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Brandenburg Tegel spaltet die Gemüter
Brandenburg Tegel spaltet die Gemüter
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19:29 02.08.2017
In der Einflugschneise für Tegel. Selbst hier plädiert nicht jeder für eine Schließung des Airports. Quelle: dpa
Berlin

Vom Dachparkdeck des Einkaufszentrums Clou schaut man direkt auf die Startbahn des Flughafens Tegels. Alle 90 Sekunden startet ein Flieger – mit etwa 140 Dezibel. Zum Vergleich: bei einem Lastwagen schlägt der Zeiger bei 90 Dezibel aus. Insgesamt landen und starten an diesem Mittwoch rund 550 Flieger in TXL. Doch damit könnte bald Schluss sein. Mit der Bundestagswahl am 24. September stimmen die Berliner darüber ab, ob der Stadtflughafen erhalten bleiben oder nach der Eröffnung des BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) für immer schließen soll.

„Ich wäre für eine Schließung“

„Ich wäre für eine Schließung“, sagt Marie Holzer. Die junge Mutter sitzt im Erdgeschoss des Einkaufszentrums und füttert ihren neun Monate alten Sohn. „Er schläft bei diesen sommerlichen Temperaturen mit offenem Fenster, und wenn ein Flieger kommt, erschreckt er sich“, sagt sie und blickt auf ihr Kind. Holzer wohnt mit ihrer Familie in der Nähe des Paracelsus-Bades in Reinickendorf und somit in der Einflugsschneise. „Der Lärm ist auch für uns unerträglich“, fügt sie hinzu. Laut den Tegelgegnern leiden 300 000 Menschen unter Fluglärm.

Michael Kromarek, „Tegel bleibt offen“. Quelle: privat

Michael Kromarek, erster Vorsitzender der Initiative „Tegel bleibt offen“, kann Holzer gut verstehen. „Aber wir wollen ja nicht alles so lassen, wie es jetzt ist“, sagt er. So möchte die Initiative den Flugbetriebsschluss von 23 auf 22 Uhr vorziehen, die nächtlichen Postflüge zum Flughafen BER verlagern und aus Lärmminderungsgründen den Anflugwinkel verringern. „Wir sind keine emotionalen Spinner – wir haben uns schon Gedanken gemacht“, fügt er hinzu. Außerdem reiche ein einziger Flughafen aufgrund der Kapazität nicht aus, so Kromarek.

Ryanair unterstützt Pro-Tegel-Kampagne

Unterstützung bekommt Kromarek aus der Wirtschaft. Die irische Fluggesellschaft Ryanair sponsere 100 großflächige Werbeplakate des Bündnisses „Berlin braucht Tegel“, teilte Berlins FDP-Generalsekretär Sebastian Czaja am Dienstagabend mit. „Ryanair ist ein Partner aus der Wirtschaft, der sich hier einbringt“, sagte er. „Es wird weitere Partner geben, die sich auf andere Weise engagieren.“ Ryanair hatte im Februar erklärt, man würde gern 20 Maschinen in Tegel stationieren – zusätzlich zum Engagement am BER.

Die Debatte um die Zukunft von Tegel läuft auch im brandenburgischen Umland. Falkensee (Havelland) liegt in der Einflugschneise. Und doch, sagt Bürgermeister Heiko Müller (SPD), gehe „die Stimmungslage in Falkensee ziemlich auseinander“. Da gebe es diejenigen, die den Fluglärm nicht aushielten, und jene, die die kurzen Wege zum Flughafen schätzten. „Juristische Auseinandersetzungen erscheinen mir nicht sinnvoll. Ein Rechtsstreit würde sich über Jahre hinziehen“, sagt Müller. Er persönlich will sich nicht festlegen. „Ich gehöre weder zu den leidenschaftlichen Anhängern des einen noch des anderen Lagers.“

Braucht eine Weltstadt zwei Flughäfen?

Vom Flughafen Tegel flogen 2016 über 21 Millionen Passagiere an über 100 Ziele. Ausgelegt war der Flughafen für sieben Millionen Passagiere. Am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) sollen irgendwann einmal 45 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Doch schon jetzt schlängeln sich Flughafenmitarbeiter in orangefarbenen Westen mit BER-Logo über den Flughafen Tegel. „Bereits seit drei Jahren“, sagt ein Mitarbeiter, lächelt schief und geht schnell weiter.

„Jede Weltstadt hat mindestens zwei Flughäfen“, heißt es auf der Internetseite der Initiative „Tegel bleibt offen“. So argumentierte auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Zwei Flughäfen in einer Hauptstadt sei keine Seltenheit, ferner bekomme Berlin ein Kapazitätsproblem, so der Politiker. „Und wenn mal ein unvorhergesehenes Unglück passiert, gäbe es bei einem Flughafen keine Ausweichmöglichkeiten“, unterstreicht Kromarek von „Tegel bleibt offen“. „München hat aber auch nur einen Flughafen“, entgegnet Helmut Möller von der Initiative „Tegel endlich schließen“. Darüber hinaus verlange der Konsensbeschluss die Schließung Tegels, nachdem der BER eröffnet wurde. Daran hält auch die Brandenburger CDU fest – anders als ihre Berliner Kollegen. Man stehe zu den Beschlüssen, sagte Fraktionschef Ingo Senftleben.

Anbindung so oder so schlecht

Doch der Flughafen Schönefeld sei mit Bus und Bahn schlecht zu erreichen, argumentieren die Tegel-Befürworter. „Wenn der BER eröffnet ist, soll auch das Verkehrsnetz ausgebaut werden“, entgegnet Helmut Möller. „Außerdem fliegen die meisten Passagiere nur zwei Mal im Jahr weg und die Anbindung an Tegel ist auch schlimm.“

Eigentlich stimmen zu wenige Menschen über das Schicksal Tegels ab, findet der Flughafenmitarbeiter in der BER-Weste. Das sei ja kein Flughafen für die Hauptstadt, sondern auch für das Umland.

Von Lisa Neumann

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