Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg So wütete Sturm „Herwart“ in Brandenburg
Brandenburg So wütete Sturm „Herwart“ in Brandenburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 30.10.2017
Die A 13 bei Bestensee musste wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt werden. Quelle: aireye
Potsdam

Das Wichtigste im Überblick:

+++ Tramverkehr in Potsdam am Sonntag stundenlang unterbrochen
+++ S-Bahn entgleist bei Zusammenstoß mit Baum
+++ Fernverkehr auf vielen Strecken bis Montag eingestellt
+++ Zahlreiche Kreisligaspiele abgesagt
+++ Energieversorger Edis meldet Stromausfälle
+++ A 13 in Richtung Süden kurzzeitig gesperrt
+++ Zum ersten Mal Absage des Hubertuslaufes
+++ Polizei witterungsbedingt 150 Mal im Einsatz

Land Brandenburg, 29. Oktober 2017 – Sturm „Herwart“ zieht mit bis teilweise 120 Kilometern pro Stunde über Brandenburg hinweg. So katastrophal wie „Xavier“ fällt die Schadensbilanz diesmal nicht aus. Doch die Schäden sind dennoch wieder enorm.

Polizeieinsätze: Rund 150 Mal musste die Brandenburger Polizei am Wochenende wegen witterungsbedingter Vorfälle in Zusammenhang mit dem Sturmtief „Herwart“ ausrücken. Beispielsweise seien Straßenabschnitte wegen umgestürzter Bäume gesperrt worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums am Montag. Verletzte habe es glücklicherweise nicht gegeben. Besonders betroffen waren der Süden und Norden des Landes. Die Feuerwehren waren wieder im Dauereinsatz.

Waldschäden: Die in den Wäldern angerichteten Schäden seien noch nicht zu beziffern, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums. Aus den Forstbezirken gingen jetzt nach und nach die Meldungen ein. Derzeit seien die Mitarbeiter noch dabei, die Schäden des letzten Sturms „Xavier“ von Anfang Oktober zu beseitigen, hieß es.

Stromausfälle: Sowohl in Brandenburg als auch in Mecklenburg-Vorpommern hatte es in der Nacht zum Sonntag nach Angaben des Stromversorgers Edis lokale Stromausfälle gegeben. In der Regel gingen diese auf herumfliegende Äste und umstürzende Bäume zurück. Insgesamt waren rund 30.000 Menschen betroffen gewesen. Stromausfälle gab es in Brandenburg unter anderem in den Landkreisen Uckermark Märkisch-Oderland, Teltow-Fläming, Potsdam-Mittelmark, Havelland und Ostprignitz-Ruppin. Die Schäden sollten bis Sonntagabend behoben sein.

In Liebenwalde erwischte der Sturm eine Absperrung. Quelle: Bert Wittke

Schadensbilanzen in den Regionen

Potsdam: In Potsdam waren seit Sonntagmorgen etwa 40 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Potsdam im Einsatz, es gab bis 9 Uhr 15 Einsätze im Stadtgebiet. Der Tramverkehr und der Fährverkehr waren am Vormittag witterungsbedingt eingestellt. Gegen 12 Uhr wurde der Tramverkehr wieder aufgenommen.

> Sturm „Herwart“ in Potsdam

Prignitz: In Wilmersdorf wird eine große Eiche bis Montag die Ortszufahrt versperren. In Weisen sind zwei Bäume auf ein Haus gefallen.

> Sturm „Herwart“ in der Prignitz

Havelland: In Falkensee fegte der Wind das Dach eines Discounters runter, in Nauen flog eine komplette Fotovoltaikanlage von einem Wohnhausdach.

> Sturm „Herwart“ im Havelland

Oberhavel: Die Wehren im Landkreis Oberhavel mussten von Mitternacht bis Sonntagmittag 110-Mal ausrücken, weil Bäume entwurzelt wurden -unter anderem in Velten, Leegebruch, Germendorf, Oranienburg, Glienicke oder Birkenwerder.

> Sturm „Herwart“ in Oberhavel

Potsdam-Mittelmark: Der Südwestkirchhof Stahnsdorf blieb geschlossen. Die Friedhofsverwaltung erklärte, dass wegen des Sturmtiefs „Xavier“ vor drei Wochen bereits viele Bäume vorgeschädigt seien. „Herabstürzendes Bruchholz bringt Leib und Leben in Gefahr, daher ist ein Besuch des Friedhofs in den nächsten Stunden untersagt“, sagte Friedhofsleiter Olaf Ihlefeldt.

> Sturm „Herwart“ in Brandenburg/Havel und Potsdam-Mittelmark

> Sturm „Herwart“ im Hohen Fläming

Ostprignitz-Ruppin: Auch in OPR hatten die Feuerwehren zahlreiche Einsätze. Die Schäden sind jedoch längst nicht so gravierend wie bei „Xavier“ vor drei Wochen.

> Sturm „Herwart“ im Altkreis Kyritz

Im Altkreis Wittstock brachte der Sturm etliche Bäume zu Fall. Bis etwa 11.30 Uhr hatte die Feuerwehr Wittstock zwölf Einsätze absolviert. Der Schwerpunkt habe am Wittstocker Dosseteich und an der Straße in Richtung Alt Daber gelegen, teilt Wehrführer Steffen Müller mit. Aber auch in Richtung Fretzdorf/Rossow habe es Einsätze wegen umgestürzter Bäume gegeben. Darüber hinaus seien Platten eines Daches in der Wittstocker Eisenbahnstraße zum Teil abgedeckt worden. 19 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Für sie Begann die Reihe der Einsätze kurz vor 5 Uhr am Sonntagmorgen. Dennoch sei die Situation nicht so dramatisch wie am 5. Oktober gewesen, als Sturmtief Xavier schwere Verwüstungen im Raum Wittstock/Heiligengrabe angerichtet hatte.

In Neuruppin hatte die Feuerwehr seit dem frühen Morgen mit Sturmschäden zu tun. Bis zum Nachmittag musste sie zu rund 30 Einsätzen ausrücken. Betroffen war vor allem der Norden und Nordwesten der Fontanestadt die Regionen und Gühlen-Glienicke und Alt Ruppin. Unter anderem war am Morgen die Straße zwischen Neuruppin und Kunsterspring wegen eines umgestürzten Baumes vorübergehend gesperrt.

Der Tierpark Kunsterspring blieb wegen der Sturmwarnung vorsorglich für Besucher geschlossen. Das Sturmtief Xavier hatte dort vor drei Wochen so schwere Schäden angerichtet, dass ein Teil des Tierparks zuletzt ohnehin noch gesperrt waren.

Stromausfall: Die Schäden sind bei weitem nicht so schwer wie die, die „Xavier“ angerichtet hatte. Trotzdem fiel in einigen Orten zumindest vorübergehend wieder der Strom aus. Betroffen waren zum Beispiel Molchow und Zechlinerhütte. Aber auch in und um Heiligengrabe und Gransee wurden Leitungen beschädigt, meldete der Netzbetreiber Edis am Nachmittag. Techniker waren laut Edis seit 4 Uhr dabei, die Pannen an den Mittel- und Niederspannungsnetz zu beseitigen.

Die Bahn hatte auf vielen Regionalstrecken im Land den Verkehr eingestellt – der Prignitz-Express war davon aber nicht betroffen. Laut Bahn fuhr der RE6 zwischen Berlin und Pritzwalk wie geplant. Zwischen Pritzwalk und Wittenberge herrscht wegen Bauarbeiten Schienenersatzverkehr.

Dahmeland-Fläming: Die A 13 in Fahrtrichtung Süden musste am Sonntagmorgen voll gesperrt werden. Aus dem hoch wachsendem Nadelgehölz zwischen den Anschlussstellen Bestensee und Groß Köris kippten erneut Bäume in Richtung Autobahn um. Ein Stamm legte sich dabei quer über die Autobahn. Nicht einmal eine halbe Stunde dauerte der schnelle Einsatz der Feuerwehr, dann konnte der Verkehr wieder passieren. (pj)

> Sturm „Herwart“ in Teltow-Fläming

Nach einer halben Stunde war die A 13 wieder frei. Quelle: aireye

Veranstaltungen abgesagt

Besonders betroffen vom Sturm ist der Sport in Brandenburg. Sturmtief „Herwart“ sorgt für Absagen kompletter Spieltage im ganzen Bundesland.

In Jüterbog (Teltow-Fläming) ist das Paulus-Oratorium kurzfristig abgesagt worden. Das Konzert um 17 Uhr fällt aus, weil viele Musiker wegen des Sturms die Anreise nicht bewältigen können. Ob und wie Tickets erstattet werden können und ob das Konzert nachgeholt wird, ist bislang nicht klar.

Der Hubertuslauf in Neuruppin ist fast schon eine legendäre Laufveranstaltung, die immer am letzten Sonntag im Oktober stattfinden soll – in diesem Jahr zum 42. Mal. Aber stattgefunden hat er nicht. Sturmtief „Herwart“ hat den Organisatoren vom Kreissportbund (KSB) am Sonntagmorgen den Wettkampf zerblasen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Laufs mussten die Verantwortlichen den Teilnehmern eine Absage erteilen. „Wir haben um 8 Uhr entschieden, die Veranstaltung abzusagen“, so Organisationsleiter Bernd Gummelt, „die Sicherheit geht vor.“ Es waren bereits einige Bäume entlang der Strecke umgefallen. Via Facebook, der eigenen KSB-Internetseite, per E-Mail und über den RBB wurde die Nachricht schnell verbreitet und erreichte die Mehrzahl der 377 angemeldeten Läufer. Einige Unerschrockene kamen dennoch zum Startplatz am Neuruppiner Oberstufenzentrum. „Ja, wir haben die E-Mail bekommen, aber wir wollten sehen, ob nicht doch gestartet wird“, erzählt Gummelt. Ob der Lauf nachgeholt wird, dürfte bezweifelt werden, „das ist jetzt schwierig zu organisieren“, sagt der Organisator vom KSB. „Wir haben noch nichts geplant.“ Bereits in zwei Wochen erfolgt der Startschuss zum Herbstcross des KSB. Eine Frage stellen sich die Verwantwortlichen nun: „Wohin mit den Bananen“, die jeder Läufer sich im Ziel als erste Stärkung hätte nehmen dürfen. „Vielleicht könnten wir die der Tafel geben?“, so Bernd Gummelt. (Von Dirk Becker)

Sturm legt öffentlichen Verkehr lahm

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn war auf wichtigen Strecken aufgrund der Sturmschäden auch am Montag noch gestört. Zunächst hatte die Bahn geschätzt, dass nur bis Sonntagnachmittag voraussichtlich keine Züge im Fernverkehr fahren. Sie hatte den Betrieb in sieben Ländern teils ausgesetzt.

> Nach Sturm noch Ausfälle bei der Bahn

> Bahn-Infos aktuell auf Twitter

Der Regionalverkehr war am Sonntag ebenfalls stark beeinträchtigt. Viele Linien waren vorübergehend eingestellt, unter anderem RB 22/23 Potsdam Hbf - Michendorf - Berlin-Schönefeld Flughafen, RB 24 Eberswalde - Berlin - Senftenberg, RB 43 Cottbus - Falkenberg. Ab Mittag wurden einige Linien wieder freigegeben, wie der RE 1 Magdeburg - Berlin-Charlottenburg und Berlin Ostbahnhof - Frankfurt (Oder) (ab 12:30 Uhr) und der RB 21 Wustermark - Golm - Potsdam (ab 12:30 Uhr).

> Aktuelle Übersicht zu Störungen Regionalverkehr der Bahn

Im gesamten S-Bahn-Netz kam es wegen Unwetterschäden zu Beeinträchtigungen. Betroffen waren unter anderem die S 1 und die S 2. Teilweise wurde Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Unfälle bei der S-Bahn: In Kaulsdorf und in Schöneberg fuhren S-Bahnen gegen umgestürzte Bäume, verletzt wurde aber niemand. Zwischen Strausberg und Strausberg-Nord entgleiste eine weitere S-Bahn mit acht Fahrgästen, als sie gegen einen Baum fuhr. Es sei niemand zu Schaden gekommen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

> S-Bahn-Infos aktuell auf Twitter oder hier

Die Deutsche Bahn bietet allen Reisenden an, ihre am Sonntag gültigen Tickets vier Wochen zu stornieren oder kostenlos umzutauschen ( hier finden Sie das Onlineformular ).

Sturmtief „Xavier“ war Anfang Oktober über Nord- und Ostdeutschland hinweggezogen. In Brandenburg kamen vier Menschen durch den Sturm ums Leben, in Berlin starb eine Frau. Bundesweit wurden sieben Menschen getötet. Der Bahnverkehr kam in Norddeutschland zum Erliegen, an vielen Bahnstrecken entstand erheblicher Schaden.

Im ganzen Land entwurzelte Bäume, hunderte zerstörte Autos, viele beschädigte Straßen und Wege: Sturmtief „Xavier“ hat am 5. Oktober auch in Brandenburg gewütet. Wir zeigen die Bilder der Verwüstung.

Von MAZonline/dpa

Er gehörte nun mal zur Familie: der Trabant. Am 7. November hat er Geburtstag. Der Trabi wird 60 Jahre alt. Die MAZ sammelt Fotos und Erinnerungen an die DDR-Rennpappe. Ursula und Richard Wolfgang Weber erzählen hier ihre Geschichte. Die Freude über Töchterchen Uta und im Juli 1963 über den Trabant 600 – das geliebte „Höppemötzchen“.

30.10.2017
Brandenburg Verkehr, Wetter in Brandenburg und Berlin - Nach Sturm noch Ausfälle bei der Bahn

Der Sturm hat sich gelegt, jetzt beginnt das große Aufräumen. Die Bahn kämpft noch mit den Folgen von „Herwart“. Doch langsam läuft der Verkehr in Brandenburg und Berlin wieder an. 90 Reisende hatten es wenig bequem: Sie mussten die Nacht auf einem Bahnhof verbringen. Deutschlandweit starben mindestens vier Menschen.

30.10.2017

Der letzte Flug der insolventen Fluglinie AirBerlin am Freitag erzeugte große Aufmerksamkeit – ebenso ein offener Brief an AirBerlin-Chef Thomas Winkelmann, den ein Passagier am Münchener Check-In anbrachte. Wie die MAZ herausfand, lebt der Absender in Potsdam. Wir haben mit ihm gesprochen.

30.10.2017