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Tegel: Das muss Lütke Daldrup jetzt liefern

Debatte um Berliner Flughafen Tegel: Das muss Lütke Daldrup jetzt liefern

Der Streit um die Zukunft des Flughafens Tegel ist auf Eis gelegt, aber nicht ausgestanden. Nach der Bundestagswahl könnte die Debatte wieder aufflammen. Es sei denn, es gelingt Flughafenchef Lütke Daldrup, woran seine Vorgänger gescheitert sind: Er muss ein schlüssiges Konzept für das steigende Passagierwachstum vorlegen.

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Engelbert Lütke Daldrup am Mittwochabend in Potsdam.

Quelle: dpa

Potsdam. Es sollte ein Show-down werden, um ein leidiges Problem noch vor der Bundestagswahl am 24. September abzuräumen. Doch dazu kam es nicht, trotz mehrstündiger Diskussion hinter verschlossenen Türen im Potsdamer Finanzministerium. Als die Kontrahenten im Streit um die Zukunft des Berliner Flughafens Tegel nach Mitternacht vor die Presse traten, waren sie sich nur in einer Frage einig: dass sie sich nicht einig sind. Und dass eine Eskalation des Streits vor der Bundestagswahl am 24. September irgendwie vermieden werden muss.

Erst in der Aufsichtsratsitzung im November, sollen die „rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Diskussion um Tegel beraten werden“, teilte Aufsichtsratschef und Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider mit. Dann ist auch klar, ob der Tegel-Volksentscheid, der zeitgleich mit der Bundestagswahl stattfindet, erfolgreich war und die Berliner Landesregierung politisch weiter unter Druck setzt.

Dobrindts Zweifel

Alexander Dobrindt in Potsdam

Alexander Dobrindt in Potsdam.

Quelle: Imago/Martin Müller

Im November soll Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup außerdem seinen Masterplan 2040 ausgearbeitet haben. Auch wenn dieser bisher nur in Eckpunkten existiert, ist er aus Berlin-Brandenburger Sicht das Hauptargument gegen Tegel: Das Konzept soll nämlich zeigen, dass der wachsende Flugverkehr trotz allerlei Fehlplanungen am Airportstandort in Schönefeld (Dahme-Spreewald) abgewickelt werden kann. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat bekanntermaßen Zweifel, dass dies möglich ist. Deswegen hatte er sich für den Weiterbetrieb Tegels ausgesprochen.

So auch zunächst am Mittwochabend in Potsdam, als der Krisengipfel begann. Die Entscheidung zur Schließung Tegels sei vor rund 20 Jahren im Konsens getroffen worden, inzwischen gebe es aber viel mehr Passagiere als angenommen. „Ich rate allen dazu, darauf zu reagieren“, sagte er. Doch als Dobrindt hinterher, nach langer Diskussion, gemeinsam mit Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) und Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) ein sehr knappes Statement abgab, brachte er das Wort Tegel nicht mehr über die Lippen.

Nullsummenspiel durch Terminalbau

Flughafenchef Lütke Daldrup muss nun überzeugend darlegen, wie er ein Abfertigungschaos am BER verhindern will. Die Passagierprognosen mussten mehrfach nach oben korrigiert werden. Nun rechnet man für 2020 mit knapp 37 Millionen Gästen im Jahr, die dann am BER und im benachbarten Terminal von Schönefeld bedient werden müssen. Das wird eng: Der BER ist eigentlich für 27 Millionen Passagiere ausgelegt, soll aber zunächst nur mit 22 Millionen Gästen betrieben werden. Den Rest soll Schönefeld abfedern sowie ein neues Zusatzterminal T1-E, das allerdings erst 2021 fertig sein soll.

Das Passagierwachstum in Berlin

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Sechs Millionen Gäste im Jahr soll es bewältigen. Wie aus einer Antwort auf eine Anfrage des Berliner FDP-Fraktionschefs Sebastian Czaja hervorgeht, wird dieses check-in-Terminal nach jetzigem Stand nur wenig Entlastung bieten. Es muss auch Engpässe von Schönefeld-Alt ausgleichen. Denn dort müssen die Stellflächen für Flugzeuge reduziert werden, weil nebenan das Regierungsterminal gebaut wird. In Schönefeld, wo im vergangenen Jahr fast 12 Millionen Fluggäste durchgeschleust wurden, wird sich damit die Kapazität deutlich reduzieren – um etwa sechs Millionen Passagiere. Sie sollen dann ins BER-Terminal T1-E verlagert werden, wie es heißt.

T2 soll zwölf Millionen Passagiere abfertigen

Es sind solche offenen Fragen, die Dobrindt in die Hände spielen, und Lütke Daldrup muss das Kapazitäts-Kunststück vollbringen, an dem schon seine Vorgänger gescheitert sind. Beim Krisengipfel ließ sich der Flughafenchef in die Karten schauen, präsentierte Eckpunkte seines Masterplans, der bisher hauptsächlich auf einfache, weil schnell zu errichtende Ergänzungsbauten setzt. So soll etwa das Nordpier weiter verlängert werden, in einem zweiten Schritt soll ein weiteres Terminal T2 entstehen, dass zunächst weitere zehn bis zwölf Millionen Passagiere abfertigen soll.

Teil seines Plans ist aber auch, möglichst rasch die einst für den BER-Start vorgesehene Terminal-Kapazität von 27 Millionen Gästen herzustellen. Es war Flughafenchef Hartmut Mehdorn, der kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2013 bezweifelt hat, dass der BER wirklich 27 Millionen Passagiere verträgt. Er korrigierte die Zahl auf 22 Millionen nach unten. Mit der will auch Lütke Daldrup starten, sie dann aber durch erweiterte Gepäcksortierung und mehr Schalter wieder erhöhen.

Das Land Brandenburg, das den Sondergipfel initiiert hatte, ist mit dem Ausgang zufrieden. Niemand habe einschätzen können, wie Dobrindt in Potsdam auftreten werde, hieß es aus der Landesregierung. Dass man gemeinsam vor die Presse getreten sei und dass der Bundesverkehrsminister seine Tegel-Forderung zunächst nicht wiederholt habe, das wird in Potsdam als Erfolg bewertet. Dobrindt sagte nach dem Treffen: „Es war ein guter Termin, von dem wir wissen, dass er nicht der letzte gewesen sein wird.“ Er unterstrich damit, dass das Kapitel auf der Tagesordnung bleiben soll. Ob mit ihm als Verkehrsminister, ist jedoch wie so vieles, offen.

Von Torsten Gellner

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