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Sorge in der Mark: Schweinepest vor den Türen

Jäger und Forscher schlagen Alarm Sorge in der Mark: Schweinepest vor den Türen

2007 ist die Afrikanische Schweinepest nach Osteuropa eingeschleppt worden. Sie breiten sich stark aus – und ist Brandenburg sehr nah. „Es ist fünf vor zwölf“, so die Warnung. Die Jäger fordern die Aussetzung einer Gebühr, um besser vorbeugen zu können – doch das Land lehnt ab und auch von den Landkreisen gibt es Absagen.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Brandenburgs Jäger schlagen Alarm. Die im Jahr 2007 nach Osteuropa eingeschleppte Afrikanische Schweinepest rückt näher. Sie breitet sich in Polen und den baltischen Staaten aus. „Es ist fünf vor zwölf“, warnt der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB). Franz J. Conraths, Leiter des Instituts für Epidemiologie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Greifswald, bestätigt Häufung der Fälle. „Wir hatten allein in den vergangenen Wochen in Polen bei Hausschweinen 15 Fälle“, sagt Conraths. Bei Wildschweinen seien sogar 28 Ansteckungen bekannt geworden. Bei Hausschweinen ende die Krankheit nach bisherigem Kenntnisstand immer mit dem Tod.

Bisher traten die Fälle noch entlang der polnisch-weißrussischen Grenze auf, doch nun wurden auch im Landesinnere Ansteckungen registriert. Die Seuche sei zwar noch weit weg und ein rasches Übergreifen daher unwahrscheinlich, dennoch sind die Forscher um Conraths besorgt: Es sei durchaus denkbar, dass jemand infiziertes Wildschweinfleisch aus Osteuropa einführe und es unsachgemäß entsorge. Wenn es dann von anderen Tieren gefressen wird, könne die Seuche auch in Brandenburg ausbrechen, so Conraths. „Das wäre eine Katastrophe für die hiesige Schweineproduktion.“ Beim Ausbruch in Hausschweinebeständen würden Sperrbezirke eingerichtet und alle Schweine getötet.

„Das Risiko einer Einschleppung bestand und besteht auch weiterhin“, sagt auch Alexander Kitterer, Sprecher des Brandenburger Verbraucherschutzministeriums. Deshalb würden jährlich Untersuchungen bei den Wildschweinen durchgeführt. Allerdings seien für eine Einschleppung durch direkte Kontakte von Wildschweinen die Entfernungen derzeit zu groß.

Die Jäger sehen das anders. Um die Risiken einer tödlichen Seuche auch in Brandenburg zu minimieren, müssten die Landkreise die Gebühr für die verpflichtende Trichinenprobenuntersuchung bei Frischlingen aussetzen, fordert der Jagdverband. Jedes geschossene Tier muss geprüft werden. Bei dem wenigen Fleisch eines Frischlings mache ein Jäger durch die Gebühr „Miese“, erläutert Verbandssprecher Tino Erstling, der Anreiz, auf Frischlinge zu schießen, sinke. Die Jagd sei aber wichtig, um das Seuchenrisiko gering zu halten.

Das Ministerium lehnt die Forderung der Jäger ab. In Bayern habe die Aussetzung der Gebühr für die Trichinenuntersuchung nicht dazu geführt, dass mehr Frischlinge gejagt worden seien, heißt es. Auch aus den Landkreisen gibt es Absagen. Für das Veterinäramt der Uckermark ist es nicht nachvollziehbar, dass ein Teil der Jägerschaft die lediglich sieben Euro Untersuchungsgebühr thematisiere, „ohne an ihre eigentliche Aufgabe nach dem Landesjagdgesetz zu denken: Aufbau und Erhaltung eines gesunden Wildbestand durch jagdliche Maßnahmen“. Darin sei die Mitwirkung der Jäger bei der Wildseuchenbekämpfung festgeschrieben. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat die Kosten für die Untersuchung dagegen wegen der Schweinepest derzeit ausgesetzt.

Von Rüdiger Braun

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