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Solarmodule im Visier von Diebesbanden

Organisierte Kriminalität Solarmodule im Visier von Diebesbanden

Nicht nur der Auto-Klau ist in der Hand straff organisierter Banden. Auch der Diebstahl teurer Solaranlagen wird immer mehr zum lukrativen Geschäft für professionell agierende Langfinger. In Brandenburg konnte die Ermittlungsgruppe „Helios“ gemeinsam mit polnischen Fahndern eine Gruppe von sieben Männern und einer Frau auf frischer Tat ertappen.

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Bei Dieben heiß begehrt: Solarmodule.

Quelle: Chromorange

Potsdam . Für die Diebe kam der Zugriff der Polizei völlig überraschend. Nur wenige Stunden nachdem sie im bayrischen Main-Spessart-Landkreis wertvolle Solarmodule gestohlen hatten, klickten im deutsch-polnischen Grenzgebiet bei Frankfurt (Oder) die Handschellen. Für sieben Männer und eine Frau im Alter von 24 bis 48 Jahren endete vor einer Woche die Kette der Raubzüge auf Solaranlagen. Im Laderaum ihres Transporters befanden sich 194 Module im Wert von 60 000 Euro. Die Fahnder gehen davon aus, dass die durchweg mit Polen besetzte Bande seit Herbst vergangenen Jahres aktiv ist. Gegen sechs der Männer verkündete ein Richter am Montag in Zielona Gora die Haftbefehle.

Dabei ging es um mehr als die übliche juristische „Kleiderordnung“. „Die Brandenburg Polizei hat hier von Anfang an eng mit polnischen Ermittlern zusammengearbeitet“, sagt Mario Heinemann vom Potsdamer Polizeipräsidium. Mit den Kollegen sei abgesprochen gewesen, dass der Zugriff erst auf polnischem Gebiet erfolgen sollte, um den bei der Übergabe der Ware womöglich anwesenden Kopf der Bande gleich mit festzunehmen. „Sechs Verhaftungen – das ist ein empfindlicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität“, so Heinemann.

Fahnder der zu Jahresbeginn im Landeskriminalamt (LKA) gegründeten Ermittlungsgruppe „Helios“ hatten die Bande frühzeitig auf dem Schirm. Ihr werden mindestens zehn Raubzüge auf Solarparks zur Last gelegt, davon sechs in Brandenburg und vier in Bayern – Gesamtschaden rund eine halbe Million Euro.

Von polnischen Kollegen wusste die Brandenburger Polizei, mit welchem Transporter die Gruppe nach Deutschland einreist. Am vorigen Wochenende sollte dann der Zugriff erfolgen. Verdeckte Ermittler ließen die Diebe nicht mehr aus den Augen. Die fuhren zu einer Solaranlage ins unterfränkische Eußenheim und beluden den Transporter.

Am nächsten Vormittag wurde der Wagen kurz hinter der polnischen Grenze gestoppt. Am Steuer ein einschlägig bekannter 48-Jähriger, mit im Fahrzeug eine 32-jährige Beifahrerin. Eine Stunde später ging an gleicher Stelle ein Van ins Netz, mit dem der Rest der achtköpfigen Bande, darunter der Chef, auf dem Rückweg war.

Der Diebstahl von Solarmodulen und Wechselrichtern (Geräte, die die Gleichspannung aus den Modulen in Wechselspannung umwandeln und ins Netz einspeisen) ist ein einträgliches Geschäft. Beim Stückpreis pro Modul von durchschnittlich 300 Euro ist die Gewinnspanne beträchtlich. Organisierte Banden plündern viele der zumeist abgeschieden liegenden unbewachten Anlagen regelrecht aus und verkaufen die Teile auf dem Schwarzmarkt. Manche tauchen in Online-Portalen wieder auf. Obwohl die Fallzahlen eher gering und die Statistiken wenig aussagekräftig sind, liegen die Schäden oft im fünfstelligen Bereich – und das pro Diebstahl.

Der Aufwand ist für die Langfinger hoch. Das spricht für professionelle Banden ähnlich dem organisierten Auto-Klau. Die einen Quadratmeter großen Module wiegen im Schnitt 20 Kilo. Sie müssen schnell abmontiert werden, ein Schraubenzieher reicht dafür nicht. „Wir müssen an die Hintermänner rankommen, um langfristig Bandenstrukturen zu zerschlagen“, sagt Ulrich Scherding von der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Das könne nur in enger Kooperation mit polnischen Ermittlern gelingen.

„Helios“ folgt auf „Sonne“

Zu Jahresbeginn hat Brandenburgs Polizei die Ermittlungsgruppe „Helios“ gegründet. Damit soll der Druck auf Banden, die Solarparks plündern, erhöht und die Kooperation mit polnischen Fahndern vertieft werden. „Helios“ ersetzt die zwischenzeitlich aufgelöste Sonderkommission „Sonne“.

Das Landeskriminalamt verzeichnete 2012 mit 139 Angriffen auf Solarparks den bisherigen Höhepunkt – Schaden damals: mehr als zwei Millionen Euro. Seither sinken die Fallzahlen (2013: 66, 2014: 45), was auch auf einige Fahndungserfolge zurückzuführen ist.


Ein Grund zur Entwarnung ist das aber beim Blick auf die aktuellen Fälle nicht. Erst Mitte April waren in einem Park in Jocksdorf (Spree-Neiße) 300 Module gestohlen worden – Schaden etwa 60 000 Euro beziffert. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

 

Von Volkmar Krause

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