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Brandenburg So unterschiedlich ist Rentendeutschland
Brandenburg So unterschiedlich ist Rentendeutschland
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20:57 03.08.2016
Die Geldbeutel der Rentner sind unterschiedlich gut gefüllt. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Streit um die Angleichung der Ost- an die Westrenten ist in vollem Gange. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will die Altersbezüge bis 2020 angleichen – mit Hilfe von Steuermitteln, was sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) streng verbittet. Ein Blick auf die aktuelle Renten-Deutschlandkarte zeigt, dass es nicht nur deutliche Unterschiede zwischen den Renten in den ost- und westdeutschen Bundesländern gibt.

Die Brandenburger Rentner stehen eigentlich gut da – statistisch gesehen zählen sie nach Daten der Deutschen Rentenversicherung zu den Gutverdienern im Ruhestand. 1126 Euro für Männer und 854 Euro für Frauen beträgt die Altersversorgung in der Mark, wenn man die Gesamtheit aller Rentner berücksichtigt. Im wirtschaftlich starken Bayern erhalten männliche Senioren weniger: 1078 Euro. Die Frauen sogar nur 610 Euro pro Monat.

Absolute Topverdiener im Alter sind die Ostberliner

Ostberliner haben bundesweit die höchsten Bezüge. 1197 Euro bekommen die Männer, 940 Euro die Frauen. Innerhalb der Bundeshauptstadt ist das Ost-West-Gefälle deutlich: Westberliner Rentner müssen sich mit 180 Euro weniger im Alter zufriedengeben, Frauen sogar mit 196 Euro weniger. Eine Erklärung für die hohen Bezüge in Ostberlin sind die vergleichsweise hohen Einkommen und zumindest bis zur Wende meist lückenlosen Erwerbsbiografien von Funktionären und Staatsdienern in der Hauptstadt der DDR.

Überhaupt, sagt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund, erkläre sich die unterschiedliche Höhe der Altersrenten in den alten und neuen Bundesländern vor allem durch die unterschiedlichen Erwerbsbiografien, also durch die Dauer eines Berufslebens und nicht nur durch die Höhe des einstigen Verdienstes. „So sind zum Beispiel Frauen in den neuen Bundesländern in der Regel häufiger und länger einer Erwerbstätigkeit nachgegangen als Frauen in den alten Bundesländern. Ihre Renten sind daher entsprechend höher“, sagt von der Heide.

Saarländerinnen haben am wenigsten

Das führt heute im Saarland dazu, dass bundesweit die niedrigsten Renten für Frauen gezahlt werden. Gerade einmal 491 Euro pro Monat erhalten sie, während ihre Männer mehr als doppelt so hohe Altersbezüge bekommen: 1188 Euro. Auch in anderen westdeutschen Bundesländern ist es ähnlich. In Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen erreicht das Rentenniveau von Frauen nur knapp 50 Prozent des Niveaus von Männern. In Ostdeutschland erhalten Frauen dagegen deutlich höhere Altersbezüge. In Ostberlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen die Renten der Frauen bei 70 bis 80 Prozent des Ruhegelder von Männern.

Deswegen sind die Durchschnittsrenten im Westen niedriger

Ein weiterer Grund für die oft niedrigeren Durchschnittsrenten im Westen: Hier gibt es mehr Selbstständige, „Versicherte, die nur kurz in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben und nun entsprechend geringe Renten erhalten“, erklärt von der Heide. „Dies betrifft zum Beispiel Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten. Sie haben häufig während des Studiums und in den ersten Berufsjahren noch der gesetzlichen Rentenversicherung angehört, sind danach aber beispielsweise in ein Beamtenverhältnis, in eine Selbstständigkeit oder in ein Berufsständisches Versorgungswerk gewechselt.“

Das Bild der vermeintlich hohen Ostrenten ändert sich, wenn man die jüngere Generation betrachtet, jene Arbeitnehmer, die jetzt in den Ruhestand wechseln. Sie erhalten deutlich weniger, weil ihr Berufsleben nach der Wende von Arbeitslosigkeit und niedrigeren Löhnen geprägt war. Nur noch 988 Euro erhalten Brandenburgs männliche Rentner im Schnitt, die gerade erst ihr Berufsleben beendet haben. Mit 883 Euro steigen die Renten der märkischen Frauen statistisch gesehen jedoch. Und die Ost-Berliner verlieren ihre Spitzenposition. Stattdessen führen jetzt die Senioren aus Baden-Württemberg. Nicht so bei den Frauen. Hier liegen die Ostberlinerinnen weiter vorne.

Von Torsten Gellner

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