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Brandenburg Kommt man künftig wirklich schneller beim Arzt dran?
Brandenburg Kommt man künftig wirklich schneller beim Arzt dran?
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16:46 12.04.2019
Ärzte sollen mehr Sprechstunden anbieten. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Potsdam

Die Wartezeiten auf einen Arzttermin sollen deutlich kürzer werden. Der Bundesrat machte am Freitag den Weg für das Terminservice- und Versorgungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) frei. Damit werden Praxisärzte verpflichtet, pro Woche mindestens 25 statt 20 Sprechstunden für ihre Patienten anzubieten. Bei Augenärzten, Frauenärzten und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten muss es mindestens fünf Stunden als offene Sprechstunde ohne feste Termine geben.

Außerdem soll die telefonische Vermittlung über Terminservicestellen, die in den Ländern bisher unterschiedlich arbeiten, stark ausgebaut werden. Ab Anfang 2020 sollen sie nicht nur zu Fachärzten vermitteln, sondern auch zu Haus- und Kinderärzten.

Unter der Telefonnummer 116 117 wird ab 2020 dann nicht nur der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar sein, sondern auch die Terminvermittlung über die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

Landarzt: „Geht völlig an der Realität vorbei“

Dennoch sehen Ärztevertreter die Reform kritisch, so etwa der Landarzt Stefan Roßbach-Kurschat aus Börnicke (Havelland). Die allermeisten Ärzte stünden ihren Patienten deutlich länger als 2o oder 25 Stunden in der Woche zur Verfügung, sagt er. „Die Botschaft, die in diesem Gesetz mitschwingt, lautet, dass Ärzte nicht genügend für ihre Patienten da sind. Das geht völlig an der Realität vorbei. Durch das Gesetz werden keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen“, meint er.

Problematischer aber sei die Ausweitung der telefonischen Terminvermittlung zu einem Fach- oder Gebietsarzt. „Das führt zu einem völlig ungeordneten Zugang zu Fachärzten, der Hausarzt sollte stets der erste Ansprechpartner sein.“

Der Hausarzt als qualifizierter Behandler könne in der Vielzahl der Fälle bereits Abhilfe schaffen, so dass nur wenige Patienten einer Weitervermittlung an einen Gebietsarzt bedürfen, so Roßbach-Kurschat, der im Vorstand des Brandenburger Hausärzteverbands sitzt. „Das wird die Facharztpraxen fluten“, prophezeit er.

Kassenärzte: Nicht eine Minute mehr Arztzeit

Der Brandenburger Hausärzteverband hat eine Resolution gegen das Gesetz verabschiedet. Der Verband beklagt darin einen „noch nie dagewesenen Eingriff in die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Ärzte“.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB), die für die Ausweitung der Terminservicestellen verantwortlich ist, ist skeptisch. Die Erhöhung der Sprechstundenzeiten von 20 auf 25 in der Woche bringe nichts, meint KVBB-Vorstandsmitglied Andreas Schwank . „Nicht eine Minute mehr Arztzeit“, sagte er. „Die meisten Kollegen bieten längst mehr als 20 Sprechstunden pro Woche an.“

Mehrausgaben für Krankenkassen

Für die gesetzlichen Krankenkassen bedeuten die Pläne jährliche Mehrausgaben in Milliardenhöhe. Als Anreiz sollen Ärzte zusätzlich Geld bekommen: für das Vermitteln dringender Termine bei Fachärzten, für neue Patienten in der Praxis und Leistungen in offenen Sprechstunden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt davor, dass mit dem neuen Gesetz falsche finanzielle Anreize geschaffen werden. Denn chronisch Kranke und alte Menschen, die schon in Behandlung sind, bräuchten ihren Arzt oft häufiger, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Sie könnten schwieriger Termine bekommen, wenn sich Ärzte nur auf Neupatienten konzentrierten. Positiv beurteilte die Stiftung, dass Hausbesuche auf die Sprechstundenzeiten angerechnet werden können.

Von Torsten Gellner

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