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Stasi-Gerüchte um eine rätselhafte Akte

Kindsmord-Prozess in Neuruppin Stasi-Gerüchte um eine rätselhafte Akte

Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich die Mutter des Jungen, inzwischen eine 74-jährige Rentnerin, verantworten. Der Prozess um die mögliche Ermordung des achtjährigen Mario F. 1974 in Schwedt steht und fällt mit einer Ermittlungsakte der DDR-Staatsanwaltschaft. Aber die ist nach intensiver Suche bislang nicht gefunden worden. Stasi-Gerüchte tauchen auf.

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Landgericht Neuruppin

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ein solcher Fall ist in der märkischen Justizgeschichte noch nicht vorgekommen. Da wird unter Aufbietung massiver Kräfte eine Jahrzehnte alte Ermittlungsakte gesucht – aber nicht gefunden. Dabei könnte das angestaubte Papier, falls es tatsächlich existiert, dem Prozess um die mutmaßliche Ermordung des achtjährigen Mario F. 1974 in Schwedt eine Wendung geben.

Im Verfahren gegen seine Mutter Erna F. vor dem Landgericht Neuruppin – die Staatsanwaltschaft legt ihr den Mord am eigenen Sohn zur Last – wurde am Dienstag ein Geschäftsstellenleiter der Generalstaatsanwaltschaft vernommen. Die in Göttingen lebende 74-Jährige – sie bestreitet die Tat – sei mit der Erziehung des Jungen überfordert gewesen und habe ihn mit Gas vergiftet, so die Anklage.

Mammutsuche zwischen alten Aktendeckeln

Der Geschäftsstellenleiter gab an, dass 25 Mitarbeiter einen Monat lang 10 000 Alt-Akten aus Archivbeständen gesichtet hätten. Unterlagen der DDR-Staatsanwaltschaft in Schwedt zum Tod des Kindes seien jedoch nicht gefunden worden. Vor zweieinhalb Wochen hatte eine Oberstaatsanwältin jedoch ausgesagt, dass sie die Unterlagen selbst in Händen gehalten habe. Sie löste damit die ergebnislose Mammutsuche zwischen alten Aktendeckeln aus. Dabei war das, was die bei der Generalstaatsanwaltschaft beschäftigte Juristin zu Protokoll gab, durchaus überzeugend.

Sie habe, so erklärte sie, vor Jahren ein Akteneinsichtsgesuch zu dem Fall bearbeitet. Um das Jahr 2007 herum habe sich „ein naher Verwandter der Angeklagten“, vermutlich eine der beiden Töchter, bei ihr gemeldet und einen Antrag gestellt. Es sei um die mögliche Mitschuld der Mutter am Tod des Bruders gegangen und dass die Tat gesühnt werden müsse. Die Antragstellerin habe explizit wissen wollen, warum die Ermittlungen gegen ihre Mutter vor 42 Jahren eingestellt worden waren.

Akten wurden nicht geschreddert

Die Oberstaatsanwältin sagt, sie habe Ablichtungen gemacht und der Antragstellerin zugeschickt. Sie habe die Akte nicht Blatt für Blatt gelesen, erklärte die Fachfrau und Zeugin. Da der Fall aber „spektakulär und aufwühlend“ gewesen sei, habe sie sich einiges merken können. Einen Einbruch bei der Generalstaatsanwaltschaft in Brandenburg an der Havel hatte die 55-Jährige ausgeschlossen. Es seien auch keine Akten geschreddert worden.

Für den Vorsitzenden Richter Udo Lechtermann in Neuruppin hängt das weitere Vorgehen von der Akte ab. Bislang liegt nur der Obduktionsbericht der Berliner Charité aus DDR-Beständen vor. Beobachter mutmaßen, dass die Stasi ihre Hand im Spiel hatte und die Ermittlungen einstellen ließ. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Umso wichtiger wäre es, die verschollene Akte zu finden. Aufschluss über den Verbleib der Fotokopien erhofft sich das Gericht Anfang September von den Töchtern der Angeklagten, die 1974 zwölf und vier Jahre alt waren. Die Ältere hatte der Mutter in ihrer ersten Vernehmung vor Gericht schwere Vorwürfe gemacht und ihr die Tötung des Bruders unterstellt.

 

Von Volkmar Krause

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