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Brandenburg Streetfood auf der Thai-Wiese sorgt für Ärger
Brandenburg Streetfood auf der Thai-Wiese sorgt für Ärger
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00:19 28.09.2017
Überall auf der sogenannten Thai-Wiese im Berliner Preußenpark wird Streetfood an kleinen Ständen gekocht. Das Ordnungsamt schritt nun ein. Quelle: Hannah Suppa
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Berlin

Erst scheint es, als blieben heute die Bäuche leer. Eine Frau versteckt ihre Kochutensilien im Gebüsch, andere Händler warten am Rand der großen Wiese im Preußenpark. „Wir haben den Markt geschlossen“, sagt eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, als sie mit ihren Kolleginnen und mehreren Polizisten am Samstag um kurz nach 13 Uhr abzieht. Auch für die sogenannte Thai-Wiese gelte die Parkordnung und die untersagt es, dort Essen zu kochen und zu verkaufen. Touristen und andere Kunden blicken auf abgedeckte Stände, abgestellte Gaskocher, leere Pfannen. Zig enttäuschte Besucher verlassen den Markt, der heute keiner sein soll. Später wird sich herausstellen, dass sie besser geblieben wären.

Viele stören sich an dem Müll, der auf dem Gelände verursacht wird. Quelle: Maurice Wojach

Gerade weil es sie eigentlich gar nicht geben dürfte, ist die Thai-Wiese eine Attraktion. Mitten im bürgerlich drögen Wilmersdorf versprühen die improvisierten Garküchen Anarcho-Charme. Die Händler zahlen keine Steuern und besitzen meist keine der in der Gastronomie erforderlichen Genehmigungen. Dafür schmecken Papayasalat, Tom-Kha-Gai-Suppe und Sommerrollen trotz kleiner Preise authentischer als anderswo. Berliner stillen ihr Fernweh, ausgewanderte Thailänder ihr Heimweh und Touristen fühlen sich wie Trendsetter. Dabei gibt es die Thai-Wiese seit vielen Jahren, nur ihre Zukunft ist ungewiss. Dem für Ordnungsangelegenheiten zuständigen Bezirksstadtrat Arne Herz (CDU) geht es darum, „die fortwährende Duldung eines rechtlichen momentan nicht zulässigen Zustands in geordnete Bahnen lenken“. Statt den Markt, so wie er ist, weiterhin zu dulden, will er die Parkordnung entweder dauerhaft durchsetzen oder den Markt in einer vermutlich wesentlich kleineren Version zulassen. Und zwar „unter Beachtung von hygiene-, lebensmittel- und sonstiger gewerberechtlichen Gesichtspunkten“.

Die Thai-Wiese ist bei Anwohnern und Touristen beliebt. Quelle: Maurice Wojach

Eine Viertelstunde nach dem Abgang der Ordnungshüter falten thailändische Frauen Teigtaschen, servieren geröstete Heuschrecken, frittieren Hähnchenkeulen und erklären in gutem Deutsch, dass sie kein Deutsch sprechen. Sie fürchten, dass ein Gespräch mit der Presse den aktuellen Ärger nur vergrößern würde. „Ich habe Angst“, sagt eine Frau. Doch ihr 22-jähriger Sohn möchte gern erzählen, warum ihm der Markt so viel bedeutet. „Zum Beispiel am letzten Wochenende habe ich mich plötzlich gefühlt wie in Thailand“, sagt er, „das Essen, die Musik – alles war wie zu Hause.“ Was wäre, wenn es die Thai-Wiese mehr gäbe? Er zögert zu antworten, mit einer Zange ordnet er Teigtaschen, die seine Mutter mit Huhn, getrocknetem Rettich, Erdnüssen und Palmzucker gefüllt hat. „Pfff.“ Der junge Mann, der als Zwölfjähriger mit nach Deutschland kam und einen großen Teil seiner Verwandtschaft verließ, weiß es auch nicht: „Die Frage, ob es die Thai-Wiese mal nicht geben würde, war nie in meinem Kopf.“

Die Stände sind improvisiert. Quelle: Hannah Suppa

Ein paar Stände weiter erinnert sich ein 78-Jähriger deutscher Mann, der seit Jahrzehnten mit einer Thailänderin verheiratet ist, wie Anfang der 1990er der Preußenpark zum thailändischen Treffpunkt wurde. „Drei Familien trafen sich unterm Baum“, erinnert er sich, „jede brachte eine Kleinigkeit mit.“ Damals hätte es thailändische Produkte selbst in Berlin kaum zu kaufen gegeben. Mittlerweile schon – „und das Thai-Essen ist gesund, hat viel Gemüse, heue mögen das die Deutschen“.

Thai-Markt zieht auch Drogendealer an

Die zerfurchten Brachstellen der Wiese zeugen davon, dass die private Essenrunde sich zum Event entwickelt hat. Marion Beyer, die direkt am Preußenpark wohnt, spaziert mit ihrem Hund an Müllsäcken vorbei, die von den Verkäufern der Thai-Wiese aufgestellt wurden. Der Trubel nervt sie nicht, nur die vermeintlichen Folgen. „Ich liebe den Markt“, sagt sie und dann kommt das aber – „mich stört nur, dass er so viele Drogendealer anzieht.“ Tatsächlich wollen abseits der Thai-Wiese an einem Hügel ein paar Männer Drogen verticken. Die Junkies, so heißt es in einem benachbarten Biergarten, kämen aber vor allem dann, wenn gerade mal kein Rummel sei.

Zurück im Getümmel, das alte Bild – Touristen schlürfen Cocktails für 3,50 Euro, Stammgäste aus dem Umland ärgern sich über die Bedenken des Bezirks. Gaby Schöner, die fast jede Woche aus Königs Wusterhausen kommt, schwärmt von den Nudelsuppen, aber auch von thailändischer Kultur. „Es wäre unsinnig, das zu verbieten – der Markt hat auch einen kulturellen Wert.“ Sagt’s, nimmt ihren roten Tee mit Milch und geht rüber. Ihre Suppe ist fertig.

Von Maurice Wojach

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