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Brandenburg So kaputt ist Werders unfertige Therme
Brandenburg So kaputt ist Werders unfertige Therme
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21:00 13.02.2019
Sieht auf den ersten Blick von außen ganz manierlich aus, ist innerlich aber teils in „desolatem Zustand“ – das sagt ein Baugutachten über die ehemalige Blütentherme. Quelle: foto: Luise Fröhlich/ARCHIV
Werder/Havel

Der technische und bauliche Zustand der nicht fertig gestellten Therme in Werder/Havel ist nach Einschätzung eines offiziell eingesetzten Gutachters ziemlich miserabel. Das geht aus einer Untersuchung der Bauruine durch das Bielefelder Gutachterbüros Constrata hervor, die der MAZ vorliegt und bislang der allgemeinen Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Darin heißt es zum Beispiel: „Die geplante Dachentwässerung ist ein Desaster und muss neu konzipiert werden.“

Wasser im Dach gefunden

Das Dach der Therme ist einer Welle nachempfunden und taucht mehrfach in der Kritik des Büros auf. „In der Dämmung des gewellten Dachs wurde nach Bauteilöffnung freies Wasser gefunden“, heißt es in der Studie. Zwar lasse sich ein solcher Wasserschaden trocknen, doch sei völlig unabsehbar, wie sich die Feuchtigkeit im Dach verändere, wenn erst einmal warmes Wasser aus den gefüllten Becken aufsteigt.

Die unfertige Therme in Werder vom Wasser aus gesehen. Quelle: Luise Fröhlich

Das Gutachten führt aus, auf dem gedämmten Dach fehlten „sämtliche Dacheinbauten wie Strangentlüftung und Rauch-Wärme-Abzüge“. Lüftungsgeräte seien in dem Gebäude zwar vorhanden, befänden sich jedoch vier Jahre nach Errichtung des Rohbaus „in einem desolaten Zustand“. Für viele Geräte „sind zwischenzeitlich Produkthaftungen abgelaufen“, geben die Sachverständigen zu bedenken.

Gutachter: Trinkwasserhygiene problematisch

Hygieneprobleme haben die Gutachter außerdem ausgemacht. Bei der Trinkwasserversorgung sei „nicht ausreichend Rücksicht auf die gesetzlichen Anforderungen genommen“ worden. Die Folge: „Dies führt zu Problemen im Betrieb, die eine Schließung des Bades durch das Gesundheitsamt zur Folge haben kann.“

Der Wärmehaushalt ist ein weiterer Knackpunkt des Gebäudes. Die Experten aus Bielefeld stellen fest, dass „die dämmtechnische und damit die energetische Qualität der Fenster und Pfosten-Riegel-Fassaden anscheinend nur den Mindeststandard der damals gültigen Energieeinsparverordnung entsprechen“. Aus diesem Befund schlussfolgern die Fachleute, der „Einbau höherwertiger Konstruktionen“ sei angezeigt.

Veraltete Anlagen: Energie geht verloren

Die technischen Anlagen scheinen laut Gutachten „nur auf den ersten Blick die Anforderungen an ein modernes Bad zu erfüllen“. Bei detaillierter Betrachtung hätten die Gutachter „viele Schwachstellen, die im Betrieb zu hohen, vermeidbaren Betriebskosten führen“, entdeckt. So sei etwa ein energiesparender Nachtbetrieb in der Badewassertechnik nicht vorgesehen.

Blick in ein veralgtes Schwimmbecken im März 2017. Quelle: Luise Fröhlich

Die Blütentherme – mittlerweile Havel-Therme genannt – sollte ursprünglich für 18 Millionen Euro errichtet und im Dezember 2012 eröffnet werden. Die Stadt als Geldgeberin und die Betreiberfirma Kristall Bäder AG überwarfen sich aber. Nach einem langen Rechtsstreit, einer erneuten Ausschreibung und jahrelangem Stillstand auf der Baustelle hat nun das Büro des Bäderplaners Andreas Schauer aus Überlingen am Bodensee den Zuschlag erhalten, das Bad fertig zu bauen – für zusätzliche 28 Millionen Euro. Im Dezember 2018 hat Schauer den Bauantrag abgegeben.

Bäder-Unternehmer sagt: Schäden sind bekannt

Schauer, der von Basel bis Berlin vier Bäderlandschaften betreibt, geht ziemlich gelassen mit dem Mängelbericht der Baufachleute um, der bereits im Juni 2018 verfasst wurde. „Wir haben uns das alles ganz genau angeschaut und bauen nicht zum ersten Mal eine Therme“, so der schwäbische Unternehmer.

Bäderunternehmer Andreas Schauer und Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). Quelle: Luise Fröhlich

Die Probleme und Risiken des bereits existierenden Bauwerks seien Teil seiner Kostenkalkulation – „wäre das nicht so, wäre ich ein Dummkopf und unseriös“, so Schauer. Der Unternehmer weist darauf hin, dass seine Firma selbst Risiko auf sich nehme. Für fünf Prozent der Bausumme bürge sein Unternehmen.

Bürgerverein fordert Akteneinsicht

Nur Stadtverordnete hatten bislang Einblick in das zitierte Baugutachten nehmen können. Der Verein StadtMitGestalter kritisiert die seiner Auffassung nach mangelnde Transparenz seitens der Stadt. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung etwa sei der Öffentlichkeit nicht zugänglich, sagte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Meiko Rachimow. Ein Antrag auf Akteneinsicht sei von der Stadt abgelehnt worden. Er und seine rund 25 Mitstreiter halten die Therme für „ein Millionengrab“, sie fordern mehr politische Teilhabe der Einwohnerschaft“.

Die StadtMitGestalter wollen zur Kommunalwahl im Mai antreten. Sie hatten ein Bürgerbegehren für mehr Transparenz bei der Vergabe des Thermen-Auftrags gestartet und in Werder 2600 Unterschriften eingesammelt. Das Begehren wurde aber für unzulässig erklärt.

Bürgermeisterin: Kalkulation ist überprüft

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) wies die Kritik zurück. Aus Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit des Bades sei nie ein Geheimnis gemacht worden, sagte sie. Ohne Darlegungen zur Wirtschaftlichkeit der Therme hätte, so Saß, die Kommunalaufsicht des Landkreises Potsdam-Mittelmark den städtischen Haushalt nicht genehmigt. Die Kalkulation von Schauers Firma sei von einem externen Büro geprüft worden. Allerdings sei der jüngste Antrag auf Akteneinsicht des Vereins noch nicht beschieden – er sei erst vor einer Woche eingegangen. Zur Beantwortung habe die Stadt aber vier Wochen Zeit.

Von Ulrich Wangemann

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