geholfen, die Schicksale von Vermissten und Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs zu klären. Auch heute geht es wieder um Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Zerstörung fliehen. Auf dem Weg nach Europa werden Familien auseinandergerissen. Auch beim märkischen Suchdienst steigt die Zahl der Anfragen. In der ersten Hälfte dieses Jahres waren es bereits 56, acht Mal mehr als im gesamten Jahr 2015.

2015 gab es bundesweit 1700 Anfragen

Die meisten Fälle betreffen Familien aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern, so Stefanie Lewis. 2015 gab es bundesweit 1700 Anfragen, in drei Viertel der Fälle habe man helfen können. In diesem Jahr wird mit einer Verdopplung der Anfragen gerechnet. Oft werden Kinder in den Wirren der Flucht von ihren Eltern getrennt. Von den rund 8000 Minderjährigen, die 2015 nach Brandenburg kamen, waren mehr als 1500 ohne Angehörige unterwegs. „Oft wissen die Kinder nicht, wo ihre Eltern sind, weil Schlepper die Familien auf verschiedene Flüchtlingsboote verteilt haben“, sagt Lewis.

In einem internationalen Netzwerk arbeitet der DRK-Suchdienst mit den verschiedenen Gesellschaften des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes zusammen, um weltweit Auskünfte über Verschwundene einzuholen. „Das ist schwierig, etwa wenn Gesuchte von iranischen Grenzposten festgesetzt wurden oder in Gefängnissen angefragt werden muss.“ Die Hauptarbeit des Brandenburger Suchdienstes mit seinen landesweit vier Beratungsstellen (Potsdam, Oranienburg, Strausberg und Senftenberg) besteht darin, Flüchtlinge mit bereits gesichertem Aufenthaltsstatus zu beraten, die Ehepartner, Kinder oder andere Angehörige nach Deutschland holen wollen. 437 Fälle landeten allein von Januar bis Juni dieses Jahres auf dem Tisch des Suchdienstes, im gesamten Vorjahr waren es 239.

Anfragen zu Kriegsvermissten

Der 1945 gegründete DRK-Suchdienst genießt hohe Anerkennung, vor allem durch die Suche nach vermissten Soldaten und verschollenen Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs.

14 Millionen Anfragen gingen bis 1950 dazu ein, knapp neun Millionen Auskünfte wurden erteilt. Heute sind es zum Weltkrieg weniger Anfragen, bundesweit waren es im Vorjahr knapp 12 000, in Brandenburg nur noch zwölf und bis Juni dieses Jahres lediglich drei.

Dem Suchdienst lagen bis 1959 noch 2,5 Millionen offene Anfragen vor, die knappe Hälfte davon konnte bis Ende der 1990er Jahre geklärt werden.

Seit der Wende hat der Suchdienst durch die Auswertung sowjetischer Kriegsgefangenenakten in 250 000 Fällen Schicksale aufklären können.

290 Suchanfragen betrafen im Vorjahr Spätaussiedler aus der früheren Sowjetunion.

 

Das Problem dabei: Die Bundesregierung hat das Recht auf Familiennachzug eingeschränkt. Im Falle der Syrer betrifft das inzwischen jedes zweite Asylverfahren. „Die Zahl der Härtefälle nimmt zu“, so Lewis. Viele der Antragsteller hätten Schreckliches erlebt, seien verzweifelt und in großer Sorge um die Zurückgebliebenen. „Manche begreifen nicht, dass sie Kinder über 18 Jahre oder andere Mitglieder der im Nahen Osten üblichen Großfamilien nicht nach Deutschland holen können.“

Getrennte Familien warten viele Monate auf einen Bescheid

Getrennte Familien müssen oft 15 Monate oder länger auf einen Bescheid warten. „Die Mutter, die mit ihren Kindern zum Ehemann nach Brandenburg will, muss sich bei einer deutschen Vertretung in der Türkei oder im Libanon melden. Auf das Verfahren dort haben wir keinen Einfluss.“ Die Suchdienst-Chefin wehrt sich gegen den Vorwurf, es werde jeder ins Land gelassen. „Die Flüchtlinge müssen ihre Identität nachweisen.“ Pässe und Geburtsurkunden oder das in Syrien übliche Familienbuch müssten vorgelegt werden – zumindest Fotokopien davon. Bei Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern, die häufig ohne Pass unterwegs seien, erhöhe sich der Aufwand, erklärt Lewis. In Somalia oder Eritrea gebe es kaum staatliche Strukturen mit Melderegistern. Die Kosten für erforderliche DNA-Tests und neue Papiere müsse der Flüchtling selbst tragen.

„Wir können nicht die Konflikte der Welt lösen, aber wir können Familien helfen, die Schmerz und Leid erfahren haben“, sagt Stefanie Lewis. Die studierte Psychologin und Soziologin, die in Oranienburg aufgewachsen ist, weiß, dass Flüchtlingshilfe in Teilen der Bevölkerung nur wenig Akzeptanz findet. „Für uns ist das humanitäre Arbeit. Das Rote Kreuz macht keine Unterschiede. In Not kann jeder geraten.“

Von Volkmar Krause

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