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Brandenburg Staunende Besucher im neuen Landtag
Brandenburg Staunende Besucher im neuen Landtag
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18:39 18.01.2014
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Potsdam

Den größten Zulauf hatten die Regierungschefs - der amtierende, Dietmar Woidke (SPD), und der ehemalige. Auf dem Flur der SPD-Fraktion stauten sich die Menschen vor dem genormt kleinen Abgeordnetenbüro von Matthias Platzeck, der geduldig persönliche Autogrammkarten signierte und für Erinnerungsfotos posierte. Auch Woidke konnte viele Bürger aus ganz Brandenburg in seinem großzügigen Amtszimmer begrüßen, doch er hatte nicht recht vorgesorgt. Seine 250 Autogrammkarten waren schnell vergriffen, stattdessen ließ er sich dann zusammen mit seinen Fans vor einem Seglerbild von Alt-Kanzler Helmut Schmidt ablichten.

Tausende Menschen nutzten am Samstag bei strahlendem Winterwetter die Gelegenheit, das neue Parlament im alten Gewand des preußischen Stadtschlosses persönlich in Augenschein zu nehmen. In der Warteschlange waren noch die Skeptiker in der Mehrheit, wie Lutz Löffler aus Jüterborg: "Ich will sehen, was hier mit unseren Steuergeldern gemacht wurde. Die Baukosten von 120 Millionen waren ja schon etwas überzogen." Doch dann herrschte im modernen Inneren des Neubaus überwiegend Staunen und Zustimmung.

Zu den Klängen von Fanfaren hat Landtagspräsident Gunter Fritsch am Samstag das Fortunaportal zum riesigen Innenhof des neuen Potsdamer Landtags für die Bürger eröffnet. "Nehmen Sie es in Besitz!" rief Fritsch, bevor die erste Delegation mit Bürgern bei strahlend blauem Himmel das neue Parlament im historischen Gewand des Stadtschlosses stürmte.

Architekt Peter Kulka hatte die Besucher vor der Öffnung des Fortuna-Portals zum gewaltigen Innenhof noch aufgefordert, "ruhig zu meckern". Aber er erntete doch fast ausschließlich Lob. Insbesondere der schlicht in rot und weiß gehaltene und durch hohe Fenster sowie eine gläserne Dachkuppel sehr lichte Plenarsaal überzeugte die meisten. "Mach Dich leer, damit Du neu sehen kannst", erläuterte Kulka mit einem Zitat des Heiligen Benedikt sein minimalistisches Konzept.

Bis Sonntagabend nutzten insgesamt rund 222.000 Menschen Gelegenheit, den Parlamentsbau zu bewundern. Highlights sind das wiedererstandene Knobelsdorff-Treppenhaus, der neue Plenarsaal und das Baudenkmal im Erdgeschoss.

Einzig mit seinem großen weißen Adler an der Wand konnte sich der Architekt bei den meisten Besuchern nicht durchsetzten. Viele Brandenburger wünschen sich dort den roten Landesadler und selbst die, die mit der Farbe aus Designgründen einverstanden sind, zeigten sich unzufrieden: "Der Adler hängt doch über der Notausgangs-Tür recht unglücklich an der Wand", meinte der Potsdamer Mario Nebenführ.

Die Reaktionen der meisten Landtag-Besucher am ersten Tag des großen Eröffnungswochenendes waren durchaus positiv. "Interessant" und "beeindruckend" waren häufig gehörte Beschreibungen der Gäste für das wiederaufgebaute Stadtschloss. Nur hier und da hörte man kritische Stimmen - der "weiße Adler" war natürlich ein Thema und Luzi Salome (9) fand, dass der Ministerpräsident "ein bisschen viel gequatscht" habe. Aber sonst, war alles eitel Sonnenschein - so wie das Wetter am Samstag.

Wenig Aufregung verursachte die Kunstausstellung mit 112 verfremdeten Selbstporträts des Malers Lutz Friedel, die in der Landespolitik einen mächtigen Wirbel ausgelöst hatte. Die Bilder, die den Maler unter anderem auch als Hitler, Stalin und Goebbels zeigen, sollen zum Nachdenken über fast 400 Jahren Geschichte anregen. Kritiker halten den Ausstellungsort im neuen Landtag aber für unangemessen.

Schon am Samstag herrschte großer Ansturm der Brandenburger auf das wiedererrichtete Stadtschloss. Landtags-Sprecherin Katrin Rautenberg zählte bis zum Nachmittag bereits 7000 Gäste. Bis zum Abend rechnete sie mit rund 10.000 Besuchern.

Das Bild "Selbst als Helge Schneider als Hitler" wurde von zahlreichen Besuchern mit Handys fotografiert und viele fanden es wie etwa Helma Steinborn aus Ruhland "ein bisschen geschmacklos". Er störte sich wie andere Besucher auch an der Hängung der Bilder. «Wenn der Künstler das schon zeigen will, sollte er das Hitler-Bild nicht in eine Reihe mit Max Liebermann und Ernst Thälmann hängen», sagte Wilfried Klinke aus Berlin. Andere Besucher erkannten den Diktator gar nicht in dem Bild. «In den Augen ist es Helge Schneider und der Rest? - Ich glaube, es kommt darauf an, was man darin sehen will», sagte eine Besucherin.

» Informationen, Bilder und Videos zur Geschichte des Stadtschlosses, strittigen Debatten und Wutausbrüchen unter www.MAZ-online.de/stadtschloss

Platzeck, der das Projekt als Potsdamer Oberbürgermeister und Ministerpräsident jahrelange begleitete, hatte sich bei der Eröffnungszeremonie zusammen mit seiner Frau Jeanette Jesorka bewusst ganz hinten angestellt. Doch in einem Preisrätsel seiner Fraktion kann er doch noch einmal in Konkurrenz zu seinem Nachfolger treten: "Wer ist der aktuelle Ministerpräsident?", lautet die erste Preisfrage und gibt Manfred Stolpe, Platzeck und Woidke zur Auswahl. Beobachter rätseln, wieviele Stimmen Platzeck wohl noch bekommt.

MAZ/ dpa

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