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Deutschland 83 – das Serienwunder

Sendestart am Donnerstag Deutschland 83 – das Serienwunder

Deutschland ’83 gilt als das neue deutsche Serienwunder. In den USA ist der Mehrteiler mit großem Erfolg gelaufen, die Kritik feierte die Produktion. Am Donnerstag startet die Serie, in der es um einen Stasi-Spion in Westdeutschland geht, auf RTL. Die Zuschauer können sich auf eine charmante Zeitreise in die 80er-Jahre und spannende Fernsehabende freuen.

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Jonas Nay (l.) und Ludwig Trepte am Set von „Deutschland 83“ vor dem früheren Landtag auf dem Potsdamer Brauhausberg.

Quelle: Fotos: dpa

Potsdam. Im Radio lief „99 Luftballons“ von Nena. Die Telefone hatten eine Wählscheibe, die Menschen trugen komische Jeans. Das höchste der Gefühle war eine gute Tasse Filterkaffee. Die Serie „Deutschland 83“ ist eine Zeitreise in die 80er-Jahre, in die Welt des Kalten Krieges, als das Wettrüsten zwischen Ost und West fast eskaliert wäre. Und viele der Aufnahmen sind in der Region entstanden: auf Waldwegen bei Potsdam, im „Kreml“ genannten Ex-Landtag Brandenburgs, in einer Kleinmachnower Villa.

Die Geschichte um einen DDR-Soldaten, der zur Spionage im Westen gezwungen wird, feierte erst in den USA ihre TV-Premiere – noch bevor sie am Donnerstag hier startet. „Frisch und unterhaltsam“ fand die „New York Times“ die Saga, die auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs spielt, zwischen Bonn, Brüssel, Berlin und dem damals noch verwitterten Berliner Vorort Kleinmachnow. Hauptdarsteller Jonas Nay (25) wird vermutlich noch einige Preise einheimsen.

Die Kulissen der Zeitreise

Die RTL-Serie „Deutschland 83“ ist eine Zeitreise. Viele Einrichtungen aus den Zeiten der deutsch-deutschen Teilung, aus der Ära von Kohl und Honecker, gibt es nicht mehr. Hier fanden die Filmemacher ihre Kulissen:


Die Büroszenen , die beim Auslandsgeheimdienst der DDR spielen, wurden nach Produktionsangaben im Stasi-Museum in Berlin gedreht. Dort kann man heute die historischen Diensträume von Staatssicherheitschef Erich Mielke besichtigen.


Die Szenen der Truppenübungen entstanden auf Waldwegen in Potsdam. Der ehemalige Landtag von Brandenburg war das Motiv für die Kaserne in der Eifel.


Das ehemalige Innenministerium in Berlin-Mitte diente als Kulisse für die Ständige Vertretung der DDR in Bonn.


Die Villa der Familie Rauch steht nicht in Kleinmachnow (wie in der Serie), sondern in Berlin. Die Charité-Szenen spielen auf dem Campus Berlin-Buch.

Am Donnerstag wird bei RTL künftig spioniert

Die acht Folgen werden immer donnerstags bei RTL im Doppelpack ausgestrahlt. Dort sind die Zuschauer eher an den Actionstoff „Alarm für Cobra 11“ gewöhnt. „Deutschland 83“-Produzent Nico Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“) wird genau verfolgen, welche Quoten seine Serie bringt. Denn: Serienfans gucken gern im Marathon – mit DVDs oder sie rufen die Folgen aus dem Internet ab. Bei der DDR-Serie „Weissensee“ im Ersten funktionierte es mit dem klassischen Fernsehplatz um 20.15 Uhr. Hochgelobte US-Produktionen wie „Homeland“ und „Mad Men“ hatten es hingegen im hiesigen TV schwer. Das nährt den Verdacht: Serien sind etwas für Kinoliebhaber, die Generation Youtube und für Party-Smalltalk.

Turbulente Geschichte um den DDR-Soldaten Martin Rauch

Nun also „Deutschland 83“. Die Story: Der junge DDR-Soldat Martin Rauch (Nay) wird von seiner kaltblütigen Tante (Maria Schrader) zur Bundeswehr in den Westen gezwungen, wo er die Pläne für die Pershing-II-Raketen und ein Nato-Manöver auskundschaften soll. Die Gegenleistung des DDR-Auslandsgeheimdienstes: Martins nierenkranke Mutter (Ingrid Rauch) soll einen Platz auf der Spenderliste der Ost-Berliner Charité-Klinik bekommen. Er muss dafür seine Freundin (Sonja Gerhardt) in der DDR zurücklassen. Starke Szenen: wie Martin zum ersten Mal zwischen den bunten Regalen in einem Supermarkt im Westen steht. Ein Uni-Professor namens Tobias Tischbier (Alexander Beyer), ebenfalls ein Spion, zeigt ihm, wie ein Burger schmeckt. „Wo machen die hier denn ihre Paraden?“, rätselt Martin in Bonn. Für den jungen Mann, der nun Moritz heißt, wird es eine Heldenreise: Es ist nicht nur eine Geschichte über Spionage, sondern auch über das Erwachsenwerden. Man muss dranbleiben.

Eine Fortsetzung der Serie ist bereits geplant

Die Autorin Anna Winger und ihr Mann Jörg Winger („Soko Leipzig“) haben die Figuren und Konflikte liebevoll gezeichnet. Dazu kommt viel Zeitgeist: die Bhagwan-Kommune, Aids, das Lindenberg-Konzert in Ost-Berlin, der 80er-Jahre-Sound: Im Vorspann flackern Nachrichtenbilder über Nays nackten Oberkörper, dazu läuft New Orders „Blue Monday“.

Die Idee zur Serie stammt von Anna Winger, einer in Berlin lebenden Amerikanerin. „Als mein Mann bei der Bundeswehr war, musste er die russischen Truppen in Sachsen abhören. Die grüßten die westdeutschen Soldaten über Funk mit Namen, weil die die Bundeswehr natürlich auch abhörten.“ Eine Fortsetzung ist schon geplant, sie soll 1986 spielen.

Von Caroline Bock

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