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So steht es um den Brandenburger Wald

Forstexperten treffen sich So steht es um den Brandenburger Wald

Jede fünfte Eiche in Brandenburgs Wäldern weist laut einer Untersuchung „deutliche Schäden“ auf. Alles halb so wild, sagt der Forstexperte Michael Luthardt. Allerdings besteht durchaus Grund zur Sorge: Die Waldböden werden immer saurer und der Klimawandel hinterlässt seine Spuren.

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Dank der Kiefern mit ihrem dichten Nadeldach steht der märkische Wald ziemlich gut da.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Dem märkischen Wald geht es eigentlich ziemlich gut. So weit stimmt der Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst (LFE) in Eberswalde (Barnim), Michael Egidius Luthardt, der optimistischen Deutung des aktuellen Waldzustandsberichts zu. Man dürfe sich von der alarmierenden Beschreibung der Eichen im Bericht nicht irritieren lassen.

Zwar hatten die Waldinspektoren bei ihren Kontrollgängen 2015 tatsächlich bei 19 Prozent dieser Bäume „deutliche Schäden“ festgestellt. „Die Eichen machen aber nur einen kleinen Anteil des Waldes aus“, sagt Luthardt. In der höchsten Baumschicht des Waldes seien nur fünf Prozent Eichen. Der Kiefer dagegen, die zu einer Art Markenzeichen der Mark wurde, „geht es richtig gut“. 39 Prozent dieser Bäume haben keine Schäden. „Deutliche Schäden“ haben zumindest nicht zugenommen. Sie liegen derzeit bei relativ verträglichen acht Prozent. Kiefern machen aber rund 70 Prozent des Waldes aus. Insgesamt bleiben damit über 90 Prozent der rund 1,1 Millionen Hektar Waldfläche Brandenburgs ohne „deutliche“ Schäden.

„Eiche sind schon lange unser Sorgenkind“

„Eichen sind schon lange unser Sorgenkind“, sagt Luthardt. Im Gegensatz zu anderen Bäumen können sie das Wasser nämlich nur direkt unterhalb ihrer Rinde nach oben transportieren. Deshalb macht ihnen Wärme besonders zu schaffen. Damit sind sie aber auch ein guter Indikator für den wichtigsten Stressor des Waldes in dieser Zeit, den Klimawandel. Dessen Auswirkungen könne man auch schon in Brandenburg nachweisen.

„Wir haben festgestellt, dass die Niederschläge in Brandenburg eigentlich nicht weniger geworden sind“, so Luthardt. Zugenommen habe aber die Dauer ungetrübten Sonnenscheins. „Das führt auch zur Austrocknung und damit zu weniger Wasser, das den Bäumen zur Verfügung steht.“

Wenig Regen bedeutet Stress für die Bäume

Die neuen Klimabedingungen machen aber nicht nur den in dieser Hinsicht empfindlicheren Eichen zu schaffen. „Wenn es schon im Mai oder Juni, wenn die Vegetation richtig wächst, ein Niederschlagsdefizit gibt, dann haben die Bäume den ersten Stress schon weg“, sagt Luthardt. Genau diese Konstellation habe sich in diesem Jahr ergeben. Es sei damit zu rechnen, dass das nicht die Ausnahme bleibt.

„Die Erwärmung um durchschnittlich zwei Grad Celsius, die wir laut Klimaschutz weltweit verhindern müssen, haben wir hier in der Region schon.“ Da der Wald ein eher träges Ökosystem ist, sei bislang noch nicht abzusehen, welche Folgen diese Veränderungen für den märkischen Wald insgesamt haben. Nicht zuletzt deshalb hat auch Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) darauf hingewiesen, dass man die Entwicklung des Waldes trotz der momentan guten Situation weiterhin beobachten müsse.

Deutschlands Forstexperten tagen in Chorin

Die rund 100 Forstexperten aus ganz Deutschland, die sich diese Woche bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Forstliche Standorts- und Vegetationskunde von Chorin (Barnim) aus auf mehrere Expeditionen in Brandenburg und Polen begeben, dürften jedenfalls reiches Anschauungsmaterial vorfinden. Gerade die Region entlang der Trockenklimagrenze im Nordosten Brandenburgs wird als sensible Zone hinsichtlich der zukünftigen Klimaentwicklung angesehen. Die Experten wollen unter anderem herausfinden, welche Baumarten sich für welche Gebiete besonders eignen. Daraus leiten sie Ratschläge für die Länder und private Waldbesitzer ab. „Das Treffen ist damit eine ziemlich praxisnahe Sache“, so Luthardt.

Dabei ist der Klimawandel noch nicht einmal das einzige Problem, das der märkische Wald hat. Sorgen macht den Forstleuten vor allem auch die starke Überdüngung mit Stickstoff. Der dringt bei großzügiger Düngung landwirtschaftlicher Flächen auch in den Wald vor. Zwar treibe das große Stickstoffangebot die schnell wachsenden Kiefern erst einmal kräftig in die Höhe, doch sei nicht klar, wie sich der gleichzeitige Mangel an Kalium und Kalzium auf die großen Bäume auswirke.

Nachteilig sind auch die von Natur aus sauren Böden der Mark. Obwohl Länder wie Baden-Württemberg dem schon mit dem Austragen von Kalk entgegenwirken, ist Luthardt nicht für solche harten Eingriffe. Das Landeskompetenzzentrum Forst teste die Möglichkeiten solcher Düngung derzeit auf kleinen Flächen. Erst wenn sich das Prinzip im Experiment tatsächlich bewähre, solle man an einen Einsatz im Großen denken.

Von Rüdiger Braun

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