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Sterbehilfe ja – für unheilbar Kranke

Kommentar zur Debatte im Bundestag Sterbehilfe ja – für unheilbar Kranke

Am Freitag wird im Bundestag ein neues Gesetz zur Sterbehilfe auf den Weg gebracht. Bereits im Vorfeld wurde lang und breit, aber vor allem emotional über dieses Thema diskutiert. Autor Thorsten Fuchs plädiert dafür, dass man Sterbehilfe erlaubt – aber nur in speziellen Fällen.

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Am Freitag entscheidet der Bundestag über ein neues Gesetz zur Sterbehilfe.

Quelle: dpa

Potsdam. Welch ein schöner Gedanke. Wie gern würde man ihm folgen. Man stärkt die Palliativversorgung, also jenen Teil der Medizin, der dem letzten Lebensabschnitt das Leiden nimmt – und schon verschwindet auch der Wunsch, sein Leben vorzeitig selbst zu beenden. Es ist genau diese Idee, die der Tagesordnung im Bundestag gerade zugrunde liegt: Erst – am Donnerstag geschehen – baut die Politik die Palliativstationen aus, dann – so wird es wohl Freitag geschehen – schränkt sie die schon bislang schmalen Möglichkeiten der Sterbehilfe in Deutschland weiter ein. Doch dieser Gedanke geht von falschen Voraussetzungen aus. Er ist zu schlicht für die Wirklichkeit in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Und er ist auch nicht ganz ehrlich.

Autor Thorsten Fuchs

Autor Thorsten Fuchs

Quelle: Kristoffer Finn

Dass der Bundestag am Donnerstag die bessere Betreuung Sterbender beschlossen hat, ist richtig und überfällig. Das Geld, das Gesundheitsminister Hermann Gröhe dafür vorgesehen hat, gut 200 Millionen Euro zusätzlich, wird jedoch nicht reichen. Es wird nicht verhindern, dass Menschen auch künftig ihre Krankheit bis zum Ende erdulden müssen, ohne je einen Palliativarzt oder -pfleger kennengelernt zu haben.

Die Palliativmedizin kann Sterbenden heute fast alle Schmerzen nehmen. In Hospizen kann man erleben, wie Todkranke dank intensiver liebevoller Betreuung ihren letzten Wochen und Tagen noch geradezu heitere Momente abtrotzen können. Aber es gibt auch jene, bei denen die Palliativmedizin an ihre Grenzen stößt. Krebspatienten, die die absehbaren letzten Phasen nicht mehr erleben wollen. MS-Kranke, die zermürbt sind vom jahrzehntelangen Wechsel aus Stillstand und neuen Schüben. Den Kranken die Schmerzen nehmen zu können heißt nicht, ihnen das Leiden zu nehmen. „Menschliches Leben endet, wo die Kommunikation endet. Das ist meine größte Angst“, schrieb der Autor Wolfgang Herrndorf. Er erschoss sich, bevor der Hirntumor ihm auch dies unmöglich gemacht hätte.

Ärzte sollten Sterbehilfe geben dürfen

Unheilbar Kranken sollte der Staat ermöglichen, dass sie ihr Leben beenden, ohne dass sie dazu in die Schweiz fahren, viel Geld an zweifelhafte Helfer wie den früheren Hamburger Justizsenator Roger Kusch zahlen oder sich, wie Herrndorf auf der Suche nach einer Waffe, tagelang im Berlin-Neuköllner Gangstermilieu herumtreiben müssen.

Sterbehilfe

Sollte Sterbehilfe erlaubt werden?

Es geht bei der Abstimmung heute nicht um aktive Sterbehilfe, nicht darum, dass jemand anderes das Leben Kranker beendet. Es geht darum, ob und unter welchen Umständen jemand ihnen ein Mittel beschaffen darf, das sie selbst einnehmen. Ärzten, die dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können, sollte dies erlaubt sein. Der Gesetzentwurf, der heute im Bundestag die größten Chancen auf eine Mehrheit hat, droht ihnen mit dem Strafrecht. Das wäre ein Rückschritt gegenüber der Situation, wie sie heute besteht.

Von Thorsten Fuchs

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