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So werden Brandenburgs Felder vergiftet

Landwirtschaft So werden Brandenburgs Felder vergiftet

Die Feldmaus hat auf einigen Brandenburger Ackern in diesem Jahr viel Schaden angerichtet. Bauern in der Prignitz und im Spreewald beklagen Ernteverluste. Um den Massenpopulationen Herr zu werden, hat das Land eine Sondergenehmigung für das Gift „Chlorphacinon“ bekommen. Und das ist nicht nur für Mäuse gefährlich.

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Mit dem Gift Chlorphacinon kommen die Mäuse auch beim Fressen in Kontakt.

Quelle: foto: fotolia

Potsdam. Schon die Erntebilanz der Brandenburger Bauern zeigte es deutlich: Die Feldmaus hat sich stark ausgebreitet und auf Feldern und Wiesen teils erheblichen Schaden angerichtet. Schuld daran war der milde Winter. Von einer Plage würde der Landesbauernverband zwar noch nicht sprechen. Dennoch hat das Land zur Bekämpfung der Feldmaus eine Sondererlaubnis für den in der EU verbotenen und hochgiftigen Wirkstoff Chlorphacinon bekommen. Naturschützer warnen vor Gefahren für Greifvögel, Eulen und sogar für Haustiere.

Starker Befall in der Region rund um Frankfurt (Oder)

Seit 1. September dürfen Landwirte in Brandenburg Köder mit dem Mäusegift auf ihren Feldern verteilen. Die Zulassung hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erteilt, unter anderem auch in den Ländern Sachsen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Brandenburg hat sich nach Angaben des Landesamts für Landwirtschaft in Frankfurt (Oder) an dieser Notfallzulassung beteiligt, weil es in einigen Regionen einen starken Befall von Feldmäusen gegeben hat.

Plagegeist Maus

Aus landwirtschaftlicher Sicht sind Mäuse regelrechte Plagegeister. Sie fressen nicht nur die Wurzeln der Getreidepflanzen an, sondern bedienen sich auch an den Ernterückständen wie Mais oder Raps. Auch auf Grünflächen richten sie großen Schaden an.

Die pfluglose Bodenbearbeitung , auf die in Brandenburg laut Bauernverband viele Landwirte übergegangen sind, ist zwar schonender für die Natur. Die Methode sorgt aber dafür, dass die Mäusegänge unversehrt bleiben und die Tiere sich ungehindert vermehren können.

Wo Mäuse in Massen auftreten , bringen ihre Gänge das Bodengefüge aus dem Gleichgewicht. Wasser versickert in den Löchern und versorgt die Getreidepflanzen nicht ausreichend. Auch dadurch kann es zu Ernteausfällen kommen. Teils entstehen große Löcher, in denen sogar schon Erntemaschinen hängen geblieben sind, berichtet der Landesbauernverband.

Auch Haustiere sind gefährdet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Brandenburg fordert die Zulassungsbehörde dazu auf, die Sondergenehmigung sofort zurückzuziehen. „Das Gift Chlorphacinon ist seit Jahren in der gesamten EU wegen der Gefahren für Tiere und den Naturhaushalt verboten“, sagte der Landesgeschäftsführer des BUND, Axel Kruschat. Nach Angaben der Naturschützer vergifte das Mittel nicht nur die Feldmäuse, sondern auch seltene Greifvögel wie den Rotmilan. Da es sich um ein Kontaktgift handelt, kann es auch Haustieren gefährlich werden. „Fängt eine Katze eine Maus, die vorher einen Giftköder gefressen hat, könnte sie an dem Wirkstoff sterben“, warnt Kruschat. Bereits 2011 und 2013 habe es Notfallzulassungen gegeben. „Offenbar wird der Notfall zum Regelfall“, so Kruschat weiter.

Landwirte müssen den Einsatz genau dokumentieren

Andreas Tief, Sprecher des BVL, weist die Kritik zurück. Für den Einsatz von Chlorphacinon gebe es strenge Auflagen und Kontrollen. Landwirte müssen den Einsatz genau dokumentieren. Zudem sei eine solche Ausnahmeregelung rechtlich nur möglich, wenn eine Gefahr nicht anders abzuwenden ist, so Tief. In dem Fall geht die Gefahr von der rasant wachsenden Mäusepopulation aus, die einen enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten könnte. Die Notfallzulassung gilt ab 1. September für 120 Tage. Die zugelassene Menge wurde bundesweit auf 700 Tonnen begrenzt. „Jeder Landwirt muss die Anwendung des Mittels vorher beim Pflanzenschutzdienst beantragen“, sagt Tief. Die Behörden seien bestens mit den Umständen vor Ort vertraut und könnten einschätzen, ob das Gift schützenswerte Tiere gefährdet.

Vor dem Gifteinsatz müssen Alternativen abgeklopft werden

Sylvia Knopke, Abteilungsleiterin beim Pflanzenschutzdienst Brandenburg, liegen derzeit zwei Anträge vor, die geprüft werden. Knopke weist darauf hin, dass die betroffenen Landwirte alle alternativen Maßnahmen zur Bekämpfung ausprobiert haben müssen, bevor Chlorphacinon zum Einsatz kommt. Dazu gehört etwa, den Boden direkt nach der Ernte gründlich mit einem Pflug zu bearbeiten oder sogenannte „Sitzkrücken“ für Greifvögel aufzustellen. Greifvögel stehen an erster Stelle der natürlichen Feinde. In Thüringen, wo die Bauern fast jährlich mit Feldmausplagen zu kämpfen haben, gelten die 2 Meter hohen Stangen als wirksames und natürliches Mittel gegen die Feldmaus. Der Landwirt muss den starken Befall vorerst mit der Lochtretmethode nachweisen. Dazu werden auf einer Fläche von 250 Quadratmetern alle Mäuselöcher zugetreten und die wieder geöffneten nach 24 Stunden gezählt.

Das Gift wird im Streuverfahren angewendet

Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbands, vermutet, dass Chlorphacinon in Brandenburg nur in geringen Mengen verwendet wird. Speziell im Spreewald und in der Prignitz habe es in diesem Jahr große Probleme mit der Feldmaus gegeben. Allerdings seien diese vereinzelten Fälle mit den Mäusescharen in Thüringen noch nicht zu vergleichen, so Brantsch. Lothar Pawlowski, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Prignitz, berichtet von einer verstärkten Feldmauspopulation seit dem Frühjahr. „Die hat in unseren Kulturen großen Schaden angerichtet“, sagt er. Chlorphacinon habe man jedoch nicht beantragt, sondern setze auf das Pflügen und die Füchse oder Störche als natürliche Feinde.

Das Gift wird im Streuverfahren angewendet. Das heißt, es darf nicht gezielt in Häufchen ausgelegt oder auf unbewirtschafteten Flächen verteilt werden. Das soll verhindern, dass andere Tiere das Gift aufnehmen.

Von Luise Fröhlich

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