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Brandenburg So verlief die Todesfahrt in Müllrose
Brandenburg So verlief die Todesfahrt in Müllrose
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21:41 28.02.2017
An dieser Bundesstraße bei Oegeln überfuhr ein flüchtiger mutmaßlicher Mörder zwei Polizisten, die dabei ums Leben kamen. Quelle: Julian Stähle
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Beeskow

Ein 24 Jahre alter Mann hat am Dienstag im Landkreis Oder-Spree vermutlich seine Großmutter (79) erstochen und auf der Flucht zwei Polizisten umgefahren und dabei tödlich verletzt. Es handelt sich um eine der schwersten Gewalttaten im Land Brandenburg und den blutigsten Angriff auf Polizisten seit der Wende.

In Müllrose (Oder-Spree) ereignet sich am 28. Februar 2017 ein schreckliches Verbrechen. Dort ersticht der 24-jährige Jan G. zunächst seine Großmutter. Dann flieht er und überfährt auf der Flucht zwei Polizisten an einer Straßensperre in Beeskow, Ortsteil Oegeln.

Die Frau sei am Vormittag tot im Badezimmer ihrer Wohnung in Müllrose entdeckt worden, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Zuvor hatte die Polizei einen telefonischen Hinweis erhalten, wonach der Enkel der Frau Drogen genommen habe und ohne Führerschein mit einem Auto unterwegs sei. Zeugen berichteten dann, es habe einen Streit im Haus der Rentnerin gegeben. „Alles deutet eindeutig auf ein Tötungsdelikt hin“, sagt Mörke. Aus Polizeikreisen hieß es, die Frau sei erstochen worden.

Verfolgung: Beamte hatten Reifentöter, also Stahlkrallen, ausgelegt

Die Polizei löste eine Großfahndung aus, ein Helikopter sichtete den Honda Jazz der Seniorin mit dem Flüchtigen darin. Mit hoher Geschwindigkeit fuhr das Fahrzeug im Dorf Oegeln, einem Ortsteil von Beeskow, auf eine Polizeisperre zu – die Beamten hatten laut Mörke so genannte Reifentöter – also Stahlkrallen – ausgelegt. Plötzlich lenkte der Fahrer das Auto auf den Radweg und „hielt direkt auf die Beamten zu“, wie Mörke berichtet. Der Honda erfasste einen 49 und einen 52 Jahre alten Beamten. Beide starben laut Mörke noch an der Unfallstelle. „Wir unterstellen Tötungsabsicht.“ Der Radweg sei zweieinhalb Meter von der Straße entfernt gewesen.

Flüchtiger Mann derzeit nicht vernehmungsfähig

Im Ortskern durchbrach das Auto einen Zaun, der 24-Jährige stieg aus und kaperte den Wagen eines Rentners. Mit diesem Auto überschlug sich der Flüchtende kurz darauf in einer Kurve und lief zu Fuß weiter. In einem Schilfgürtel konnte die Polizei ihn schließlich stellen. Der mutmaßliche Täter hatte laut Mörke einen offenen Bruch, wehrte sich nicht und war nicht bewaffnet. Er liegt im Krankenhaus und ist derzeit nicht vernehmungsfähig.

Der Täter ist vorbestraft. Laut dem Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Helmut Lange, ist er mehrfach straffällig geworden, unter anderem wegen Raubes, Bedrohung, Körperverletzung, Drogendelikten, Diebstählen und Fahrens ohne Führerschein. Laut Polizeipräsident gab es einen Hinweis, der Mann sei suizidgefährdet. Ob er bereits im Gefängnis gesessen hat, sagten die Ermittler gestern noch nicht. Nach MAZ-Informationen hatte der mutmaßliche Täter wiederholt Ärger mit Finanzbehörden und wurde in diesem Zusammenhang ausfällig. Er gilt als aggressiv und als regelmäßiger Drogenkonsument. Ob er tatsächlich zum Zeitpunkt der Taten Betäubungsmittel im Blut hatte, untersucht jetzt die Staatsanwaltschaft. „Der schien, als wenn er voll unter Stoff stehen würde“, sagt Anwohner Christian Stockenberg, dessen Auto der mutmaßliche Mörder auf seiner Flucht durch Oegeln rammte. Im Gesicht sei der Mann schwarz gewesen, als sei er „in den Dreck gefallen“, so der Zeuge gegenüber der MAZ.

Polizisten waren jahrzehntelang im Dienst

Beide Polizisten hinterlassen jeweils eine Ehefrau und drei Kinder. Einer der Beamten war seit 1991 im Polizeidienst, der andere seit 1995, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) berichtete. Beide seien sehr erfahren gewesen. Der Ort, wo die Polizisten starben, war am Nachmittag weiträumig abgesperrt. Oegeln mit seinen rund 180 Einwohnern erscheint wie verwaist. Eine Anwohnerin sagt nur: „Um Gottes Willen, die armen Polizisten.“ Innenminister Schröter hat für heute landesweit Trauerbeflaggung angeordnet.

> Siehe auch: Der Schock sitzt tief bei vielen. Kommentar von MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven

> Die gefährliche Arbeit von Polizisten: Bei diesen Einsätzen kamen in den vergangenen Jahren Polizisten ums Leben

Von Ulrich Wangemann

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