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Studenten machen keine halben Sachen

Teilzeitstudium in Brandenburg Studenten machen keine halben Sachen

Studieren und nebenbei Arbeiten oder Verwandte pflegen: Brandenburger Hochschulen bieten jeden dritten Studiengang in Teilzeit an. Doch nur vier Prozent machen davon Gebrauch. Faktisch sieht das im Studienalltag aber wieder ganz anders aus.

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Unter Brandenburgs Studenten ist ein Teilzeitstudium kaum gefragt.

Quelle: dpa

Potsdam. In Brandenburg könnten es die Studierenden eigentlich auch langsamer angehen lassen, tun das aber nicht. Beim Angebot an Teilzeitstudiengängen steht das Bundesland laut dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh nämlich nach dem Saarland und der Hansestadt Hamburg an dritter Stelle. Genau ein Drittel aller hierzulande angebotenen Studiengänge kann auch in Teilzeit studiert werden. Das ist weit mehr als der Bundesdurchschnitt von zehn Prozent.

Beim Teilzeitstudium können Studierende nebenbei Angehörige pflegen oder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Sie besuchen weniger Veranstaltungen als die Regelstudenten und haben deshalb mehr Zeit bis zum Abschluss. In Brandenburg gibt es seit 2008 die gesetzliche Möglichkeit, ein Teilzeitstudium zu belegen. 2014 wurde diese Möglichkeit noch erweitert. An der Universität Potsdam zum Beispiel müssen sie nur „die Hälfte der für das jeweilige Semester vorgesehenen Aufwendungen für ein Vollzeitstudium betreiben“.

Die Nachfrage ist allerdings relativ gering und bleibt weit hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Nur 3,9 Prozent der märkischen Studierenden belegen ein Teilzeitstudium. Deutschlandweit sind es 6,5 Prozent aller Studierenden. Am gemächlichsten geht man das Studieren an der Waterkant an. In Hamburg studieren ganze 17,2 Prozent, also fast ein Fünftel aller Studierenden, in Teilzeit.

Auch an Brandenburgs größter Hochschule, der Universität Potsdam, ist das Interesse relativ gering. „Im Wintersemester 2015/16 gab es 24 Studierende, die in Teilzeit studieren“, teilt Sprecherin Silke Engel mit. Ihre individuellen Gründe würden nicht erfasst. Bei rund 20 000 Studierenden sind das etwas mehr als 0,1 Prozent.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität führt das auch auf mangelnde Flexibilität des Teilzeitstudiums zurück. „Man kann immer nur für ein Jahr auf Teilzeit studieren“, sagt Sandra-Diana Heidbrecht, Referentin für Hochschulpolitik. Das Teilzeitstudium habe dann auch noch meist im Wintersemester zu beginnen. Das widerspreche seinem Sinn, zum Beispiel private Pflegeverpflichtungen besser erfüllen zu können. „Wenn man auch nur ein Semester in Teilzeit studieren könnte, würde das sicher vielen Studierenden entgegenkommen“, sagt Heidbrecht. Faktisch studierten viele nämlich in Teilzeit, indem sie länger als die vorgesehene Regelstudienzeit bräuchten, ohne jedoch offiziell als Teilzeitstudenten gemeldet zu sein. Dies bringe den Vorteil mit sich, weiterhin Bafög-berechtigt zu sein. Zugleich müssten sie nicht ständig nachweisen, dass sie ihre Ausbildung weiter ernsthaft betrieben.

Die Politik scheint auch eher an zügigen Studienabschlüssen interessiert zu sein. Das Teilzeitstudium sei dazu gedacht, dass junge Menschen mit anderen Verpflichtungen wie etwa der Pflege von Angehörigen „trotzdem“ studieren können, „wenn es anders nicht möglich ist“, erklärt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Harald Sand. „Das ändert aber nichts daran, dass es eine Regelstudienzeit gibt.“

Von Rüdiger Braun

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