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Streit um Zugang zur KZ-Gedenkstätte

Oranienburg-Sachsenhausen (Oberhavel) Streit um Zugang zur KZ-Gedenkstätte

Müll, Lärm, Abgase: Was die pro Jahr rund 700.000 Besucher der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen mit sich bringen, empfinden etliche Anwohner als belastend. Schon lange gärt es deswegen in dem Ortsteil von Oranienburg. Eine neu gegründete Initiative macht einen heiklen Vorschlag: den Eingang zur Gedenkstätte zu verlegen.

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Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. In Oranienburg (Oberhavel) ist ein Streit über den Zugang zur KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen entbrannt. Anwohner des Ortsteils, in dem sich das ehemalige Konzentrationslager der Nationalsozialisten befindet, klagen angesichts von jährlich mehr als 700 000 Gästen über zunehmende Belastungen. Sie drängen auf eine Verlegung von Zufahrt und Parkplatz der Gedenkstätte. Das Internationale Sachsenhausen-Komitee, Interessenvertretung der ehemaligen Häftlinge, lehnt das strikt ab.

„Geschichte kann nicht umgeschrieben werden“

Über diese Straßen seien Gefangene des Nazi-Regimes oftmals unter schweren Misshandlungen und unter den Augen der damaligen Anwohner zum Konzentrationslager im heutigen Oranienburger Ortsteil gebracht worden, erklärte Dik de Boef, Generalsekretär des Komitees, am Donnerstag in Amsterdam. Verhandlungen darüber seien tabu. „Geschichte kann nicht umgeschrieben werden.“

Anwohnerinitiative fordert Alternativrouten

Dagegen drängt eine neu gegründete Anwohnerinitiative (AWI) „ Gedenkstätte Sachsenhausen – Gedenken im Einklang mit dem Leben“ auf Veränderungen. Eine Brache neben der nahe gelegenen Landespolizeischule könnte als Stellfläche der zahlreichen Busse dienen, ausbaufähige Alternativrouten zur Gedenkstätte seien vorhanden, sagte AWI-Sprecher Christian Wollank. „Wir fordern einen Dialog, unsere Probleme dürfen nicht weggeschoben werden.“

Busse bringen Lärm, Abgase und Erschütterungen

Die Anwohner der Straße der Nationen litten unter den Erschütterungen der Busse auf dem Kopfsteinpflaster, ihre Häuser bekämen Risse. Auf dem derzeitigen Parkplatz würden die Motoren der täglich bis zu 20 Busse oft stundenlang laufen, um die Klimaanlagen in Betrieb zu halten, so Wollank. Andere Zufahrten hätten keine Bürgersteige. „Wenn sich die Busse da durchquetschen, sind Kita-Kinder in Gefahr.“ Wollank legt Wert auf die Feststellung, dass sich der Protest nicht gegen die Gedenkstätte selbst richte: „Sie ist absolut wichtig und gehört zu Oranienburg.“ Aber die Leitung um Stiftungsdirektor Günter Morsch müsse bereit sein, ein 25 Jahre altes Konzept, das für 150 000 Besucher ausgelegt gewesen sei, zu überarbeiten.

Weitere Vorschläge zur Entlastung

Die Interessenvertretung der einstigen Häftlinge räumt ein, dass die Besucherströme für die Anwohner belastend seien. Aber statt einer Verlegung des Zutritts zur Gedenkstätte sollten Einbahnstraßen eingerichtet, lärmdämmender Asphalt aufgebracht und der bestehende Parkplatz erweitert werden, so Komitee-Chef de Boef. Entsprechende Vorschläge der Brandenburgischen Gedenkstättenstiftung lägen schon lange auf dem Tisch.

„Wir müssen über eine Verlegung der Zufahrt sprechen“

Der Oranienburger Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) bezweifelt, dass das zu einem tragfähigen Kompromiss führt. „Die Besucherzahlen zeigen: Wir haben eine neue Situation. Die Belastung ist den Anwohnern kaum noch zuzumuten.“ Laesicke will nach den Sommerferien Bürger, Gedenkstättenleitung, Kreis und Stadt an einen Tisch holen. „Wir müssen eine vernünftige Lösung finden und auch über eine Verlegung der Zufahrt sprechen.“

Kulturministerium lehnt Eingriff ab

Das Brandenburger Kulturministerium lehnt das als Eingriff ins Konzept ab. Die Gedenkstätte sei eine der wichtigsten in Deutschland, so Sprecher Stephan Breiding. „Sie leistet eine herausragende Aufklärungs- und Gedenkarbeit.“

Ein Tor in der Gedenkstätte Sachsenhausen

Ein Tor in der Gedenkstätte Sachsenhausen.

Quelle: Saskia Kirf

Neue Dauerausstellung seit Juni

Im Juni war in der Gedenkstätte Sachsenhausen eine neue Dauerausstellung eröffnet worden. Sie zeigt, wie die Nazis in dem ehemaligen KZ den Massenmord an Häftlingen organisiert haben. In dem Lager wurden im Herbst 1941 rund 13.000 sowjetische Kriegsgefangene mit einer „Genickschussanlage“ ums Leben gebracht, kurz vor Kriegsende wurden etwa 3000 weitere Häftlinge ermordet. Die Ausstellung zeigt, wie die Abteilungen der Lager-SS dabei zusammenarbeiteten. Während der NS-Zeit wurden etwa 200.000 Häftlinge nach Sachsenhausen deportiert, mehrere Zehntausend wurden dort ermordet.

Von Volkmar Krause

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