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Brandenburg Stress der Politiker macht süchtig
Brandenburg Stress der Politiker macht süchtig
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05:00 19.12.2015
Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

„40 bis 50 Stunden kannst Du gut und gerne arbeiten“, hatte der behandelnde Arzt im Sommer 2013 zu dem damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) im Krankenhaus nach dessen Schlaganfall gesagt. „aber 80 – vergiss es.“ Platzeck, der zuvor schon zwei Hörstürze erlitten hatte, zog daraufhin die Notbremse. Nach elf Jahren als Ministerpräsident des Landes Brandenburg gab er sein Amt auf, obwohl er es, wie er sagte, „mit Lust und Leidenschaft ausgeübt“ hatte.

Zusammenhang zwischen Stress und Infarktrisiko

Politiker und der Stress – das ist kein unbekanntes Kapitel. Nicht nur der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness scheint jetzt ein tragisches Opfer dieses Zusammenhangs geworden zu sein. Auch der frühere Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) erlag 2012 einem Herzinfarkt. Zuvor hatte er der Bild-Zeitung gesagt: „In der Politik muss irgendwann Schluss sein.“ Auch Jürgen Trittin (Grüne) brach 2010 zusammen. Er führte seinen Herzinfarkt aber nicht auf Stress, sondern auf die „Genetik“ zurück. Auch sein Vater hatte schon einen Infarkt gehabt.

„Der Zusammenhang zwischen Stress und Infarktrisiko ist heute evident“, sagt David Leistner, Oberarzt der Kardiologie im Klinikum Benjamin Franklin der Berliner Charité. Bei 25 Prozent aller Patienten, die ei­nen Infarkt erlitten, spiele auch Stress eine Rolle. „Das Problem ist, dass bei der betroffenen Personengruppe ein ungesunder Lebensstil hinzukomm

Die Sucht nach dem Glücksgefühl

Das Tragische bei Politikern sei, dass ihre Tätigkeit sie zugleich süchtig mache, sagt Leistner. „Stress setzt auch Endorphine frei.“ Dieses Glücksgefühl wollten Manager und Politiker nicht missen, wie Leistner aus eigener Erfahrung weiß, „Unmittelbar nach einem Infarkt sagen sie: Ich höre jetzt auf. Ein halbes Jahr später ist das schon wieder vergessen.“

Zum Tod von Klaus Ness

Am Donnerstagabend, 17. Dezember, bricht Klaus Ness im Landtag zusammen. Zwei Abgeordnete beleben den SPD-Poltiker wieder. Ness wird ins Krankenhaus gebracht.

In der Nacht zu Freitag stirbt Klaus Ness, die Ärzte konnten sein Leben nicht mehr retten.

Parteiübergreifend reagieren Politiker geschockt und erschüttert von der Nachricht, dass Ness gestorben ist. Er wird als prinzipientreuer Politiker gelobt, der sich vor allem im Kampf gegen den Rechtsextremismus engagiert habe. Außerdem habe er die gute Entwicklung Brandenburgs in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt.

Zwei Tage vor Ness’ Tod hat er MAZ-Volontäre zum Gespräch im Brandenburger Landtag empfangen. Eine Volontärin erinnert sich an das Gespräch.

Klaus Ness war noch lange nicht am Ende. Kaum einer prägte die SPD in Brandenburg derart. Ein Nachruf.

Strippenzieher, unerbittlich, klug, aber auch streitbar. Klaus Ness hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen ist. Der stellv. Chefredakteur Henry Lohmar in einem Kommentar zum plötzlichen Ableben des Politikers.

Von Rüdiger Braun

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