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„Teenager sollten früher ins Bett“

Schlaf-Forscher zum Unterrichtsbeginn „Teenager sollten früher ins Bett“

Schlaf-Forscher Thomas Penzel von der Berliner Charité schläft zwar selbst gerne aus, einen späteren Unterrichtsbeginn in Brandenburg sieht er aber skeptisch. Der Arbeitsalltag der Eltern treibe auch die Kinder früh aus den Betten.

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Professor Thomas Penzel ist Schlaf-Experte.

Quelle: Foto: Charité

Berlin . Professor Thomas Penzel (57) ist wissenschaftlicher Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité und verfolgt die aktuelle Debatte über einen späteren Unterrichtsbeginn in Brandenburg.

MAZ: Herr Professor Penzel, wie viele Stunden schlafen Sie denn im Schnitt?

Thomas Penzel: Unter der Woche sieben Stunden.

Und das ist genug für Erwachsene?

Penzel: Das ist eigentlich etwas zu kurz. Sieben bis acht Stunden sollten es schon sein. Ich schlafe mir unter der Woche wie so viele alltagsbedingt ein soziales Schlafdefizit an, das ich am Wochenende ausgleiche.

Das geht?

Penzel: Ja, der Körper kann am Wochenende Schlaf nachholen.

Und wie viel Schlaf brauchen Kinder und Jugendliche?

Penzel: Schulkinder in der ersten bis zur vierten Klasse sollten zehn Stunden schlafen. In der fünften und sechsten Klasse reichen neun Stunden, doch mit der Pubertät steigt der Bedarf dann wieder an: 10 Stunden Schlaf sind dann wieder nötig.

Wäre ein späterer Unterrichtsbeginn zumindest für ältere Schüler dann nicht sinnvoll?

Penzel: Entscheidend ist nicht, wann der Unterricht beginnt, sondern dass die Schüler insgesamt genug schlafen. Morgens einfach länger liegen zu bleiben bringt für sich genommen nicht viel. Teenager sollten lieber regelmäßig früher ins Bett gehen.

Das erzählen Sie mal einem Jugendlichen.

Penzel: Ja, die meisten Jugendlichen ignorieren, dass sie mehr Schlaf brauchen. Ein späterer Unterrichtsbeginn ist da natürlich eine schöne Idee.

Gibt es biologisch ein Argument für einen späteren Schulstart?

Penzel: Andere Länder haben den Unterrichtsbeginn um eine Stunde nach hinten geschoben und damit gute Erfahrungen gemacht, das schon. Die Kinder waren fitter. Aber so eine Umstellung ist doch bei uns nicht sozialverträglich. Viele Eltern bekämen am Morgen ein Betreuungsproblem.

Aber wäre nicht die Leistung besser, wenn man erst später lernt?

Penzel: Am leistungsfähigsten sind Schüler zwischen 10 und 11 Uhr. Das hängt aber nicht davon ab, wann man aufgestanden ist, sondern ob man insgesamt genug geschlafen hat. Entscheidend für die Erholung ist die Tiefschlafphase und die findet eine Stunde nach dem Einschlafen statt.

Woher kommt das eigentlich mit dem Unterrichtsbeginn um 8 Uhr? Gibt es dafür einen Grund?

Penzel: Keinen medizinischen. Das hat sich einfach so eingebürgert, wohl weil es mit den typischen Arbeitszeiten der Leute am besten kompatibel ist.


Von Marion Kaufmann

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