Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Student darf in Potsdam nicht Rabbi werden

Nach Kritik an Zentralrat Student darf in Potsdam nicht Rabbi werden

Armin Langer, der am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg studiert hat, will Rabbiner werden. Als der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, Obergrenzen für Flüchtlinge forderte, warf Langer ihm Rassismus vor. Das hat jetzt Konsequenzen: Der Student darf seine Rabbinerprüfung in Potsdam nicht ablegen.

Voriger Artikel
Skipper haben es in Brandenburg schwer
Nächster Artikel
Altkleider sollen in der Papiertonne landen

Armin Langer (r.) im Sommer 2014 mit Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Empfang.

Quelle: dpa

Potsdam. Der Dialog zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinden ist in Deutschland keine Seltenheit. Ungewöhnlich ist es indes, wenn ein angehender Rabbiner offensiv Kopftuchträgerinnen verteidigt, Moscheen besucht und gegen das Vorurteil ankämpft, der stellenweise arabisch geprägte Berliner Bezirk Neukölln sei eine No-go-Area für Juden mit Kippa. Das alles hat Armin Langer mit seiner 2013 gegründeten Salaam-Schalom-Initiative getan. Die mediale Aufmerksamkeit brachte ihm unter anderem eine Einladung des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue ein. Im vergangenen November aber warf Langer dem Präsidenten des Zentralrats der Juden Rassismus vor. Und deswegen darf er jetzt seine Rabbinerprüfung am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg nicht ablegen.

Aufregung um scharfen Gastkommentar

Das „Board of Rabbis“ des Kollegs sieht das Vertrauensverhältnis „nachhaltig verletzt“. Grund der Aufregung ist ein Gastkommentar Langers in der Tageszeitung „taz“, in dem er mit scharfen Worten den Zentralratspräsidenten Josef Schuster angreift. Der hatte zuvor in der „Welt“ Obergrenzen für die Flüchtlingszuwanderung gefordert und Islamismus sowie Antisemitismus als „ethnisches Problem“ der arabischen Gemeinschaften bezeichnet. Langer ätzte zurück: Schuster spräche nur für den „Zentralrat der rassistischen Juden“.

Für seine Wortwahl hat er sich inzwischen entschuldigt. Der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, Walter Homolka, war dennoch nicht zu besänftigen. Langer „gefährdet mein Lebenswerk durch sein dummes und freches Vorgehen“, schrieb er in einer internen Mail an Leslie Bergman, Präsident der europäischen Union des progressiven Judentums. Bergman hatte versucht zu vermitteln: „Bei Studenten ist es normal, radikal zu sein, bei Erwachsenen nicht.“

Verstöße gegen die Regeln des Kollegs

Geholfen hat das nicht. Laut Homolka habe Langer mehrfach gegen die Regeln des Kollegs verstoßen, nach denen mediale Auftritte mit der Presseabteilung des Kollegs abzustimmen seien. Schließlich würden auch die angehenden Rabbiner bereits als „Repräsentanten des Judentums wahrgenommen“.

Armin Langer ist schockiert: „Ich habe dem Kolleg keinen Grund für meinen Rauswurf gegeben.“ Das Kolleg habe ihm zunächst freie Hand gelassen, als Privatmensch für die Salaam-Schalom-Intitative aufzutreten. Entsprechende Mails liegen dieser Zeitung vor. Darin rät der Pressesprecher des Kollegs allerdings auch davon ab, sich auf das heikle Feld des religiösen Dialogs zwischen Muslimen und Juden zu begeben. „Du wirst auf die Rolle als Experte und Repräsentant festgelegt – und das fällt auf uns zurück.“

Langer will weiter Rabbi werden, am liebsten in Potsdam. Im Januar 2017 darf er sich erneut um die Zulassung zur Prüfung bemühen. Das will er tun, aber ohne Kompromisse: „Wenn sie mich wieder aufnehmen, sollen sie mir auch das Recht auf freie Meinungsäußerung garantieren.“

Von Jan Sternberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Clinton oder Trump: Wer wäre Ihrer Meinung nach der bessere US-Präsident?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg