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Stolpe: „Sind keine Deutschen zweiter Klasse“

Studie zum Stand der Deutschen Einheit Stolpe: „Sind keine Deutschen zweiter Klasse“

Westdeutsche sind arrogant, Ostdeutsche unzufrieden. Vorurteile zwischen Ost und West sind auch 25 Jahre nach der Deutschen Einheit noch verbreitet, wie eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts belegt. Nach Ansicht von Brandenburgs früherem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) liegt das auch an der Wendepolitik.

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Ministerpräsident a.D. Manfred Stolpe (SPD).

Quelle: dpa

Potsdam. Vereint bei der Politikverdrossenheit und den Kosumgewohnheiten, weiter getrennt beim Einkommen und der Wirtschaftskraft: 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede zwischen Ost und West in einigen Lebensbereichen noch deutlich zu spüren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die am Mittwoch vorgestellt wurde. „Die Studie entspricht weithin der Realität“, sagte Brandenburgs erster Ministerpräsident nach der Wende, Manfred Stolpe (SPD), der MAZ.

Vor 25 Jahren habe „ein Sturzflug Ostdeutscher in die deutsche Einheit“ stattgefunden, so Stolpe. Die Unterschiede in den politischen und wirtschaftlichen Strukturen und deren Prägung der Menschen seien nicht bedacht worden. Das macht sich laut Studie auch heute noch bemerkbar: Fast die Hälfte der Deutschen ist der Ansicht, dass es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West gibt. Nach wie vor verdienen Ostdeutsche nur drei Viertel des Durchschnittseinkommens Westdeutscher.

In Brandenburg sei aber viel bewegt worden, nicht zuletzt durch berufstätige Frauen, so Stolpe. „Wir sind nicht Deutsche zweiter Klasse.“ Wenn es darauf ankomme, hielten die Deutschen zusammen, erklärt der frühere Regierungschef: „bei Fußballweltmeisterschaften, bei Katastrophen und Auslandseinsätzen.“ Gegenüber der „Berliner Zeitung“ hatte er ein neues Großbundesland aus Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern als sein „Traumland“ bezeichnet.

Bei der anstehenden Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen gehe es nun darum, den strukturellen Nachholbedarf des Ostens entsprechend zu untersetzen, erklärt der Chef der Potsdamer Staatskanzlei, Rudolf Zeeb (SPD). „Es geht um Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse.“

Linkenchef Görke fordert höhere Löhne und Renten im Osten

Bundesweit nehme die soziale Spaltung zu, sagt der Landesvorsitzende der Linken, Finanzminister Christian Görke, mit Blick auf die Studie. Durch die Strukturschwäche im Osten sei diese hier viel deutlicher zu spüren. „Es muss endlich Schluss sein mit niedrigeren Löhnen und Renten im Osten Deutschlands“, fordert er.

Insgesamt sei die deutsche Einheit schon auf einem sehr guten Weg, sagte der Vizepräsident des Potsdamer Landtags, Dieter Dombrowski (CDU), der MAZ. „Wenn der FC Bayern gewinnt, freuen sich auch die meisten Ostdeutschen“, meint er. In seinem Dorf im Havelland höre er auch keine Wessi-Witze mehr. Dass es bei einigen aber immer noch Vorbehalte gebe, rühre von alten Gefühlen und negativen Erlebnissen kurz nach der Wende her. „Dieses subjektive Empfinden lässt sich auch am Küchentisch nicht wegdiskutieren“, so Dombrowski.

„Überall zeichnet sich ziemlich exakt die alte Grenze ab“, fasst Institutsdirektor Reiner Klingholz seine Studie zusammen, die 25 Themenfelder beleuchtet. Rainer Potratz, Historiker bei Brandenburgs Stasi-Beauftragter Ulrike Poppe, fehlt in der Expertise unter anderem die Frage nach dem Geschichtsverständnis in Ost und West: „Was wissen Bayern über die DDR und was Brandenburger über die alte Bundesrepublik?“

Von Marion Kaufmann

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