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Supervollmond berührt beinahe die Erde

Astronomie Supervollmond berührt beinahe die Erde

Am 14. November steht ein besonderes astronomisches Ereignis bevor: der sogenannte Supervollmond, der der Erde so nah kommt wie lange nicht. Was es mit diesem Mond auf sich hat und was an ihm so super ist, erklärt im Interview sehr anschaulich der Potsdamer Astrophysiker Mirko Krumpe.

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Ein Vollmond in Wittstock.
 

Quelle: Matthias Schramm (Leserfoto)

Potsdam.  Am 14. November steht ein besonderes astronomisches Ereignis bevor: der sogenannte Supervollmond, der der Erde so nah kommt wie lange nicht. Was es mit diesem Mond auf sich hat und was an ihm so super ist, erklärt im Interview sehr anschaulich der Potsdamer Astrophysiker Dr. Mirko Krumpe von Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP).

Was ist ein Supervollmond?

Mirko Krumpe: Zunächst einmal: „Supervollmond“ ist kein astronomischer Begriff, sondern eine Erfindung des Astrologen Richard Nolle Ende der 70er Jahre. Durch Hobbyastronomen und die Presse wurde der Begriff in den vergangenen Jahren sehr populär. Ein Vollmond entsteht, wenn Sonne, Erde und Mond in einer Linie und in dieser Reihenfolge stehen. Dann sehen wir von der Erde die Mondoberfläche vollständig ausgeleuchtet. Befindet sich der Mond zum Zeitpunkt des Vollmondes auf seiner elliptischen Bahn sehr nah an der Erde, bezeichnet man ihn als Supervollmond.

Das bedeutet in absoluten Zahlen?

Krumpe: Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Denn der Mond bewegt sich nicht nur auf einer elliptischen Bahn um die Erde, sondern unterliegt weiteren Kräften, die ihn anziehen und damit den Verlauf seiner Bahn beeinflussen. Solche Störkräfte werden durch andere Planeten wie Venus und Jupiter, aber auch die Sonne und die Erde selbst, die nicht rund ist, verursacht. Somit ändert sich die Form und Größe der Mondellipse ständig und die Distanz Erde-Mond kann zwischen 356.000 und 407.000 Kilometer betragen.

Schicken Sie uns ihr Super-Vollmond-Foto

In Brandenburg soll der Supervollmond besonders gut zu sehen sein. Die Wettervorhersage für Montag ist jedenfalls entsprechend gut. Wir freuen uns daher auf Ihre Vollmondbilder. Schicken Sie uns Ihr Bild an leserbriefe@maz-online.de oder posten Sie es auf unserer Facebook-Seite.

Was macht den Supervollmond am 14. November so besonders?

Krumpe: Der Vollmond am 14. November kommt der Erde so nah wie selten. Er durchläuft dann fast sein Perigäum – den erdnahsten Punkt auf seiner Umlaufbahn. Das Mondperigäum des 14. November hat nur einen Abstand von etwa 356.500 Kilometer. So nah war der Mond seit 1948 nicht und wird es erst wieder im Jahr 2034 sein.

Wann genau ist der Mond am 14. November zu sehen?

Krumpe: Nehmen wir Potsdam als Bezugsort, geht der Mond am 14. November um 16:47 Uhr auf und am 15. November um 08:05 Uhr unter. Dabei fallen Perigäum und Vollmond nur beinahe zeitlich zusammen: Das Perigäum ist um 12:30 Uhr, Vollmond exakt um 14:52 Uhr.

Der Supervollmond vollzieht sich also am Tag und ist damit bei uns nicht zu sehen?

Krumpe: Richtig. Die Menschen an der Westküste Amerikas, auf Hawaii und in Australien haben mehr Glück, bei ihnen ist zur Stunde des Vollmondes Nacht. Wir können den Mond erst ab dem Sonnenuntergang sehen. Dann geht er bei uns auf und ist bereits wieder langsam am Abnehmen. Für das Auge macht das aber keinen Unterschied, er ist immer noch „super“ zu sehen.

Bewirkt die Nähe zur Erde, dass der Supervollmond größer und heller ist?

Krumpe: Ja, aber nicht nur. Zum einen gibt es den realen Effekt durch die Erdnähe. Weil der Mond näher ist, ist die Fläche größer, die er am Himmel einnimmt. Eine größere Fläche kann mehr Licht reflektieren. Damit erscheint der Mond für uns nicht nur größer, sondern auch heller – um sieben Prozent größer und um 15 Prozent heller als ein Mond im mittleren Abstand zur Erde. Zum anderen kommt eine optische Täuschung zum Tragen. Je näher der Mond dem Horizont ist, desto größer erscheint er uns – weil unser Auge vergleicht und ihn in Bezug zu den Häusern, Bäumen und anderen Objekten am Horizont wahrnimmt. Steht der Mond weit oben am Himmel, fehlen diese Bezugsobjekte, und unser Gehirn sagt uns, der Mond sei eher klein.

Wann nach dem 14. November gibt es wieder einen Supervollmond?

Krumpe: Den nächsten Supervollmond gibt es wieder am 3. Dezember 2017 mit einer Entfernung von 357.990 Kilometer. Aber auch im kommenden Monat ist uns der Mond mit 358.470 Kilometer noch immer sehr nah. Diesen Vollmond kann man in Brandenburg sogar beobachten, denn er vollzieht sich in der Nacht zum 14. Dezember. Die exakte Zeit des Vollmondes für Potsdam: 1:06 Uhr.

Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP)

Mirko Krumpe ist Doktor der Astrophysik am AIP. Er erforscht super-schwere Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien. Aktuell untersucht er die Verteilung dieser Objekte im Universum, um zu verstehen, warum einige dieser Objekte riesige Mengen an Materie verschlingen und dadurch quer durchs Universum sichtbar werden, während die Mehrheit dieser Objekte keine Materie aufsaugen.

Das AIP ist die Nachfolgeeinrichtung einer der ältesten Sternwarten Deutschlands – der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte – und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam (AOP), dem ersten Institut weltweit, das sich ausdrücklich der Astrophysik widmete.

Vor 170 Jahren , am 23. September 1846 entdeckte Johann Gottfried Galle an der Berliner Sternwarte den bis dahin unbekannten Planeten Neptun. Das AIP-Logo zeigt die Sternenkonstellation aus dem Jahr 1846, die zur Entdeckung Neptuns führte.

Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Forschungsprofil des AIP umfasst Themen der Astronomie und Astrophysik, die von der Sonnenphysik bis hin zur Entwicklung des Kosmos reichen. Diese Forschung ist in den beiden zentralen Forschungsbereichen „Kosmische Magnetfelder“ und „Extra- galaktische Astrophysik“ organisiert.

Standort des Forschungscampus’ des AIP ist das Gelände am Potsdamer Park Babelsberg, das vor mehr als einhundert Jahren von Kaiser Wilhelm II. für die astronomische Forschung zur Verfügung gestellt wurde. Zu den wissenschaftshistorischen Einrichtungen des AIP auf dem Telegrafenberg zählen der Einsteinturm und der Große Refraktor.

Jeden 3. Donnerstag im Monat lädt das AIP um 19:15 Uhr zu den „Babelsberger Sternennächten“ auf den Campus in Babelsberg ein. Nach einem allgemeinverständlichen Vortrag findet eine Führung über das Gelände mit anschließender Beobachtung am Spiegelteleskop bei klarer Sicht statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nächster Termin: 17. November, mit Mondbeobachtung. Mehr Infos unter www.aip.de

Von MAZonline

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