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So lief die Twitter-Premiere der Polizei

Social Media So lief die Twitter-Premiere der Polizei

Unfälle, Raser und entlaufene Elefanten: Die Polizei twittert in einer Aktionswoche Alltägliches und Abseitiges aus dem Verkehrsgeschehen. Für die Beamten in Brandenburg ist es die Premiere auf Twitter. Das Social-Media-Team bot zum Auftakt seriöses, solides Handwerk – für den Humor waren aber andere zuständig.

Brandenburgs Polizei geht bei digitalen Medien in die Offensive.
 

Quelle: Twitter/Screenshot

Potsdam.  Dieses Rumgezwitschere, ereifert sich einer bei Facebook, solle Brandenburgs Polizei mal schön bleiben lassen. Twitter sei schließlich nur was für „Vögel, Künstler und Politiker“. Die Berliner Beamten werden das anders sehen. Deren Twitter-Präsenz folgen mittlerweile gut 90.000 Nutzer – alle Achtung für eine Behörde, die auf den rauen Straßen der Hauptstadt ständig neu um Autorität und Vertrauen ringen muss.

Mehr davon stünde auch den Kollegen in Brandenburg gut zu Gesicht, muss man sich im Potsdamer Polizeipräsidium gedacht haben. Erstmals ist die Landespolizei auch auf Twitter unter @PolizeiBB mit einem eigenen Profil vertreten. Anlass ist eine digitale Aktionswoche für mehr Verkehrssicherheit, die noch bis Freitag läuft. An der Kampagne, die unter dem Hashtag „ #8geben“ Verkehrsunfälle und Blitzerstandorte meldet, beteiligen sich insgesamt acht Bundesländer.

Zur Twitter-Prämiere am Montagvormittag platzierte sich der Polizeichef höchstselbst für ein Foto vor dem Laptop, mit von Respekt zeugendem Sicherheitsabstand, um sich von der Arbeit seiner Untergebenen zu überzeugen – und mancher Nutzer entdeckte eine unfreiwillige Komik in dem Motiv. „Es ist 10 Uhr. Wir starten die Aktion #8geben gemeinsam mit unserem Polizeipräsidenten Hans-Jürgen Mörke“, twitterte das Social-Media-Team, das seit knapp zehn Monaten auch auf Facebook Präsenz zeigt und dort bislang gut 17.000 Gefällt-mir-Daumen eingesammelt hat.

Das eigene Twitter-Profil, das auch künftig für Aktionen genutzt werden soll, sei ein weiterer Schritt in die Social-Media-Welt, erklärt Mörke. „Viele Polizeien nutzten bereits erfolgreich Twitter zur Begleitung von polizeilichen Einsätzen oder für Kampagnen. Auch wir wollen unsere Zielgruppen dort erreichen, wo sie unterwegs sind.“

An potenziellen Inhalten mangelt es nicht, wie ein Blick in die Verkehrsunfallstatistik beweist. 2015 kamen auf Brandenburgs Straßen 179 Menschen zu Tode, 40 mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Unfälle legte um 1,8 Prozent auf 80.723 zu. Oft sind es Blechschäden und Leichtverletzte, die die Polizei protokolliert, wie am Montag in Mahlow (Teltow-Fläming) und Oranienburg (Oberhavel). Zur Unfallursache hieß es auf Twitter jeweils: fehlende Aufmerksamkeit.

Nicht immer geht es glimpflich aus. Während die Berliner Kollegen die Netz-Lacher auf ihrer Seite hatten – sie warnten am Nachmittag vor einem freilaufenden Elefanten als „mobiler Gefahrenstelle“ – gab es aus Brandenburg etwa umgestürzte Lkw, verletzte Kinder und einen angefahrene Radler zu vermelden. „Der Radfahrer ist alkoholisiert, nach derzeitigem Stand missachtete er eine rote Ampel.“ Dieses märkische Sittengemälde quittierte eine Nutzerin mit einem knappen „Ohne Worte“.

Es war nicht der einzige Trunkenheitsfahrer, den die Polizisten schon am Vormittag aus dem Verkehr zogen. Auf der B 1 zwischen Heidekrug und Hoppegarten (Märkisch-Oderland) waren zwei Pkw zusammengestoßen, „ein Fahrer alkoholisiert, zum Glück ohne Verletzte“. Übrigens: „Montag, Donnerstag und Freitag waren im letzten Jahr die unfallträchtigsten Tage im Land.“

Auch an diesem Montag setzten einige Unverbesserliche wieder alles daran, die Statistik zu bestätigen. Auf der A 115 verbuchten die Beamten 250 Temposünder, der „Spitzenreiter“ hatte es auf 172 Stundenkilometer gebracht – erlaubt waren 100. Die Twitter-Fakten sind auch ein Versuch, sich gegen die ritualisierten Abzockevorwürfe zu wehren, mit denen sich die Polizei mit jedem Blitzer aussetzt.

 

Als sich die twitternden Polizisten 17 Uhr in den Feierabend verabschiedeten, war die Follower-Zahl des jungen Profils auf immerhin 600 angewachsen. Am Dienstag geht es weiter, wieder von 10 bis 17 Uhr. In dieser Zeit, twitterten die Beamten, passieren in Brandenburg die meisten Unfälle. Unfallfrei war der Twitter-Auftakt, solide und seriös, auch wenn die digitalen Polizisten zwischendurch gern mehr Humor verbreiten könnten. Zumindest der Facebook-Frotzler ist verstummt, nachdem ein anderer Nutzer dagegengehalten hatte: „Die Berliner Polizei ist damit sehr erfolgreich und erntet viel Anerkennung .“

Von Bastian Pauly

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