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Leuchtende Eiskristalle am Nachthimmel

Sternenhimmel über Brandenburg im Juni 2016 Leuchtende Eiskristalle am Nachthimmel

In den Juni fällt die kürzeste Nacht des Jahres und damit die Sommersonnenwende. Das Sommerdreieck entfaltet seine ganze Pracht, und der "Herr der Ringe" unter den Planeten kommt der Erde sehr nah. Autor Uwe Schierhorn erklärt auch, was es mit leuchtenden Eiskristallen am Nachthimmel auf sich hat.

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Quelle: Uwe Schierhorn mit Stellarium 0.14.01

Königs Wusterhausen. Der Juni ist der Monat des Sommeranfangs. Am 21. Juni erreicht die Sonne ihre größte Mittagshöhe (bei uns 61° über dem Horizont) und läutet somit den Beginn der wärmsten Jahreszeit ein. Für den Astronomen bedeutet dies aber zugleich eine Zeit, in der es nachts fast nicht mehr richtig dunkel wird.

Die kürzeste Nacht des Jahres

Am 21. Juni steht die Sonne im Sommerpunkt, es ist die Zeit der Sommersonnenwende. Auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde wird der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres registriert. Bereits um 4.44 Uhr geht die Sonne in unseren Breiten auf; erst um 21.31 Uhr geht sie unter. Berücksichtigt man noch die Zeiten der Dämmerung, so besteht die Nacht nur noch aus knapp fünf Stunden. Für Beobachtungen am Nachthimmel bleibt nicht allzu viel Zeit übrig.

Leuchtende Eiskristalle am Nachthimmel

Ein positiver Effekt der kurzen Nacht und somit der geringen Tiefe der Sonne unter dem Nordhorizont sind „Leuchtende Nachtwolken“ bzw. NLC (aus engl. Night Lighted Clouds): Eiskristalle, welche sich in 80 – 85 km Höhe in der sogenannten Mesopause - der kältesten Schicht der Erdatmosphäre - an Kristallisationskeimen bilden, werden von der Sonne noch bestrahlt und bilden eindrucksvolle Strukturen. Bei uns ist die beste Beobachtungszeit von Anfang Juni bis in den Juli hinein, da in dieser Zeit die Sonne keine 16° unter den Horizont sinkt. Die Kristallisationskeime sind kleinste Staubpartikel, die Überreste von Vulkanausbrüchen bzw. auch von Kometenwolken sein können.

Sonne "wandert" durch die Sternbilder

Für die Planetenbeobachtung wirkt sich die relativ geringe Höhe der Ekliptik um Mitternacht im Süden negativ aus. Die Ekliptik ist genaugenommen die Ebene der Erdbahn. Nahezu in der gleichen Ebene bewegen sich auch alle anderen Planeten um die Sonne. Von der Erde aus gesehen, gestaltet sich diese Ebene als scheinbare Bahn der Sonne durch die Sternbilder. Diese Bahn wurde vor über 2500 Jahren entdeckt und verläuft durch die Tierkreissternbilder. Während zur Mittagszeit im Juni die Sonne Höhen von über 60° erreicht, sinkt sie um Mitternacht nur flach unter den Horizont.

Der "Herr der Ringe" kommt der Erde nah

Die Planeten erreichen somit auch nur magere 15°. Entschädigend ist vielleicht, dass 2016 ein wunderschöner Blick in die Ringebene des Saturn möglich ist und der Mars unweit des Ringplaneten zu erkennen ist. Am 3. Juni steht der Saturn der Sonne genau gegenüber (Oppositionsstellung) und hat damit seine geringste Erdnähe in diesem Jahr erreicht. 1.349 Mio. Kilometer liegen zwischen uns und dem „Herrn der Ringe“. Um Mitternacht ist er mit Antares im Skorpion und dem Mars im Süden zu sehen.

Jupiter ist der Planet des Abends

Jupiter ist der Planet des Abends. Mit der Dämmerung erscheint er absteigend im Westen auf noch gut einsehbarer Höhe von 25° bis 30° am Himmel. Seine Untergangszeiten verlagern sich weiter in den Abend. Am Monatsende verschwindet er kurz nach Mitternacht unter dem Horizont. Venus bleibt unsichtbar. Auch der Merkur, der am 9. Mai vor der Sonne vorbeizog (vgl. Abb.) entzieht sich der Beobachtung.

Sommerdreieck aus Deneb, Wega und Atair

In den wenigen dunklen Stunden können wir am Südhimmel die Sommersternbilder mit ihren vielen Fernglasobjekten (z.B. Doppelsterne Albireo und Epsilon Lyrae, Kugelsternhaufen M13; Ringnebel M57) beobachten. Das Sommerdreieck aus den hellen Sternen Deneb (Sternbild Schwan), Wega (Leier) und Atair (Adler) ist mit dem Eintreten der Abenddämmerung im Südosten über dem Horizont und zieht bis zur Morgendämmerung nach Südwesten. Atair ist dabei stets der Stern, der dem Horizont am nächsten steht. Deneb bildet den Schwanz des sich im Sturzflug befindenden Schwans, welcher auch oft als das „Kreuz des Nordens“ bezeichnet wird, erinnert doch die Anordnung der Sterne an ein Christuskreuz.

Auf 21 Planeten ist Leben möglich

Das Sternbild Schwan ist zurzeit auch Zielobjekt des Kepler-Weltraumteleskops, das den Himmel in dieser Region nach extrasolaren Planetensystemen scannt. Mitte Mai meldete die NASA als Betreiber, dass die Zahl der extrasolaren Planeten mit dem 10. Mai um 1284 sprunghaft gestiegen ist. Unter diesen sind 550 Gesteinsplaneten, neun davon umlaufen ihren Stern in der habitablen Zone, d.h. in einem Abstand, der die Existenz flüssigen Wassers möglich macht. Bisher sind, inklusive dieser neuen neun Planeten, 21 Planeten bekannt, die sich in der habitablen Zone bewegen, also Kandidaten für extraterrestrisches Leben sind.

Brachmond am 20. Juni

Der Mond beginnt seinen Zyklus mit dem Neumond am 5. Juni. Ab 7./8. Juni ist er wieder als schmale Sichel am Abendhimmel zu sehen. Der sechste Vollmond des Jahres, der Brachmond, ereignet sich am 20. Juni. Kurz vorher, am 17. Juni und 18. Juni, besucht der Mond die beiden Planeten Mars und Saturn.

Von Uwe Schierhorn

Uwe Schierhorn ist Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Friedrich–Schiller–Gymnasium Königs Wusterhausen und Mitglied in der Schul- und Volkssternwarte Dahlewitz.

Datenquellen: www.calsky.com
Abbildungen erstellt vom Autor mit Stellarium 0.14.01 (Freeware)

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