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Brandenburg Süße Rache: Legte IT-Spezialist „Le Crobag“ lahm?
Brandenburg Süße Rache: Legte IT-Spezialist „Le Crobag“ lahm?
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09:44 04.05.2017
Le Crobag bietet vor allem an Bahnhöfen sein Backwarensortiment an. Quelle: Foto: Imago
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Wildau

Weil er in 85 Filialen der Backshop-Kette „Le Crobag“ mutwillig das Betriebssystem der Computerkassen beschädigt haben soll, muss sich seit Mittwoch ein 42 Jahre alter Computertechniker vor dem Amtsgericht in Wildau (Dahme-Spreewald) verantworten.

Der Mann aus dem nahen Eichwalde hatte für einen Netzwerk-Dienstleister die Rechner des Hörnchen-Konzerns von Hamburg bis Wien gewartet. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nahm der Mann eine „betriebliche Auseinandersetzung“ zum Anlass, nach seiner Kündigung in einer Art Racheakt Teile des Betriebssystems der Rechner zu löschen. Dabei soll ein Schaden von mehr als 100 000 Euro entstanden sein. Bis zu vier Wochen waren Bezahlfunktion, Arbeitszeiterfassung und Buchungssystem nach der Cyberattacke vielerorts nur eingeschränkt funktionsfähig.

Die Crobag-Verkaufsstellen sind insbesondere Reisenden ein Begriff, da sie vor allem an Bahnhöfen intensives Backwaren-Aroma verströmen. Le Crobag hat annähernd 130 Läden, macht 84 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 1300 Mitarbeiter oder Franchise-Nehmer, also Unternehmer, die den Markennamen und die Produkte auf eigene Rechnung nutzen.

Was diesen Kriminalfall so schwierig macht, ist die Beweisführung. Bislang gibt es lediglich eine Indizienkette, deren Details nur noch Computerspezialisten verstehen können. Unstrittig ist, dass jemand mehrere Sicherheitsschranken inklusive Passwörtern überwunden und mutwillig Löschbefehle eingegeben hat. Das haben die IT-Experten vom Landeskriminalamt herausgefunden. Der Effekt in den Läden: Die Hightechkassen mit ihren tastenlosen Bildschirmen ließen sich nicht mehr starten. Allerdings streitet der Angeklagte ab, von seinem Privatrechner in Eichwalde das europaweit tätige Croissant-Netzwerk lahmgelegt zu haben. Zum Tatzeitpunkt, so behauptet der Familienvater, sei er bei seiner Mutter zum Weihnachtsgans-Essen gewesen – und bot neben der angeblichen Gastgeberin noch seinen ehemaligen Stiefsohn als Entlastungszeugen auf. Die widersprachen einander zwar hinsichtlich der Speisenfolge an jenem 25. Dezember 2013 (Gans – Kuchen – Suppe oder umgekehrt), gaben dem Angeklagten sonst aber ein Alibi.

Dagegen haben die Ermittlungsbehörden und der geschädigte Netzwerk-Dienstleister die Spur der Datenzerstörung soweit nachgezeichnet, dass nur eine gute Hand voll technisch versierter Mitarbeiter des IT-Dienstleisters als Täter infrage kommt. Was gegen den Eichwalder spricht: Er besaß nach der Kündigung noch Zugangsmöglichkeiten zu Firmendaten und kannte die Architektur der Programme – außerdem verzeichnet seine Telefonrechnung Aktivitäten von seinem Computer im Tatzeitraum.

Vage bleibt das Motiv. Im Zeugenstand berichtete der Geschäftsführer des Computer-Dienstleisters und Ex-Chef des 42-jährigen Angeklagten von einer Abmahnung, schilderte das Arbeitsverhältnis aber als nicht auffällig konfliktreich. Tatsächlich fand der Angeklagte nach seiner selbst eingereichten Kündigung wieder neue Arbeit als IT-Spezialist. Einen Hinweis auf mögliche Spannungen sprach die Mutter des Mannes an: „Es gab Streit in der Familie, weil er oft nicht zu Hause war.“ Auf Montage schickte der Chef den Notdienst-Beauftragten aus Eichwalde oft, wenn in einer der Back-Filialen die Technik streikte. Zu den Aufgaben des Mannes gehörte übrigens auch das Löschen von Zugangsdaten ausscheidender Kollegen. In seinem Fall hat man das offenbar versäumt.

Der Prozess wird am 24. Mai fortgesetzt.

Von Ulrich Wangemann

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