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Spanier auf dem Vormarsch

Ausbildungsförderung Spanier auf dem Vormarsch

Heimweh und Sprachprobleme hielten 16 junge Spanier nicht davon ab, ihre Berufsausbildung in Brandenburg zu starten und das erste Lehrjahr erfolgreich zu absolvieren. Die IHK Potsdam ist Träger des bundesweiten Förderprogramms und hat die Azubis an Betriebe vermittelt. Mit 27 Spaniern startete man 2014, 11 sind gescheitert – ein schlechtes Zeichen?

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Xavi Alegre aus Spanien ist einer der 16 Azubis, denen zum erfolgreichen Abschluss des ersten Lehrjahres gratuliert wurde.

Quelle: dpa

Potsdam. 1866 Kilometer liegen zwischen Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) und Madrid, der Heimatstadt von Luis Alberto Perez. Der 21-jährige Spanier macht seit November 2014 eine Ausbildung zum Restaurantfachmann im Sportcenter&Sporthotel Neuruppin. Fernab von seiner Familie und Freunden begann er ein neues Leben und schaffte sich eine Perspektive. Träger dieses Ausbildungsprojektes ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, die ihm und den anderen spanischen Jugendlichen am Freitag zum erfolgreichen Abschluss ihres ersten Lehrjahres gratulierte.

Mit 26 Auszubildenden aus Spanien startete das Projekt der IHK Potsdam im vergangenen Jahr. 16 von ihnen sind noch dabei – zwei in der Region Prignitz und die anderen vierzehn in Potsdam. „Das ist ein guter Schnitt“, sagt Wolfgang Spieß, Bereichsleiter Bildung bei der IHK. „Die Abbruchquote bei den deutschen Azubis ist höher.“ Und die hätten nicht mit Sprachbarrieren oder der großen Entfernung zur Heimat zu kämpfen. „Dass trotzdem so viele das erste Jahr überstanden haben, ist ein Meilenstein für uns“, so Spieß weiter. Unabhängig von diesem Ausbildungsprojekt hat die IHK bereits 140 Jugendliche mit Migrationshintergrund aus aller Herren Länder als Azubis in Brandenburg vermitteln können. Auch in diesem Jahr will sie als Träger den Zuschlag für die Förderung des Bundesprogramms „MobiPro-EU“ bekommen und 2016 wieder ausländische Azubis einstellen. Knapp 240 Unternehmen seien laut IHK interessiert, die jungen Spanier auszubilden.

Jugendarbeitslosigkeit in Spanien am höchsten

In Spanien ist die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch, saisonal bedingt speziell in den Wintermonaten. Eine Statistik von November 2014 zeigt, dass etwa jeder Zweite (53,5 Prozent) erwerbsfähige Spanier im Alter von 15 bis 24 Jahren arbeitslos ist. Deutschland liegt mit 7,4 Prozent hingegen auf dem letzten Platz der Tabelle. Ein Grund, warum viele jugendliche Ausländer ihrer Heimat den Rücken kehren.

Luis Alberto Perez (21) aus Madrid macht eine Ausbildung zum Restaurantfachmann in Neuruppin

Luis Alberto Perez (21) aus Madrid macht eine Ausbildung zum Restaurantfachmann in Neuruppin.

Quelle: Luise Fröhlich

Ob er wieder zurück nach Spanien gehen wird, weiß Luis Alberto Perez noch nicht. Im Moment hat die korrekte Verständigung auf deutsch für ihn Priorität. „Er ist noch ein bisschen schüchtern“, sagt seine Ausbilderin Christine Oeser, die ihm seit Beginn mit Rat und Tat zur Seite steht. „Es ist anstrengend, aber ich mache es gerne.“ Wenn sie die Dienstpläne fertigt, muss sie zum Beispiel auf die Sprachkurse Rücksicht nehmen, die viel von Perez’ Zeit in Anspruch nehmen. Als angehender Restaurantfachmann bedient der junge Spanier die Gäste. „Manche reagieren nicht so gut darauf, wenn sie merken, dass er sprachliche Schwächen hat“, sagt Oeser. Doch er schlage sich gut.

„Es wird bunter und internationaler“

Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam, sieht in dem Ausbildungsprojekt eine Chance für das Miteinander und den Austausch zwischen deutschen und ausländischen Azubis. „Es wird bunter und internationaler. Ich denke, dass die deutschen Jugendlichen noch Einiges von den Spaniern lernen können“, sagt sie.

In Brandenburg gibt es für das neue Ausbildungsjahr noch mehr als 2000 offene Stellen. Angesichts dieser Zahl und der fehlenden Fachkräfte startete die IHK das Projekt vorerst nur im Bereich der Hotellerie und Gastronomie. Doch damit stießen sie bei den Spaniern schnell an die Grenzen. Xavi Alegre (27) aus Barcelona sattelte nach kurzer Zeit um und ist mittlerweile bei GSE-Protect in Potsdam als Azubi für Schutz und Sicherheit eingestellt. „Es macht mir Spaß. Ich spreche mit vielen Leuten, das hilft“, sagt er. Vor allem hilft es ihm dabei, sicherer in der Sprache zu werden. Auf die Frage, ob er nach der Ausbildung gehen oder bleiben will, hat er eine klare Antwort: „Wenn die Situation in Spanien besser wird, will ich zurück. Wenn nicht, bleibe ich hier.“

Xavi Alegre (27) stammt ursprünglich aus Barcelona

Xavi Alegre (27) stammt ursprünglich aus Barcelona. Ob er dahin zurückgehen will, weiß er noch nicht.

Quelle: Luise Fröhlich

Die IHK hatte anfangs geplant, 30 Azubis aus Spanien in der Prignitz und im Kreis Ostprignitz-Ruppin unterzubringen – dort, wo der Azubi-Mangel am größten ist. Dass dort nur noch zwei Teilnehmer übrig sind, ist für Projektbetreuerin und Mobilitätsberaterin der IHK, Karin Bethke, eine traurige Bilanz. „Wir haben schnell gemerkt, dass die Jugendlichen nicht viel Interesse an der Gegend und dem landschaftlichen Bild hatten.“ Viele von ihnen kamen in Potsdam unter, andere brachen aus persönlichen Gründen ab.

Beruflich durchstarten

Die spanischen Auszubildenden in Brandenburg profitieren von einem Förderprogramm des Bundes, das „MobiPro-EU“ heißt.

Damit unterstützt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die berufliche Mobilität von jungen EU-Bürgern auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Schwerpunkt des Programms ist die Sprachförderung im Herkunftsland und in Deutschland.

Gefördert werden Projekte, die zehn bis dreißig Jugendliche aus Europa befähigen, eine Berufsausbildung in Deutschland erfolgreich zu absolvieren. 140 Millionen Euro stehen für das gesamte Programm, das 2013 an den Start ging, bis 2016 zur Verfügung.

In Brandenburg haben in diesem Jahr acht Träger den Zuschuss für die Förderung ihrer Projekte in den Bereichen Altenpflege, Handwerk oder Gastronomie beantragt. Für weitere Informationen zum Förderprogramm oder einzelnen Projekten gibt es ein Portal, das Sie unter www.thejobofmylife.de finden. Es führt Interessierte, Unternehmen und Träger zusammen.

Von Luise Fröhlich

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