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Brandenburg Tausende Besucher und Oldtimer beim Race61
Brandenburg Tausende Besucher und Oldtimer beim Race61
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19:10 27.06.2016
Amerikanische Oldtimer beim Rockabilly- und Rennspektakel Race61 . Quelle: Michaela Grimm
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Finowfurt

Ein Junge im Grundschulalter, den sie Johnny rufen, sitzt auf dem Zaun an der Rennstrecke, hält seine Hand raus und will abgeklatscht werden. Am besten von allen coolen Fahrern der vornehmlich amerikanischen Oldtimer bis Baujahr 1961, die auf zwei und vier Rädern beim Achtel-Meilen-Beschleunigungsrennen in Finowfurt über die Piste donnern. In einer Lautstärke, die eher nichts für Kinderohren ist.

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Cynthia aus Berlin gehört zur Crew des Roadrunners Paradise, einem Rockabilly-Club im Herzen Berlins. Beim diesjährigen Race61-Festival in Finowfurt hilft sie im Kassenhäuschen des Demon Drome, der gut zehn Meter hohen „Wand des Todes“, an der vertikal im Kreis gefahren wird. Natürlich mit Oldtimern.

Mitten auf dem Asphalt, nur wenige Meter hinter der Startlinie für die altgedienten Fahrzeuge, zieht ein tätowiertes Startergirl mit bauchfreier Bluse und knappen Shorts die Fahne durch. Beim Rockabilly- und Rennfestival Race61 wird wie jedes Jahr Rock and Roll gelebt, drei Tage am Stück. Und wie es sich für ein richtiges Festival gehört, donnerte es auch am Himmel: einmal durch kleinere Flugzeuge, die übers Gelände düsten, und dann immer wieder durch tief dunkle Gewitterwolken, aus denen es am Samstag immer wieder heftig goss und sogar hagelte.

Es begann auf einem Gutshof in der Uckermark

Das alljährliche Rock- und Rennspektakel Race61 findet 2016 zum 19. Mal statt. Es startete 1997 als außergewöhnliches Motorradtreffen auf einem Gutshof in Ahlimbsmühle (Uckermark).

Als „Hot Rod und Classic Bike Race Festival“ ist es laut Veranstalter in dieser Größenordnung deutschlandweit einzigartig. Veranstaltet wird das Race61 vom Berliner Roadrunners Rock und Motor Club.

Im Vordergrund steht das Achtel-Meilen-Beschleunigungsrennen (201,17 Meter) auf dem Airstrip mit Autos und Motorrädern bis Baujahr 1961, daher der Name Race61.

Von überall her sind Teilnehmer und Besucher angereist zum Festivalgelände, campieren zu Tausenden zwischen den martialischen Hangars mit ihren Hot Rods, Muscle Cars und Classic Bikes. Alte Eisen, adrett herausgeputzt: Ford Mustangs glänzen in der Hitze im Dutzend, an fetten Chromfelgen ließe es sich satt sehen, würde die heiße Junisonne nicht blenden. Ein typisch gelber amerikanischer Schulbus mit Straßenzulassung parkt hinter einem weiß-rosa-cremefarbenen Chevrolet, dessen Fahrer an der Rennstrecke bei einem Becher Bier den Preis von Ersatzradlagern aushandelt. In vielen Oldtimern hängen Zettel: for sale – zu verkaufen. Mittlere fünfstellige Beträge werden dafür abgerufen.

Rock'n'Race am Wochenende in Finowfurt (Barnim). Quelle: Michaela Grimm

Fahrer drehen waghalsige Runden an der „Wand des Todes“

Zentral auf dem Platz steht ein hohes Zelt aus einer anderen Zeit. Im Inneren: eine hölzerne Steilwand, gut zehn Meter hoch, gebaut 1927 in den USA. Sie ist die Wall of Death des Demon Drome, die Wand des Todes beim Teufelsrennen: Das Team um Dave Dynomyte aus England jagt an den Holzplanken stündlich diverse Maschinen in die Vertikale. Oben steht das Publikum und muss sich festhalten, weil der Boden wackelt, wenn die Fahrer waghalsig ihre Runden drehen. Eine Indian aus den 1920ern, eine Honda aus den 1970ern und ein Austin 7 von 1930 werden durch das Teufelszelt getreten. Aus dem Kassenhäuschen grüßt Cynthia aus Berlin, wie viele hier ist sie bunt tätowiert auf dem gesamten Oberkörper. Seit zehn Jahren Festivalstammgast, der alten Autos wegen, seit zwei Jahren arbeitet sie auf dem Race61. „Es sind viele vermischte Szenen hier vertreten, Rockabilly, Schweinerocker, Hardrocker“, sagt sie, „und normales Publikum. So soll es auch sein.“

Rock'n'Race am Wochenende in Finowfurt (Barnim). Quelle: Michaela Grimm

Alte Motorräder begeistern die Fans

Während es wieder einmal blitzt und aus Eimern schüttet, ziehen Diemo, Robert, Guido, Micha und Christian aus Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde unter ihre Zelt-Plane und trinken von Diemo gemachten Holunderblütenlikör. Einer hat lange Haare, zwei sind auffällig tätowiert und einer von ihnen passt optisch in die fünfziger Jahre. Ihre Gefährte, drei Awos Baujahr 1953, 12 PS, 250 ccm, zu Bobbern umgebaut, und eine aus einem russischen Dnepr-Gespann gebaute BMW Jahrgang 1976, müssen den Gewittern trotzen. Damit selber Rennen fahren die Männer Ende dreißig, Mitte vierzig nicht. „Dazu fehlen uns die Eier“, sagt Robert und schwärmt von anderen Oldtimer-Motorrad-Treffen in der Region. „Mal abschalten vom Alltag“, darum ist die Clique hier. Und natürlich der alten Motorräder wegen, vor allem der kleineren, die ihre Zeitrennen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h auf der Achtelmeile schon vor dem ersten Regen in etwa neun Sekunden absolvierten.

Von Michaela Grimm

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