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Somalischer Pirat in Potsdam vor Gericht

Prozess nach tödlichen Messerstichen in Teltow Somalischer Pirat in Potsdam vor Gericht

Im Mai wurde ein junger somalischer Flüchtling in einem Heim in Teltow (Potsdam-Mittelmark) erstochen. Der mutmaßliche Täter – ebenfalls ein Somalier – steht demnächst vor Gericht. Als er den Polizeibeamten seine Geschichte erzählte, staunten sie nicht schlecht: Der Angeklagte soll ein ehemaliger Pirat sein.

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In Potsdam wird der ungewöhnliche Fall verhandelt.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Spektakulärer Prozess in Potsdam: Ein ehemaliger somalischer Pirat muss sich ab dem 5. November vor dem Potsdamer Landgericht wegen Totschlags verantworten. Der etwa 35jährige Mann soll im Mai dieses Jahres in einer Flüchtlingsunterkunft in Teltow (Potsdam-Mittelmark) einen 21Jährigen, der ebenfalls aus Somalia stammt, durch einen Stich in die Halsschlagader tödlich verletzt haben. Nach der Bluttat im Asylbewerberheim war der Verdächtige zunächst zu Fuß geflüchtet – immer noch mit dem Messer in der Hand. Eine Autofahrerin alarmierte die Polizei, die den Mann festnahm.

Angeklagter mit brisanter Vorgeschichte

Nachdem der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft saß, erfuhren die Beamten, dass es sich bei dem Somalier offenbar um einen ehemaligen Piraten handelt. Eine Sprecherin des Potsdamer Landgerichts bestätigte einen entsprechenden Bericht des RBB. Der Beschuldigte berief sich demnach auf Notwehr. Das glaubt die Staatsanwaltschaft aber nicht. Ein DNA-Abgleich der Tatwaffe ergab, dass an dem Messer nur das Blut des Angeklagten klebte.

Laut Anklageschrift soll der Mitbewohner dem Tatverdächtigen „zu nahe“ gekommen sein. Der Ex-Pirat habe angegeben, dass er so „trainiert“ sei, dass er eben töte, wenn ihn jemand angreife.

Bereits in Frankreich in Haft

Er soll bereits in Frankreich in Haft gesessen haben und mehrere Identitäten angenommen haben. Deswegen sei auch unklar, wie alt der Angeklagte wirklich ist. Unter Umständen muss das vor Gericht geklärt werden. Für den Prozess sind zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt.

Abenteuerlich ist auch die Geschichte, die gegenwärtig vor dem Landgericht verhandelt wird. Auch hier geht es um eine Messerstecherei im Asylbewerberheim: Im März stach in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) ein Iraner auf einen Landsmann ein. Erst zum Verhandlungsauftakt kam nun heraus, was offenbar hinter der Tat steckt: Demnach soll der Angeklagte mit seinem Opfer um die Beute eines Raubüberfalls gestritten haben, die noch aus ihrer gemeinsamen Zeit in Teheran stammt.

Abschiebung schwierig

Die beiden Männer hätten in der iranischen Hauptstadt auf dem Basar einen Mann niedergeschlagen und 300 Goldmünzen geraubt, schreibt der RBB. Zwei Mittäter wurden dort festgenommen, das übrige Duo floh nach Europa, wo es schließlich in Ludwigsfelde landete.

Ob der Angeklagte nach Verbüßung seiner Haftstrafe abgeschoben werden kann, ist fraglich: Der Angeklagte gab vor Gericht an, er sei inzwischen zum Christentum konvertiert. Und im Iran drohen Muslimen, die vom Glauben abgefallen sind, die Todesstrafe.

Von Torsten Gellner

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