Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Wie PayPal die Bankenszene aufmischt
Brandenburg Wie PayPal die Bankenszene aufmischt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 15.02.2019
Von seinem Hauptquartier in Kleinmachnow aus treibt Paypal den Umbau des Geldverkehrs in Deutschland voran. Quelle: Lukas Schulze/dpa
Dreilinden

„Direktor für strategisches Wachstum“, Manager für die Betreuung von Großunternehmen, Firmen-Anwalt – das sind nur drei der rund 15 Stellen, die der Online-Bezahldienst PayPal in den vergangenen drei Wochen ausgeschrieben hat. Die kleine Auswahl zeigt: Man plant in großen Dimensionen in der Deutschland-Zentrale, die sich im Gewerbegebiet Europarc Dreilinden (Potsdam-Mittelmark) befindet.

20,5 Millionen aktive Kunden zählt PayPal in Deutschland – eine irre Erfolgsgeschichte für ein Unternehmen, das vor fast genau 15 Jahren in Deutschland als Bezahlbutton auf der Ebay-Auktionsseite startete. Seit 2004 sitzt die Firma vor den Toren Berlins direkt an der A115.

Lockeres Ambiente: Mitarbeiter Lucas Bergström und Romy Rolletschke im PayPal-Hauptquartier. Quelle: Varvara Smirnova

Konkrete Mitarbeiterzahlen gibt PayPal nicht heraus. Branchenkenner gehen aber von geschätzten 150 Angestellten in Dreilinden aus. Vom Untermieter zweier Büroräume im Erdgeschoss des Ebay-Hochhaus hat sich die Firma empor gearbeitet und belegt nun vier Etagen in einem eigenen Glaskasten.

Ebay und Paypal gehen seit der Unternehmensaufspaltung 2015 getrennte Wege, doch die US-amerikanisch geprägte, vom Silicon Valley inspirierte Unternehmenskultur ist geblieben: Tischtennisplatte, Tischkicker, Sofaecken, gesunde Snacks in der Kantine. Wer möchte, kann sich einmal pro Woche massieren lassen.

Filiale des US-Konzerns in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark). Quelle: Varvara Smirnova

Die heimelige Atmosphäre kann nicht darüber hinweg täuschen: Von seinem Kleinmachnower Hauptquartier treibt das Unternehmen seit seiner Gründung eine tiefgreifende Umwälzung des Geldverkehrs in Deutschland voran. Jüngstes Projekt: Seit November 2018 vergibt PayPal Kredite an kleine Gewerbetreibende.

Bis zu 24.999 Euro können Händler ziemlich unkompliziert und in einem voll automatisierten Verfahren über ein paar Klicks von PayPal leihen – die Firma besitzt eine Banklizenz. PayPal nutzt zur Prüfung der Kreditanfrage einfach seine gespeicherten Transaktionsdaten, eine Schufa-Auskunft wird nicht eingeholt.

Wer kreditwürdig ist, entscheidet der Computer

„Wir kennen unsere Händler und ihr Geschäft“, sagt Standortleiter Michael Luhnen. „Wir wissen, wie ihr Geschäft über das Jahr verläuft und ob es beispielsweise saisonale Schwankungen gibt.“ Wer kreditwürdig ist, entscheiden Computerprogramme.

Zinsen nimmt das Unternehmen nicht für seine „Businesskredite“. Stattdessen muss der Kreditnehmer eine feste Gebühr entrichten und stottert den Leihbetrag dann mit jeder online verkauften Ware ab. „Pay when you get paid“ (Zahle, wenn du bezahlt wirst), nennen die Strategen bei PayPal das Prinzip.

Wettbewerb um Fachleute

Im Wettbewerb mit Google, Facebook, Amazon und Zalando um Personal setzt PayPal auf Service und Bonusleistungen für Mitarbeiter. So erhalten Angestellte, die fünf Jahre zum Unternehmen gehören, vier Wochen bezahlten Sonderurlaub.

Im Deutschland-Sitz in Dreilinden gibt es ein Fitnessstudio. Außerdem können Angestellte am Standort zum Frisör gehen, sich Medikamente aus der Apotheke bringen oder am Auto Reifen wechseln lassen.

Das PayPal-Hauptquartier für Deutschland, die Schweiz und Österreich liegt an der A9 nahe der Berliner Stadtgrenze.

Zahlen nennt das Unternehmen noch nicht, zu kurz erst sei das Angebot am Markt. Sicher ist aber: Die klassischen Geldinstitute sind aufgeschreckt. Das Portal „Businessinsider“ spricht von einem „Angriff auf die deutsche Bankenbranche“. Schließlich gehören Kredite für kleine Gewerbetreibende zum Brot- und Butter-Geschäft von Ortssparkassen und Volksbanken.

Es sei einfach für Händler oft zu kompliziert, einen Kredit zu erhalten, ist man bei PayPal überzeugt. „Studien zufolge finanziert der deutsche Mittelstand Investitionen überwiegend durch Eigenkapital“, so der Standort-Leiter Luhnen. „Viele leihen sich bei Freunden oder Familienmitgliedern Geld.“ Das Management bezeichnet die klassischen Banken dennoch als Partner. Schließlich könne niemand ohne hinterlegte Bankverbindung oder Kreditkarte ein PayPal-Konto eröffnen.

PayPal macht längst viel mehr, als Ebay-Verkäufe abzuwickeln. Mit PayPal kann man mittlerweile sein Taxi, die Supermarkt- und Tankstellenrechnung bezahlen bezahlen. Online-Händler, die ihren Käufern Ratenzahlung ermöglichen, können das Forderungsmanagement an PayPal abtreten – damit tastet sich das Kleinmachnower Unternehmen zumindest zaghaft ans Privatkundengeschäft heran.

Probleme mit Phishing-Mails

Je stärker bargeldloser Bezahlverkehr und Online-Handel boomen, desto besser geht es PayPal. Mit dem Erfolg wächst allerdings die Zahl krimineller Trittbrettfahrer. Viele Kunden finden derzeit so genannte Phishing-Mails in ihren Email-Fächern, die wie PayPal-Anschreiben gestaltet sind. Darin werden Kunden gedrängt, ihre Kontodaten zu bestätigen. Ein Trick von Datendieben, um an begehrte Verbindungen zu kommen.

Ein Expertenteam versuche konzernweit, die Quelle der Fake-Botschaften zu ermitteln, heißt es bei PayPal in Dreilinden. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Kunden sich immer direkt in ihr PayPal-Konto einloggen, um nach Benachrichtigungen zu sehen. Außerdem spräche die Firma Kunden immer mit Vor- und Zunamen an – niemals mit „sehr geehrter Kunde“ oder „Hallo“.

Von Ulrich Wangemann

Medizinische Versorgungszentren gelten als Positivbeispiel im Kampf gegen Ärztemangel auf dem Land. Ein Teil der Ärzteschaft ist dennoch beunruhigt.

15.02.2019

Altbischof Wolfang Huber (76) hält die Abkehr der SPD von der Agenda 2010 für falsch. Zugleich wendet er sich gegen die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Damit würden sich Unternehmen aus der Verantwortung stehlen, sagte der Theologe im Gespräch mit der MAZ.

12.02.2019

Brandenburgs früherer Bischof Wolfgang Huber (76) beklagt, dass gesellschaftliche Debatten zu eng geführt werden und so einen offenen Dialog blockieren. Im MAZ-Interview spricht der Theologe über den Frauentag als Feiertag, die Scham der SPD über die Agenda 2010 und die Garnisonkirche in Potsdam.

12.02.2019