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Start mit Kamel und Storch vor 60 Jahren

Tierpark in Berlin feiert am 2. Juli Geburtstag Start mit Kamel und Storch vor 60 Jahren

Heute flanieren jährlich noch rund eine Million Besucher durch den europaweit größten Landschaftstiergarten im Ortsteil Friedrichsfelde. Doch das reicht nach Experteneinschätzung nicht für einen rentablen Betrieb. Auch zu wenige ausländische Touristen finden den Weg.

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Eine junge Palawan-Bengalkatze in ihrem Gehege im Tierpark Berlin im Gras.

Quelle: dpa

Berlin. Die ersten Bewohner waren ein Storch und ein zweihöckriges Kamel. Der neue Tierparkdirektor Heinrich Dathe holte sie noch selbst aus dem Zoo Halle ab. Dann der Start in Ost-Berlin mit DDR-Präsident Wilhelm Pieck: Vor 60 Jahren, am 2. Juli 1955, wurde der Tierpark eröffnet. Für Millionen DDR-Bürger war die 160 Hektar große Anlage über Jahre ein Magnet, und der eloquente Tierparkdirektor Dathe eine Berühmtheit.

Heute flanieren jährlich noch rund eine Million Besucher durch den europaweit größten Landschaftstiergarten im Ortsteil Friedrichsfelde. Doch das reicht nach Experteneinschätzung nicht für einen rentablen Betrieb. Auch zu wenige ausländische Touristen finden den Weg. Der Tierpark erhält derzeit knapp 5,5 Millionen Euro aus der Landeskasse. Der Zoo in der Westcity braucht seit einem Jahr keine Zuschüsse mehr.

Die Tierpark ist in die Jahre gekommen. Die Energieversorgung marode, Gehege mit Zäunen nicht mehr zeitgemäß, Spielplätze unzureichend, verwirrendes Wegesystem, mäßige Gastronomie - es ist nur ein kleiner Ausschnitt einer Analyse, die der neue Chef von Zoo und Tierpark, Andreas Knieriem, jetzt vorgelegt hat.

Auf den Spuren von Lenné

Auf den Spuren von Lenné: Das Schloss Friedrichsfelde ist das Herzstück vom Tierparks.

Quelle: dpa

Knieriem hat ambitionierte Pläne: Bis 2030 soll der Tierpark komplett umgestaltet werden - mit Afrika-Lodge und Himalaya-Gipfel für Bergtiere. Der 49-Jährige will einen „Paradigmenwechsel“ unter dem Leitmotiv: „Ab in die Wildnis - Abenteuer erleben“. Noch ist nicht klar, woher die veranschlagten rund 92 Millionen Euro kommen sollen.

Der Verein der Freunde der Hauptstadtzoos unterstützt die Pläne und hofft, dass der Tierpark schnell fit gemacht werden kann für die Zukunft. Der Förderverein will in diesem Jahr allein 175 000 Euro Spenden für den Umbau des Raubtierhauses sammeln.

Der Tierpark war damals als DDR-Gegenstück zum traditionsreichen Zoo in West-Berlin gegründet worden. Viele Ost-Berliner schippten auf den Brachen am Schloss Friedrichsfelde mit und leisteten tausende „Aufbaustunden“. Die Anlage wurde schnell zu einem Besuchermagneten.

Heute gehört das Schloss mit zum Gelände und steht unter Denkmalschutz. Den Schlosspark hatte 1821 der bekannte Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné angelegt.

Bald nach der Eröffnung bot der Tierpark auch Spektakuläres wie die Eisbärenanlage sowie das 1963 eröffnete Alfred-Brehm-Haus mit Löwen und Tigern. Auch eine Tropenhalle kam hinzu. Noch 1989 wurde das Elefantenhaus samt Freianlage eröffnet. Heute sind mehr als 7500 Tiere zu sehen.

Nach dem Mauerfall war zunächst unsicher, ob der im Osten äußerst beliebte Tierpark bleibt. Gegen eine „Abwicklung“ gab es Proteste, ebenso gegen die Kündigung des damals 80-jährigen Dathe, der sein Lebenswerk bedroht sah. Der langjährige Direktor starb 1991. Schließlich wurde der Tierpark in eine GmbH überführt und ist heute eine Tochter der Berliner Zoo AG.

1991 kam Bernhard Blaszkiewitz als Nachfolger von Dathe. Seine Alleingänge, sein ruppiges Auftreten gegenüber Mitarbeitern sorgten immer wieder für heftige Diskussionen in der Stadt. Doch unter seiner Ägide entstanden auch neue Tieranlagen. Im Frühjahr 2014 räumte der umstrittene Direktor, längst auch des Zoos, seinen Posten.

Knieriem, zuvor Leiter des Münchner Tierparks Hellabrunn, übernahm. Die Erwartungen an ihn waren enorm hoch. „Diese Stadt braucht zwei Zoos - einer wäre für die Metropolenregion zu wenig“, bekennt sich der gelernte Tierarzt zu beiden Anlagen. Und überhaupt: „Zoos sind kein Auslaufmodell. Das Gegenteil ist der Fall.“ In den rund 800 deutschen Zoos seien zuletzt 60 Millionen Besucher gezählt worden.

Von Jutta Schütz

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