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Brandenburg Student darf in Potsdam nicht Rabbi werden
Brandenburg Student darf in Potsdam nicht Rabbi werden
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07:34 29.03.2016
Armin Langer (r.) im Sommer 2014 mit Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Empfang. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Dialog zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinden ist in Deutschland keine Seltenheit. Ungewöhnlich ist es indes, wenn ein angehender Rabbiner offensiv Kopftuchträgerinnen verteidigt, Moscheen besucht und gegen das Vorurteil ankämpft, der stellenweise arabisch geprägte Berliner Bezirk Neukölln sei eine No-go-Area für Juden mit Kippa. Das alles hat Armin Langer mit seiner 2013 gegründeten Salaam-Schalom-Initiative getan. Die mediale Aufmerksamkeit brachte ihm unter anderem eine Einladung des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue ein. Im vergangenen November aber warf Langer dem Präsidenten des Zentralrats der Juden Rassismus vor. Und deswegen darf er jetzt seine Rabbinerprüfung am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg nicht ablegen.

Aufregung um scharfen Gastkommentar

Das „Board of Rabbis“ des Kollegs sieht das Vertrauensverhältnis „nachhaltig verletzt“. Grund der Aufregung ist ein Gastkommentar Langers in der Tageszeitung „taz“, in dem er mit scharfen Worten den Zentralratspräsidenten Josef Schuster angreift. Der hatte zuvor in der „Welt“ Obergrenzen für die Flüchtlingszuwanderung gefordert und Islamismus sowie Antisemitismus als „ethnisches Problem“ der arabischen Gemeinschaften bezeichnet. Langer ätzte zurück: Schuster spräche nur für den „Zentralrat der rassistischen Juden“.

Für seine Wortwahl hat er sich inzwischen entschuldigt. Der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, Walter Homolka, war dennoch nicht zu besänftigen. Langer „gefährdet mein Lebenswerk durch sein dummes und freches Vorgehen“, schrieb er in einer internen Mail an Leslie Bergman, Präsident der europäischen Union des progressiven Judentums. Bergman hatte versucht zu vermitteln: „Bei Studenten ist es normal, radikal zu sein, bei Erwachsenen nicht.“

Verstöße gegen die Regeln des Kollegs

Geholfen hat das nicht. Laut Homolka habe Langer mehrfach gegen die Regeln des Kollegs verstoßen, nach denen mediale Auftritte mit der Presseabteilung des Kollegs abzustimmen seien. Schließlich würden auch die angehenden Rabbiner bereits als „Repräsentanten des Judentums wahrgenommen“.

Armin Langer ist schockiert: „Ich habe dem Kolleg keinen Grund für meinen Rauswurf gegeben.“ Das Kolleg habe ihm zunächst freie Hand gelassen, als Privatmensch für die Salaam-Schalom-Intitative aufzutreten. Entsprechende Mails liegen dieser Zeitung vor. Darin rät der Pressesprecher des Kollegs allerdings auch davon ab, sich auf das heikle Feld des religiösen Dialogs zwischen Muslimen und Juden zu begeben. „Du wirst auf die Rolle als Experte und Repräsentant festgelegt – und das fällt auf uns zurück.“

Langer will weiter Rabbi werden, am liebsten in Potsdam. Im Januar 2017 darf er sich erneut um die Zulassung zur Prüfung bemühen. Das will er tun, aber ohne Kompromisse: „Wenn sie mich wieder aufnehmen, sollen sie mir auch das Recht auf freie Meinungsäußerung garantieren.“

Von Jan Sternberg

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