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Supermarkt behält das Rückgeld

Hennigsdorfer Filiale verweigert Flüchtlingen Wechselgeld Supermarkt behält das Rückgeld

Nach Recherchen der MAZ hält sich eine Hennigsdorfer Supermarkt-Filiale nicht an die Regeln im Umgang mit Wertgutscheinen für Asylbewerber. Eigentlich müssten die Mitarbeiter zehn Prozent des Gutscheinwertes zurückzahlen, wenn der Betrag nicht verbraucht wird. Doch sie behalten das Geld.

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Mary Karanja mit dem Gutschein vorm Supermarkt.

Quelle: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Auf dem Band liegen ein Päckchen Kaffee und süße Frühstücksflocken. „6,98 Euro, bitte“, sagt die Kassiererin freundlich. Mary Karanja zahlt aber nicht mit Bargeld, stattdessen klaubt sie einen Zehn-Euro-Gutschein aus ihrem Portemonnaie.

Rund 186 ihrer 354 Euro Sozialleistungen bekommt die Kenianerin, die im Asylbewerberheim in Stolpe-Süd lebt, jeden Monat vom Landkreis in Form dieser Wertgutscheine. Doch mit ihrem Geld-Ersatz kommt Mary Karanja am Dienstag dieser Woche an der Edeka-Kasse nicht vorbei. "Sie müssen noch etwas kaufen, das hier ist ja ein Zehn-Euro-Gutschein", erklärt die Kassierin. Wechselgeld ‒ wie in anderen Hennigsdorfer Supermärkten ‒ bekommen Asylbewerber mit ihren Wertgutscheinen bei der Hennigsdorfer Edeka-Filiale nämlich nicht. Dabei schreibt der Gutscheinhersteller "Sodexo Pass" vor, dass zehn Prozent des Gutscheinwertes, also in diesem Fall ein Euro, zurückzuzahlen sind, wenn der volle Gutscheinwert nicht erreicht wird. "Wir müssten die Gutscheine ja überhaupt nicht annehmen, außerdem weisen wir mit Schildern in der Filiale darauf hin, dass es kein Wechselgeld für die Gutscheine gibt", sagt die Filialleiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Mary Karanja macht das wütend. "Ich kann doch nicht immer so viel kaufen, dass die Summe genau stimmt", sagt die 25-Jährige.

Die Flüchtlingsbeauftragte Simone Tetzlaff vom Kirchenkreis Oranienburg sieht in der Verweigerungshaltung der Hennigsdorfer Edeka-Filiale eine klare Diskriminierung. "Da wird den Leuten noch mehr Geld geklaut von dem Wenigen, was sie ohnehin nur haben."Tetzlaff kenne Edeka-Filialen ‒ etwa jene in der Greifswalder Straße in Berlin ‒ die bei Gutscheinen anstandslos Wechselgeld rausgeben. "Hier scheint die Willkür der Filialleiter zu entscheiden, ob es Wechselgeld gibt oder nicht", sagt Tetzlaff. Klar, Asylbewerber könnten auch in anderen Märkten in Hennigsdorf einkaufen. "Aber speziell jene, die in Hennigsdorf-Nord wohnen, haben kaum Alternativen", sagt Tetzlaff.

George Wyrwoll, Sprecher von "Sodexo Pass", dem Hersteller der Wertgutscheine, macht sich auf Anfrage der MAZ schlau. Die Probleme beim Hennigsdorfer Edeka-Markt seien dem Unternehmen bekannt, teilt er schließlich mit. Bereits Anfang Mai habe der Landkreis dem Hersteller "Sodexo Pass" darüber berichtet, eine Woche später habe man alle beteiligten Hennigsdorfer Geschäfte angeschrieben und sie aufgefordert, Wechselgeld auszuzahlen. "Wie uns das zuständige Amt bestätigt hat, gibt der Edeka-Markt jetzt Wechselgeld aus", so Wyrwoll.

Dass die MAZ-Recherchen etwas anderes ergeben haben, wundert den Sprecher. "Wenn der Markt die Wertgutscheine annimmt, dann muss er sich auch an alle Spielregeln halten", sagt Wyrwoll. Er werde der Sache nachgehen und sich nochmals an die Filiale wenden. "Das lässt sich ja eigentlich leicht abstellen, es geht ja nur um zehn Prozent Rückgeld."

Eine Sprecherin der zuständigen Edeka-Stelle in Hannover sagte der MAZ, dass die Empfehlung an die einzelnen Märkte sei, zehn Prozent des Gutscheinwertes auszuzahlen, so wie es der Hersteller "Sodexo Pass" vorsieht. Selbstständige Edeka-Einzelhändler können dieser Empfehlung folgen, müssen aber nicht. "Sie entscheiden dies als eigenständige und wirtschaftlich verantwortliche Unternehmer für sich selbst", so die Edeka-Sprecherin.

Von Marco Paetzel

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