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So macht die Polizei Jagd auf Raser und Drängler

Tatort Autobahn So macht die Polizei Jagd auf Raser und Drängler

Ralf Feierbach und Lutz Strümpel von der Polizei Brandenburg sind mit dem Videowagen Verkehrssündern auf der Spur. Sie sorgen dafür, dass die Autobahnen im Land Brandenburg sicherer werden. Die MAZ Neuruppin und SKB Brandenburg waren einen Tag mit an Bord. Eine Video-Reportage.

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Ralf Feierbach (l.) und Lutz Strümpel haben einen Raser gestoppt. Auf einem Parkplatz wird der Fahrer kontrolliert.

Quelle: Julian Stähle und Michael Bergemann

Neuruppin. Marco Tilger wollte mit seinem Motorrad eigentlich nur ganz schnell zur Arbeit. Mit 190 Kilometern pro Stunde und zu geringem Sicherheitsabstand ist er über die Autobahn geheizt. Dass er bei Spitzen-Biker-Wetter von den Zivilfahndern Ralf Feierbach und Lutz Strümpel mit mehr als 60 Sachen zu schnell ertappt wurde, wird der Mann aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin so schnell nicht vergessen. Knapp 200 Euro Lehrgeld muss er dafür zahlen, eine Registrierung in Flensburg und ein Fahrverbot dürften mit Sicherheit eine schmerzhafte Erfahrung für den Motorradfahrer sein.

Feierbach (42) und Strümpel (51) sorgen dafür, dass die Autobahnen im Land Brandenburg sicherer werden. Fast täglich sieht man unfassbare Bilder von Unfällen. Auf den Straßen der Mark kamen allein im vergangenen Jahr 121 Menschen ums Leben. Viele von ihnen, weil sie für einen kurzen Moment unaufmerksam waren, zu schnell fuhren oder den Sicherheitsabstand nicht eingehalten haben. „Es ist ein wenig besser geworden mit der Raserei“, sagt Lutz Strümpel. „Aber das Einhalten des Sicherheitsabstandes wird immer noch unterschätzt.“ Wenn es kracht, sind meist LKW mit im Spiel – diese Unfälle enden oft tödlich und mit vielen Schwerverletzten. Folgeunfälle, unzählige Staus und stundenlange Sperrungen der Autobahn stehen dann täglich im Polizeibericht.

Ralf Feierbach und Lutz Strümpel kennen den täglichen Wahnsinn auf Brandenburgs Autobahnen vorrangig im Einsatzgebiet der A 24. Feierbach ist seit 1995 bei der Polizei, Strümpel seit 30 Jahren. Sie fahren täglich mit ihrem geeichten High-Tech-BMW über die Autobahn, um Rowdys aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei wünschen sich die beiden Familienväter, die Straßen ein bisschen sicherer zu machen – und nach teils riskanten Verfolgungsfahrten selbst heil und sicher wieder zu Hause anzukommen.

Erst wenn die Beamten einen Verkehrssünder per Video überführt haben, geht das Blaulicht an

Erst wenn die Beamten einen Verkehrssünder per Video überführt haben, geht das Blaulicht an. Zuvor ist der Wagen der Polizei njcht als solcher zu erkennen.

Quelle: Julian Stähle und Michael Bergemann

Die speziell geschulten Beamten haben einen geschärften Blick und erkennen sofort, wenn sich jemand nicht an die Spielregeln im Straßenverkehr hält. Jetzt haben sie einen LKW aus Rostock im Visier. Im BMW herrscht höchste Anspannung. Das Diktiergerät hilft den Polizisten, sich auf den Verkehr zu konzentrieren und trotzdem den Sachverhalt richtig zu schildern. Bei dem Schwerlasttransport aus der Hansestadt scheint etwas mit der Ladung nicht zu stimmen. Die beiden Beamten haben schon fast alles erlebt. Sie kennen jede Ausrede, und dennoch ist kein Arbeitstag wie der andere. Da kann es schon mal sein, dass sie einen bekannten Profiboxer erwischen, der zu schnell unterwegs war, oder die gestresste Schauspielerin aus Potsdam, die von ihren Dreh-Terminen berichtet, für die Polizei gar keine Zeit hat – und solche Überwachungsmaßnahmen als Schikane bezeichnet. Es gebe aber auch „coole“ Promis, die ihre Fehler sofort einsehen – wie erst kürzlich ein Mitglied einer Berliner Band.

Zahlreiche Raser und Drängler zahlen ihr Lehrgeld gleich an Ort und Stelle

Zahlreiche Raser und Drängler zahlen ihr Lehrgeld gleich an Ort und Stelle.

Quelle: Julian Stähle und Michael Bergemann

Belehren müssen die beiden Beamten stündlich. Immer sind es dieselben Gespräche – wie bei einem Drängler aus Pirna. Feierbach und Strümpel stoppen den BMW-Fahrer auf einem Parkplatz. Der Mann gibt sich einsichtig. Ja, die Beamten hätten ja recht, er habe nicht aufgepasst und durch die Drängelei vielleicht fünf Minuten eingespart, wenn überhaupt. Oft sei den Dränglern und Rasern der Verstoß gar nicht bewusst – doch wenn sie ihre eigene Videoaufnahme aus dem nicht gerade auffälligen Polizei-BMW sehen, ergebe sich für die Betroffenen oft ein anderes Bild, sagen die Polizisten. Dann geht es für sie und ihren BMW wieder rauf auf die Autobahn.

Das brandenburgische Innenministerium leistet sich landesweit fünf solcher High-Tech-Videowagen. Sie sind teuer in der Anschaffung und müssen fünf Jahre durchhalten. Reifen werden schon ausgetauscht, wenn sie vier Millimeter Profiltiefe eingebüßt haben, um das Messergebnis der Videoüberwachung nicht zu beeinträchtigen. Ralf Feierbach und Lutz Strümpel werden immer wieder speziell auf Ex­tremsituationen im Straßenverkehr vorbereitet, regelmäßig schrubben die beiden Brandenburger Beamten täglich hunderte Kilometer. Sie leben ihren Beruf mit Leidenschaft. Das müssen sie auch, denn die Arbeit im Videowagen ist kein Job wie jeder andere.

Er wollte möglichst schnell zur Arbeit und geriet ins Visier der Beamten

Er wollte möglichst schnell zur Arbeit und geriet ins Visier der Beamten.

Quelle: Julian Stähle und Michael Bergemann

Im vergangenen Jahr gab es im Land Brandenburg 8928 Verkehrsunfälle mit 11 300 zum Teil schwer verletzten Menschen – ein Anstieg um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen sind es, die die beiden Familienväter im Videowagen antreibt. Sie glauben, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten, um die Zahl der schweren Verkehrsunfälle in der Mark zu verringern. Für die Beamten, die an diesem Tag seit 6 Uhr auf Brandenburgs Autobahnen unterwegs waren, geht um 13 Uhr die Streifenfahrt zu Ende. Der BMW wird an die nächsten Kollegen übergeben, die für den Rest des Tages Raser und Drängler verfolgen.

Doch Ralf Feierbach und Lutz Strümpel haben noch lange nicht Feierabend – jetzt muss noch in mühseliger Feinarbeit jeder Verkehrsverstoß dokumentiert und archiviert werden. Oft dauert diese Auswertung im Nachgang bis zu vier Stunden. Wenn die beiden in der Videobetrachtung den Tag Revue passieren lassen und sich die krassen Bilder immer wieder ansehen, wissen sie, dass sie mit ihrer Arbeit vielleicht auch heute wieder einigen Menschen das Leben gerettet haben.

Von Julian Stähle und Michael Bergemann

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