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Brandenburg Entsteht in Cottbus ein zweites Dresden?
Brandenburg Entsteht in Cottbus ein zweites Dresden?
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16:09 16.02.2018
Zu der Gegendemonstration hatte der Verein „Zukunft Heimat“ aufgerufen. Quelle: dpa
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Cottbus

Es sollte eine Art Befreiungsschlag werden. Cottbus – seit Wochen wegen einer Ballung von Übergriffen zwischen Deutschen und Flüchtlingen in den Schlagzeilen – geht für ein Leben ohne Angst und Weltoffenheit auf die Straße. Doch nur Stunden später bietet sich an diesem Samstag in der Stadt ein gegensätzliches Bild. Einen Steinwurf entfernt gibt es eine andere Demonstration – gegen Zuwanderung. Sie zieht weitaus mehr Teilnehmer an. Die Kontraste könnten an diesem Tag nicht deutlicher sein.

Die Stimmung dort? Groll und angestaute Wut tragen viele der Rentner, Ehepaare, jungen Männer und Frauen offen vor sich her. Viele schimpfen über Flüchtlinge. Dicht gedrängt auf dem Oberkirchplatz steht die Menge zusammen. Teilnehmer kommen nicht nur aus Cottbus, sondern auch aus anderen Regionen Brandenburgs und aus Sachsen. Auch AfD-Anhänger sind zu sehen. Unter die Demonstranten an der Oberkirche mischen sich laut Polizei vereinzelt auch Rechtsextreme. Während Beobachter von mindestens 2000 Teilnehmern ausgehen, spricht der Veranstalter gar von 5000. Die Polizei nennt keine Zahl.

“Schnauze voll“ und „Faxen dicke“ war mehrheitlich auf den Plakaten zu lesen. Quelle: dpa

Die Teilnehmer verurteilen die Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche scharf und skandieren immer wieder „Widerstand“ gegen die Ausländerpolitik der Bundesregierung. Auf Transparenten ist unter anderem zu lesen „Die Islamisierung ist wie ein Krebsgeschwür und ist die größte Gefahr für die Menschheit“, „Wir rufen Islam raus“ und „Merkel muss weg“. Das Ganze erinnert an Bilder der rechten Pegida-Demos in Dresden. Nachdem der Tross durch die Innenstadt gezogen ist, steigt bei der Kundgebung dann sogar Pegida-Chef Lutz Bachmann auf einen Wagen und spricht zur Menge. Die feiert ihn.

Stunden früher: Die andere Cottbuser Demo hofft auf friedliches Miteinander. Auf den Altmarkt als Herzstück der Stadt zieht es gleich zu Beginn geschätzt mehr als 600 Menschen. Im Verlauf werden es nach Schätzungen von Beobachtern einige Hundert mehr, darunter Familien, Flüchtlinge, Rentner, Studenten und Schüler. Ein Flüchtling hat die Demonstration angemeldet. Immer wieder ist zu hören: Cottbus ist keine fremdenfeindliche Stadt. „Das hat Cottbus nicht verdient“, sagt ein Mann. Man wolle friedlich zusammenleben und ein Zeichen setzen, betonen viele. Ein Flüchtling verteilt Rosen, bunte Luftballons sind zu sehen. Die Stimmung ist sehr friedlich, offen, freundlich.

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Hunderte Menschen, darunter viele Flüchtlinge, sind Anfang Februar in Cottbus auf die Straße gegangen, um für Weltoffenheit und ein Leben ohne Hass und Gewalt zu demonstrieren. Es war eine Reaktion auf die angekündigte Kundgebung des Vereins „Zukunft Heimat“.

Die Polizei achtet darauf, dass die Gruppen nicht aufeinandertreffen. Größere Polizeifahrzeuge werden quer auf die Straße als Sperre zwischen Altmarkt und Oberkirchplatz gestellt. Nach Aussagen der Beamten verläuft der Versammlungstag insgesamt störungsfrei. Allerdings habe ein 38-Jähriger an verschiedenen Orten den verbotenen Hitlergruß gezeigt. Beamte nehmen den Deutschen in Gewahrsam.

Der Platz an der Oberkirche in der Cottbuser Innenstadt ist schon lange Ort von Demos der Bürgerinitiative „Zukunft Heimat“ aus dem Spreewald. Dorthin zieht es stets auch AfD-Anhänger – und auch Rechtsextreme. Der Zulauf ist aber immer deutlich geringer gewesen. Das hat sich geändert, seit es im Januar zu den geballten Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen kam. Die Übergriffe waren auch einer der Auslöser, dass das Land Forderungen der Cottbuser Stadtspitze nachkam und jetzt keine weiteren Flüchtlinge in die Stadt schickt. Als Reaktion auf einen Messerangriff von syrischen Flüchtlingen auf einen 16-jährigen Deutschen sowie eine Attacke auf ein deutsches Ehepaar vor einem Einkaufszentrum rief das Bürgerbündnis, das Verfassungsschützer als „asylkritische Initiative“ einstufen, dort zur Demo auf.

In Brandenburgs zweitgrößter Stadt, wo die AfD bei der Bundestagswahl im Herbst die meisten Zweitstimmen holte, ist die rechte Szene traditionell stark. Sichtbar wurde das etwa in der Vergangenheit in der Fan-Szene des Regionalligisten FC Energie Cottbus. Der Fußballverein zeigt am Samstag bei der Pro-Flüchtlings-Demo Gesicht. Auch brandenburgische Politiker sind gekommen, darunter Kulturministerin Martina Münch, SPD-Generalsekretär Eric Stohn und Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers. Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) ist nicht dabei. Laut Stadtverwaltung ist er wegen schon länger geplanter Termine verhindert. Kritik ruft diese Lücke dennoch hervor.

Am 15. Februar soll es in der Stadt wieder ein Zeichen für Weltoffenheit geben. Die Demo „Cottbus bekennt Farbe“ hat Tradition: Sie war als Gegenpol zu rechten Aufmärschen initiiert worden.

Von Anna Ringle

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