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Brandenburger verschlüsseln Internet – ganz einfach

Zwischen Datenschutz und YouTube-Trickserei Brandenburger verschlüsseln Internet – ganz einfach

Zwei Brandenburger haben auf einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg eine kleine Box entwickelt, die den Internetverkehr auf einfache verschlüsseln soll. Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers sollen durch die Technik verhindert werden. Wir haben nachgefragt, wie das funktioniert.

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Mischt eine smarte Box bald den Datenschutz im Internet auf?

Quelle: dpa

Berlin. Ein Kreuzberger Hinterhof, geschichtsträchtiger Backstein neben grün glänzender Fassade. Im Innern herrscht Gründergeist, in einer zum Büro umfunktionierten Wohnung sitzt Maximilian Pohl zwischen Whiteboard, einem Kickertisch aus Pappe und einer Mi niaturausgabe des DeLoreans, der Zeitmaschine aus „Zurück in die Zukunft“. Pohl, 32, ist studierter Kommunikationswissenschaftler und Kopf mehrerer Start-ups. Sein neustes Projekt ist ein handtaschentauglicher Plastikkasten, der es in sich hat: Die „RelaxBox“ soll das Surfen im Internet für jedermann sicherer machen.

 Maximilian Pohl mit „RelaxBox“

Maximilian Pohl mit „RelaxBox“.

Quelle: Pauly

Seit den Enthüllungen des Ex-US-Agenten Edward Snowden ist das Thema Datensicherheit in aller Munde. Aber viele Nutzer tun sich schwer mit der Verschlüsselung ihres Internetverkehrs, meint Pohl – weil der Aufwand zu groß scheint, der Surfkomfort leidet oder es schlicht am Wissen fehlt. „Wir brauchen etwas, was Nutzer einfach anstecken und einschalten können“, erinnert sich Pohl an die Anfänge des weißen Plastikkastens. „Wir müssen alles in eine Box packen. Die Dienste und Funktionen müssen im Hintergrund ablaufen und die Menüs so gestaltet sein, dass sie jeder versteht.“

Von der Schule zum gemeinsamen Start-Up

Wir, das sind Pohl und sein Partner, der Telematiker und Soziologe Stefan Henschel, ebenfalls 32. Man kennt sich schon seit den gemeinsamen Jahren am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Eine Stadt von idealer Größe, um mit Gleichgesinnten eigene Projekte zu starten und daran zu wachsen, sagt Pohl, der sich mit einem guten Dutzend Mitstreitern in der Berliner Start-up-Szene einen Namen erarbeitet hat: als Gründer des WLAN-Dienstleisters „Mein Hotspot“, Produktentwickler bei „Eventnet“, einem Anbieter von Internetlösungen für Großveranstaltungen, und Gesellschafter der Agentur „Netzameisen“.

An Zeit und Muse für neue Projekte scheint es trotzdem nicht zu fehlen – siehe „RelaxBox“. Die Funktionsweise erklärt Pohl so: Bei einer unverschlüsselten Internetverbindung sind Nutzer anhand ihrer IP-Adresse, die ihnen Provider zuordnen, eindeutig identifizierbar. Die „RelaxBox“, angeschlossen an den Router, leitet dagegen alle Abfragen verschlüsselt über sichere Server des Start-ups um – wie bei einem virtuellen privaten Netzwerk (VPN), dessen Einrichtung aber wesentlich aufwendiger und für jedes Endgerät einzeln durchzuführen sei, erklärt Pohl. Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers sind so nicht möglich.

Standort verschleiern, Internetsperren umgehen

Auf diesem Wege können Nutzer auch ihren Standort verschleiern und so ortsbezogene Internetsperren umgehen, etwa bei YouTube-Videos ausländischer Künstler. Bei der „RelaxBox“ müssen Anwender großer Bandbreiten allerdings Geschwindigkeitseinbußen in Kauf nehmen, weil die Verschlüsselungstechnik laut Pohl die Durchsatzraten auf maximal 25 Megabit pro Sekunde beschränkt.

Der Markt für Verschlüsselungstechnik ist umkämpft. Pohl wirbt mit dem Versprechen der Einfachheit: minimaler Funktionsumfang, einfache Konfiguration. Zielgruppe sind Privatanwender sowie Klein- und Heimbüros. Als Anschubfinanzierung kamen 30.000 Euro per Crowdfunding zusammen, die 200 Unterstützer durften die Boxen als erstes testen. Inzwischen sind weitere 300 Exemplare verkauft. Für Pohl ist es eine Investition in die Zukunft. „Daten werden nicht über Monate gespeichert, sondern über Dekaden.“ Und wer weiß schon, was die Algorithmen von morgen mit den Daten von heute anfangen werden.

Surfen ohne Spuren zu hinterlassen

Zur Anonymisierung von Verbindungsdaten gibt es verschiedene Software- und Hardware-Lösungen.

Tor ist eine populäre Software, die unter eingeschränkter Bandbreite weitgehend anonymes Surfen ermöglicht.

Auf Hardware-Seite ist „ RelaxBox“ ein Anbieter unter vielen. Das Gerät kostet einmalig 69 Euro. Für den Tarif fallen monatlich Kosten von mindestens 6,90 Euro (bei zwölf Monaten Laufzeit) an.

Wettbewerber sind etwa „ EnigmaBox“ (Anschaffungskosten: 520 Schweizer Franken zuzüglich 120 Schweizer Franken für Netzwerkzugang) und „ Trutzbox“ (199 Euro plus 120 Euro für zweijährige Software-Pflege).

Von Bastian Pauly

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