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Tempolimit spaltet Politiker und Bürger

Brandenburg Tempolimit spaltet Politiker und Bürger

Vor 60 Jahren wurde Tempo 50 in deutschen Ortschaften eingeführt. Die Diskussion um weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts bleibt bis heute hartnäckig. Erste Orte in Brandenburg wagen bereits den Feldversuch – zum Unmut der meisten Bürger.

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Die Zeppelinstraße in Potsdam. Seit dem 30. August 2017 gilt hier Tempo 30.

Quelle: Claudia Jonov

Brandenburg.
Mitte der 1950er Jahre herrschte in der Bundesrepublik Deutschland freie Fahrt für freie Bürger, Tempolimits gab es nicht, bis zum 1. September 1957. An diesem Tag beschließt ein Bundesgesetz eine Geschwindigkeitsbegrenzung: Tempo 50 in Ortschaften. Eine Regelung, die heute als ganz normal angesehen und kaum in Frage gestellt wird, ist 60 Jahre alt geworden.

Tempo 30 als Feldversuch

Deutschland ist immer noch eines der wenigen Länder, in denen auf Autobahnen kein Tempolimit gilt. Die Diskussion über weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen ist damit aber noch lange nicht vom Tisch. Schon seit einiger Zeit wird über eine Verringerung auf Tempo 30 in Innenstädten und auf Hauptstraßen nachgedacht. Auch in Brandenburg an der Havel, Potsdam und Oranienburg laufen Tempo 30-Experimente. Auf vielen Straßen in den Städten gibt es nun ganztägig oder über Nacht Geschwindigkeitsbegrenzung, gedrosselt auf Tempo 30. Die Städte versprechen sich dadurch vor allem weniger Lärmbelästigung für die Bürger.

Lärmbelästigung wird bestehen bleiben

Laut ADAC führen Tempo-30-Zonen jedoch nicht zu Lärmminderung, zumindest zu keinen „wirksamen Verbesserungen“, wie Jörg Becker, Verkehrsexperte beim ADAC Berlin-Brandenburg, den Potsdamer Neuesten Nachrichten sagte. Auch die Schadstoffbelastung werde durch Tempolimits kaum gemindert. Einen flüssigen Verkehr und die damit verbundene Lärmminderung könnten nur durch eine intelligente Ampelschaltung umgesetzt werden. „Stop-and-go ist der größte Übeltäter sowohl bei der Lärmbelästigung als auch bei der Schadstoffbelastung“, so Becker weiter.

Auch in Glienicke gilt seit Juni 2017 auf der Hauptstraße Tempo 30

Auch in Glienicke gilt seit Juni 2017 auf der Hauptstraße Tempo 30.

Quelle: Helge Treichel

In Oranienburg reagierten Politiker verstimmt. So lehnt die CDU die einjährige Probephase ab, sie befürchtet, dass dadurch alles nur noch langsamer geht und verstopfen wird. Durch die SPD-Fraktion reicht in der Sache ein Riss, während Linke, Grüne und Freie Wähler sich klar für ein Tempo 30 aussprechen. „Jetzt haben wir ein Jahr Zeit, herauszufinden, ob Tempo 30 in der beabsichtigten Weise für alle Oranienburger, mit und ohne Auto, wirkt“, sagt Heiner Klemp (Grüne).

Bürger sind tendenziell gegen das Tempolimit

Aber auch viele Bürger sind gegen die Tempo 30-Experimente, so gab es im Internet eine regelrechte Empörungswelle zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Zeppelinstraße in Potsdam. Bei einer MAZ-Befragung zeigten Bürger, was sie von den Einschränkungen halten. „Gar nichts, man kommt ja jetzt schon in der Innenstadt nicht schneller als mit 30 voran“, sagte etwa Ronny Thiel, der seit acht Jahren Taxi in Oranienburg fährt. Die Meinungen ähneln sich und gehen davon aus, dass Tempo 30 den Straßenverkehr noch weiter blockieren wird. So auch bei Marleen Gueffroy, mobile Physiotherapeutin aus Oranienburg. „Wenn ich künftig nur noch durch die Stadt kriechen soll, […], schaffe ich es nie, allen zu helfen, die auf mich warten“, beklagt sie. Viele Bürger können die Tempo 30-Experimente nicht nachvollziehen, vor allem diejenigen, die das Auto für den Arbeitsweg benötigen. Daher fürchten sie weitere Verkehrsverstopfungen und Verspätungen. Nach dem Probejahr wird sich zeigen, was die eingeführten Tempolimits gebracht haben.

Von MAZonline

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